Hot! Olympia war gestern: U13 verhilft Ringkampfsport zu neuer Blüte

Mit Jugendleistungszentren sind sie ja vertraut, die U13-Junioren des SV Viktoria, und so wechselten sie am Sonntag, den 10. Februar, im Rahmen einer Trainingseinheit mal eben kurzerhand das sportliche Metier und durften in einer gleichlautenden Nachwuchsförderanstalt dabei hautnah und physisch spürbar erfahren, was es heißt, einen Sieg im wahrsten Sinne des Wortes zu „erringen“.

Möglich gemacht hatte dieses haptische Vergnügen Jens Gündling, Vater von U13-Spieler Vincent Gündling, in seiner Eigenschaft als Leiter des Ringerleistungszentrums, das auch als Bundesstützpunkt die Tradition der einstigen Ringerhochburg bayerischer Untermain hochhält. Der Alzenauer Jens Gündling  (Jahrgang 1976) gehörte als aktiver Freistil-Ringer noch zu den Spätgeborenen jener goldenen Generation, die sowohl in der Nationalmannschaft als auch im Verein große Erfolge erringen konnten. In Gündlings Trophäensammlung befinden sich Juniorenmeistertitel, deutsche Vize-Mannschaftsmeistertitel aus seiner Zeit bei der RWG Mömbris-Königshofen  ebenso wie deutsche Meistertitel im Leichtgewicht im Trikot des RSV Aalen, trainiert von Ex-Weltmeister Ahmet Cakici, der allen aus den glorreichen 90er Jahren des AC Bavaria Goldbach noch bestens bekannt sein dürfte. Nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn wurde Jens Gündling 2006 Cheftrainer des Ringerverbandes Hessen und übernahm 2010 das Traineramt beim KSC Hösbach. Aufgrund seiner Verwurzelung in der Region ist es ihm ein Leichtes, auch Sportler aus anderen Bereichen in einer Schnupperstunde an die speziellen Anforderungen des Ringkampfsports heranzuführen. So war auch die Viktoria nicht zum ersten Male Gast im Ringerleistungszentrum Aschaffenburg in der Würzburger Straße (neben Bauhaus), bereits 2007 hatte sich die erste Mannschaft, seinerzeit unter Coach Andi Möller („ob Fußball oder Ringen: Hauptsache Ballsport“), auf den Matten getummelt. Die dort freigesetzten Kräfte hatten sportlich durchaus positive Auswirkungen auf das Ligageschehen. Allein: Im Ringkampf gegen das schnöde Mammon ist oft kein Kraut gewachsen, wie uns gelegentlich immer mal wieder vor Augen geführt wird.

Aber zurück zu den Aust-Buben, die mit Sicherheit weitgehend unbekanntes Terrain betreten haben, lassen sie sich doch in Wettbewerben sehr selten aufs Kreuz legen. Durch Jens Gündling erfolgte daher eine Einführung in die Spielregeln und Wertungspraktiken des Ringkampfes, die einzelne Kampfaktionen sowohl nach Effektivität als auch nach ästhetischen  Gesichtspunkten bewerten und dem Agierenden entsprechende Punktzahlen  gutschreiben. Ein Schultersieg liegt bekanntlich vor, wenn ein Akteur auf beiden Schulterblättern am Boden festgenagelt wird. Nach einer theoretischen Unterweisung in den einzelnen Würfen und ihrer jeweiligen Wertung durften die weiß-blauen Ringer-Novizen im Anschluss an die obligatorische Aufwärmphase selbst zur Tat schreiten und die Würfe, Hebel und Griffe in einer 1-gegen-1-Kampfsituation praktisch durchexerzieren. Im Freistil dürfte man sich wohlgefühlt haben, denn hier ist erlaubt, was im Fußball zum „guten“ – für den Gegner freilich schmerzhaften – Ton gehört, aber im griechisch-römischen Stil ein absolutes No-Go darstellt: Tritte und Griffe ans Bein. Begriffe wie „Abtasten“, auch in vielen Fußball-Reportagen zu Hause, erhielten in dieser Sportart eine völlig neue, weniger abstrakte, aber dafür umso körperlichere Bedeutung. Wie im Fußballtraining auch gab es nach der Praxisschulung ein „Trainingsspielchen“, in dem die Jungs ihre zuvor einstudierten Fertigkeiten gegen einen Kampfpartner erstmals zum Einsatz bringen konnten. Hier ging als Sieger hervor, wer die zuvor von Jens Gündling aufgezählten Grundeigenschaften des Ringers – Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer, Explosivität – am besten verinnerlicht hatte. Es war wie im richtigen (Fußballer-) Leben: So manch vorwitzige Attacke wurde ausgekontert und bitter bestraft. Zum abschließenden Hauptkampf des Sonntagnachmittags traten im Superschwergewicht U13-Guru Leander Aust und sein Co. Moritz Allig gegeneinander an. Die beiden Giganten schoben sich 2 Runden lang über die Matte, ohne dass einer den entscheidenden Griff hätte setzen können. So endete der Kampf vor den enttäuschten Augen der Schützlinge 5:5 unentschieden, was heißt – und hier gibt`s einen kleinen Diskurs zum Boxsport – Leander Aust als Titelverteidiger bleibt Cheftrainer. Ein kleiner Tipp für das nächste Mal, wie dem Problem statt mit Muskel- mit Hirnschmalz beizukommen ist. Einer kocht ab ins Schwergewicht – Sauna und Fasten sind aktuell eh angesagt –, so dass beide Kontrahenten in verschiedenen Gewichtsklassen antreten können und – da ohne Gegner – kampflos zum Sieger erklärt werden. Macht übrigens 4 Punkte auf der Habenseite für die Mannschaft laut Reglement.

Man merkts, er hat Spaß gemacht, dieser Exkurs in die Welt des Ringkampfs. Ihrem Dank verlieh die Viktoria-Crew Ausdruck, indem sie ihrem „Fremdenführer“ Jens Gündling zum Abschied ein Trikot  des SVA überreichte.

Bleibt nur noch, die Fußball-Schiedsrichter zu überzeugen, besonders schöne Griffe auf dem Spielfeld nicht mehr mit dem gelben oder gar roten Karton zu ahnden, sondern sie zu belohnen mit einem Freistoß, Schuss vom Punkt oder ähnlichen Privilegien.

Hier finden Sie alle Informationen rund um das Ringerleistungszentrum Aschaffenburg.

 

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