Pünktlich zum Stadtfest: ein Interessent für die Rote Laterne

SVA empfängt am Samstag den TSV Rain am Lech in einem klassischen Kellerspiel

10. Spieltag: Viktoria Aschaffenburg – TSV Rain/Lech

Besser ein schwaches Licht als gar keines, mag man sich beim SVA gedacht haben, als die Rote Laterne am 5. Spieltag das Stadion am Schönbusch erstmals in ihr gespenstisches Licht tauchte. Nun da sich aller Augen an die Dunkelheit im Tabellenkeller gewöhnt haben, möchte man sich des lästig gewordenen Utensils schnellstmöglich entledigen. Die dafür in Betracht kommende Zielgruppe ist naturgemäß sehr überschaubar. Bei weitem die wärmste Sympathie für dieses ausgefallene Accessoire bekundete im bisherigen Saisonverlauf eben jener TSV Rain am Lech, der am Samstag, 24. August, um 14 Uhr seine Visitenkarte abgibt. Der Haken an der Sache ist: Aktuell hat der TSV noch zu viele Punkte (3) oder – anders – der SVA zu wenige (2). So wird nichts aus dem Deal! Das Geschäft wird Zug um Zug abgewickelt: Die Roten händigen den Weiß-Blauen nach einem Alibispielchen drei Punkte aus und bekommen dafür im Anschluss in einem kleinen feierlichen Akt von einem Vertreter des BFV die farblich aufs Trikot abgestimmte Laterne überreicht.

Während der Woche haben die Rainer einige Nebelkerzen gezündet, um ihr übermächtiges Verlangen nach der Roten Laterne zu kaschieren. So entließen sie mit Coach Tobi Luderschmidt einen Mann, der sie so nah wie noch nie (bis auf ein Pünktchen) an das leuchtende Ziel ihrer Wünsche herangeführt hatte. Ob der kurzfristig installierte Interimscoach Jens Meckert, Trainer der Rainer U23, diesen Weg in Aschaffenburg im Luderschmidtschen Sinne „erfolgreich“ zu Ende gehen kann, wird der Samstag zeigen. Als kontraproduktiv und nicht zielführend in Sachen „Mission Rote Laterne“ darf in jedem Fall die unter der Woche getätigte Verpflichtung des 25-jährigen Ugur Yilmaz angesehen werden, der zukünftig für den TSV auf Torejagd gehen soll und schon im Toto-Pokal-Kracher am Mittwoch in Viehhausen (4:0) einen Bolzenschuss setzte. Yilmaz kennt die Klasse, da er in der letzten Spielzeit bis zur Winterpause beim FV Illertissen spielte und dort in 22 Einsätzen 9-mal traf. Wegen seiner unbestrittenen Qualitäten wurde er Anfang des Jahres vom  türkischen Erstligisten Kartalspor unter Vertrag genommen und zuletzt an einen türkischen Zweitligisten ausgeliehen. Yilmaz ist als Scharfschütze mit einer Aversion gegen Rote Laternen bekannt und dürfte am Samstag für die Oberbayern am Start sein. Das kommt den Rainern sehr gelegen, denn die  Brüder Alexander und Daniel Schneider, die in der letzten Saison mit zusammen 25 Toren ein gefürchtetes Sturmduo bildeten, werden am Schönbusch verletzungsbedingt auf keinen Fall mit von der Partie sein. Daniel Schneider wurde erst unter der Woche in Viehhausen mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt.

Neