Hot! „Für die neue Saison personell sehr gut aufgestellt“

Zum Abschluss der Transferaktivitäten für das Spieljahr 2019/20 gab uns Sportlicher Leiter Benni Hotz im Rahmen eines Interviews einen kleinen „Rechenschaftsbericht“

Über die Aktivitäten bezüglich der Kaderplanung wurde der interessierte Viktorianer mittels einer ausführlichen Berichterstattung auf unserer Homepage ja immer auf dem Laufenden gehalten. Besonders gut kam naturgemäß der „doppelte Benni“ an: Benedikt Hotz, 32 Jahre alt und seit eineinhalb Jahren Sportlicher Leiter bei der Viktoria, gewinnt das Tauziehen um den gebürtigen Aschaffenburger Benjamin Baier, der mit seinen 30 Lenzen auf eine Profikarriere (Kickers Offenbach, RB Leipzig und Darmstadt 98) zurückblicken kann und zuletzt fünf Jahre lang als unumstrittener Führungsspieler beim traditionsreichen Regionalligisten Rot-Weiss Essen im Mittelfeld die Fäden zog. Dazu und auch zu den weiteren Verpflichtungen haben wir Benni befragt, der uns auch bei der Frage nach seiner qualitativen Einordnung des Kaders keine Antwort schuldig blieb. Und schließlich: Zwei Viktoria-Herzen in einer Brust müssen keine Klippe sein, an der man zerschellt, sondern man kann sie auch elegant rhetorisch umschiffen.

Benni Hotz, Sportlicher Leiter bei Viktoria Aschaffenburg, außert sich im ausführlichen Interview zur aktuellen Situation (© Moritz Hahn)

Benni, Glückwunsch zum Klassenerhalt, für den Du in sportlich leitender Funktion ja auch ein Stück weit verantwortlich sein dürftest. Oder sehen wir das falsch?

Vielen Dank! Ja gut, das ist mein Job und an dem sportlichen Erfolg werde ich auch gemessen. Für das, was wir diese Saison erreicht haben, bin ich – wie du schon sagst – nicht alleine verantwortlich. Ich stelle in enger Abstimmung mit Jochen den Kader zusammen und schaue, dass im Hintergrund alles läuft, damit die Jungs ihre Leistung auf dem Platz bringen können. Aber zum Erfolg tragen alle in und um den Verein bei: Trainerteam, Mannschaft, Vorstandschaft, Betreuer, Ärzte, Physio, ehrenamtliche Helfer, Fans, Gönner und Sponsoren. Denn nur gemeinsam können wir unsere Viktoria auch weiterentwickeln.

Der Klassenerhalt wurde andererseits erst am vorletzten Spieltag und damit vergleichsweise spät realisiert. Hatte das in irgendeiner Form Auswirkungen auf die Kaderplanung für die kommende Saison oder wurde diese nicht davon tangiert?

Ziel war vor der Saison klar der Klassenerhalt, ob Platz 14 oder über die Relegation. Dieses Ziel haben wir einen Spieltag vor Ende der Saison erreicht und mit dem Pokalfinale noch ein absolutes Highlight am Schönbusch erleben dürfen. Desto eher man weiß, in welche Richtung es geht, desto besser kann man natürlich planen. Allerdings ist mir im Hintergrund das nur insofern schwergefallen, als Vertragsverlängerungen und Neuverpflichtungen, welche ligaabhängig waren, nach hinten verschoben werden mussten.

Anders betrachtet: Wäre die Kaderplanung eine andere gewesen, wenn die Viktoria die Klasse nicht gehalten hätte, sprich in die Bayernliga abgestiegen wäre?

Das ist schwer zu beurteilen, generell wäre es dann nicht einfach gewesen, den einen oder anderen Spieler halten zu können. Ziel wäre dann natürlich der direkte Wiederaufstieg gewesen, aber wir spielen diese Saison wieder in der Regionalliga, somit müssen wir hierüber nicht weiter philosophieren (Augenzwinkern).

Steter Tropfen „höhlte“ Benjamin Baier…

Kannst Du die Veränderungen im Kader kurz zusammenfassen, wie sie sich „Stand jetzt“ darstellen?

Zunächst einmal: Großen Veränderungsbedarf gab es nicht, wir haben eine intakte Mannschaft mit einem sehr guten und starken Charakter und einer unglaublichen Moral, wie man die Saison über sehen konnte. „Stand jetzt“ sind die Transferplanungen abgeschlossen. Drei Abgängen stehen fünf Neuzugänge gegenüber. Von unserem Nachbarn TuS Leider wechselte Daniel Meßner an den Schönbusch. Daniel hat in den vergangenen Jahren, wenn auch „nur“ in der Bezirksliga, gezeigt, welches Potential in ihm steckt. Von ihm versprechen wir uns Flexibilität und Durchschlagskraft in der Offensive. Seine Trefferquote spricht ja für sich. Es muss sich noch zeigen, inwieweit er mit der höheren Belastung in der Regionalliga zurechtkommt. Mit Tom Schulz und Hendrik Ehmann holten wir zwei hoffnungsvolle Talente aus der Viktoria-Schmiede zurück, die zuletzt in der U19 von Greuther Fürth und beim FSV Frankfurt aktiv waren. Vor allem Tom kann schon auf Regionalliga-Erfahrung verweisen, schließlich hatte er in der vergangenen Saison 15 Einsätze für das kleine Kleeblatt. Als drittes Kleeblatt, das künftig den Schönbusch-Rasen zieren soll, haben wir quasi noch taufrisch den gerade einmal 19 Jahre alten Fürther Stürmer Egson Gashi „geerntet“. Der 1,87 Meter große, klassische Stoßstürmer ist gebürtiger Ober-Ramstädter und brachte es in der vergangenen Saison auf 26 Einsätze für die Fürther Reserve in der Regionalliga Bayern. Und dann ist da noch Benjamin Baier, der nach langen Jahren als Kapitän von Rot-Weiss Essen dem Ruf in die Heimat gefolgt ist…

Ich weiß, Du hörst das Wort „Kracher“ nicht gerne, aber als Königstransfer darf man die Verpflichtung von Benjamin Baier allemal bezeichnen. Wie kam der Kontakt zustande?

Ich stehe mit Benni schon länger im Kontakt und habe immer mal wieder mein Interesse bekundet. Aber aus dem laufenden Vertrag bei Rot-Weiss Essen war er nicht loszueisen. Als sich im Mai eine vorzeitige Auflösung des eigentlich bis 2020 laufenden Vertrages von Benjamin Baier abzeichnete, war die Chance natürlich groß. Das heißt, ganz so einfach lief es auch nicht, denn zum einen lagen auch noch andere Angebote von renommierten Vereinen vor, zum anderen waren vor dem Vollzug noch einige „Formalitäten“ zu klären. Entgegen kam uns mit Sicherheit, dass Benni wieder in seine alte Heimat zurück wollte und in seinem Entschluss auch von seiner Familie bestärkt wurde. Zudem zeigt er sich vom Viktoria-Konzept überzeugt und möchte einen aktiven Part zu dessen Umsetzung leisten. Benni war bei Rot-Weiss Essen über lange Jahre Identifikationsfigur und Führungsspieler in einem, das ist genau die Rolle, die ihm nun auch bei der Viktoria zugedacht ist. Wir versprechen uns von ihm eine zusätzliche Belebung des Mittelfeldes und auch das eine oder andere Tor. Während seiner Zeit an der Hafenstraße hat er als defensiver Mittelfeldspieler in fünf Spielzeiten in Liga und Pokal 43 Tore erzielt und damit seine Vollstreckerqualitäten hinlänglich unter Beweis gestellt.

Benjamin Baier kehrte erst kürzlich von Rot-Weiss Essen zu Viktoria Aschaffenburg zurück (© Moritz Hahn)

Inwiefern passen die getätigten Neuverpflichtungen ins „Beuteschema“ bzw. personifizieren die Vereinsphilosophie?

Unsere Philosophie ist bekanntlich, soweit es geht, mit regionalen Spielern zu arbeiten, welche im Idealfall auch schon eine Vergangenheit bei unserer Viktoria haben. Mit Benni, Tom, Hendrik und Daniel haben vier unserer fünf Zugänge schon in der Jugend für unsere Viktoria auf dem Platz gestanden. Egson kommt aus der Region.

Solche Spieler haben bei uns Priorität!

Erkältungsgefahr wegen dünner Personaldecke eher gering

In der abgelaufenen Saison wurde hin und wieder die dünne Personaldecke bemängelt, obwohl von einer durchgängigen Verletzungsmisere beim SVA nicht die Rede sein konnte. Habt ihr das angesichts der starken Belastung (englische Wochen und Pokal) drängende Problem auf dem Schirm und müsste daraus nicht der Anspruch abgeleitet werden, den Kader in allen Mannschaftsteilen, vor allem aber in der Offensive, breiter aufzustellen?

Diese Problematik kommt zwangsläufig während der Saison auf, wenn du keine zweite Mannschaft hast und dann noch einen zu großen Kader, in dem einige Spieler gar keine Spielpraxis erhalten. Im Pokal haben wir immer wieder mal rotiert. Auf allen Positionen sind wir mindestens doppelt besetzt. Wir werden den Kader aber bestimmt nicht aufblähen. Wenn es doch einmal eng werden sollte, so haben wir in der U19 einen guten 2001er Jahrgang, auf den wir im Bedarfsfall zurückgreifen können.

Die Zeichen stehen deutlich auf Verjüngung der Mannschaft. Auf diese Idee kann man jedenfalls kommen angesichts des jugendlichen Alters von drei der fünf Neuverpflichtungen

Unser Ziel ist eine gesunde Mischung von erfahrenen und jungen, hungrigen Spielern und als solche präsentiert sich die Mannschaft in ihrer aktuellen Zusammensetzung auch. Mit Blick auf die Zukunft steht selbstverständlich jedes Team vor der Aufgabe, sich sukzessive zu verjüngen. Aber die Verpflichtung von jungem Spielermaterial hat auch noch einen anderen Grund, der im Regelwerk des BFV seinen Ursprung hat. Danach muss jedes Team der Regionalliga Bayern in jedem Saisonspiel mindestens vier U23-Spieler im Kader haben. Philipp Beinenz, Luca Dähn und Max Grünewald fallen demnächst altersbedingt aus der U23-Regel heraus, weshalb schon aus diesem Grund für uns Handlungsbedarf besteht, wieder junge Spieler in den Kader zu integrieren.

Mit dem Klassenerhalt wurde freilich nur die erste Hürde genommen. Die Frage ist ja: Hat der aktuelle Kader „nur“ das Zeug zu einer weiteren Zitterpartie oder verspricht er Fortschritte auf dem Weg, im dritten Anlauf endlich zu einem gestandenen Regionalligisten ohne permanente Abstiegsängste zu reifen?

Ich sehe uns für die neue Saison personell in allen Mannschaftsteilen sehr gut aufgestellt. Wenn der Kader so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, können wir nach meinem Dafürhalten den nächsten Schritt machen. Das Potenzial ist definitiv da, um in der kommenden Saison den Klassenerhalt schon früher fix zu machen und uns dadurch weiter in der Regionalliga etablieren. Letzteres ist unser mittelfristiges Ziel und hier sind wir auf einem guten Weg. Auch außerhalb des sportlichen Bereichs gilt es sich noch weiter zu entwickeln. So wollen wir noch stärker von der ortsansässigen Industrie und Wirtschaft wahrgenommen werden. Man merkt gleichwohl, dass in letzter Zeit einiges in Bewegung gekommen ist und unsere kontinuierliche Aufbauarbeit allmählich Früchte trägt. Diesen Weg weiter zu gehen, zum Wohle der Viktoria, der Stadt Aschaffenburg und der ganzen Region, ist unser erklärtes Ziel.

Zielsetzung Platz 10 bis 12

Mit den kleinen Bayern und der Ingolstädter Reserve haben zwei spielstarke Teams die Liga in entgegengesetzter Richtung verlassen. Mit dem TSV Aubstadt, dem SV Türkgücü-Ataspor München und dem TSV Rain am Lech sind drei Bayernliga-Aufsteiger neu im Feld, die beiden ersteren haben noch überhaupt keine Regionalliga-Erfahrung. Generell jagt der Blick auf das Teilnehmerfeld zunächst mal nicht den großen Schrecken ein. Grund für den SVA, sein Saisonziel neu zu definieren und dem „Klassenerhalt-Minimalismus“ Lebewohl zu sagen?

Im Fußball ist es wie im Geschäftsleben: Am Ende eines Geschäftsjahres werden die Zahlen auf Null gestellt und im neuen Jahr sollen Umsatz und Gewinn wiederholt oder idealerweise sogar gesteigert werden. Generell wollen wir so auch in der Liga mindestens den Erfolg des Vorjahres wiederholen und somit sprechen wir von einer Platzierung zwischen Platz 10 und 12. Die Aufsteiger sind nicht zu unterschätzen. Mit der Euphorie im Nacken kannst du bei einem guten Start einen Lauf bekommen. Freilich wird es in Aubstadt und Rain lediglich um den Klassenerhalt gehen, während Türkgücü ganz andere Ansprüche stellt. Aber hier reden wir auch nicht von einem normalen Aufsteiger…

Abschließend eher was aus der Kategorie „Verstehen Sie Spaß“? Bevor Du an den Schönbusch kamst, warst Du ja lange Jahre bei Viktoria Kahl aktiv. Die Sandhasen sind soeben zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte in die Bayernliga Nord aufgestiegen. Mal ehrlich, hast Du Dich nicht mal bei dem Gedanken ertappt, dass die Viktoria aktuell in der „falschen Liga“ spielt und damit zwei sehr attraktiven Derbys „aus dem Weg geht“, die mit Sicherheit mehr Zuschauer anlocken würden als die meisten Vereine der in der kommenden Runde von wenigen Ausnahmen abgesehen nominell nicht sonderlich attraktiv besetzten Regionalliga Bayern?

(lacht) Nein, ich freue mich natürlich für meine alte Viktoria, dass ihr der Durchmarsch in die Bayernliga gelungen ist und sie damit auch Geschichte geschrieben hat. „Unsere“ Viktoria sehe ich aber definitiv in der Regionalliga. Mein Empfinden ist, dass der Fokus in Aschaffenburg wieder etwas mehr auf die Viktoria gerichtet ist. Einen nicht geringen Beitrag dazu haben gerade die Pokalspiele geleistet, in denen wir ausgiebig Werbung für uns machen konnten. Wenn sich das in weiter steigenden Zuschauerzahlen und zusätzlichem Sponsoren-Interesse niederschlagen sollte, so sind wir auf dem besten Weg, unseren guten Ruf als Publikumsmagnet der Regionalliga Bayern auf Jahre hinaus mit belastbarem Zahlenmaterial zu unterfüttern.

Das hört „unsere Viktoria“ natürlich gerne, dass Du sie nicht „für ein paar Zuschauer mehr“ auf dem Bayernliga-Markt verramschen willst. Jetzt hast Du ganz sicher bei ihr einen Stein im Brett. Herzlichen Dank, Benni, für das aufschlussreiche Interview und Dir sowie der Mannschaft viel Erfolg in der kommenden Regionalliga-Runde!

Vielen Dank!

1 Kommentar

  1. Der überwiegend aus Spielern der Region zusammengestellte Kader der Viktoria macht den Verein sympathisch, denn man trifft Freunde und Verwandte der Akteure, die größtenteils schon viele Jahre hier spielen. Kurzum: Man kennt sich!
    Es macht Freude die Spiele zu besuchen und ich freue mich schon auf die neue Saison!

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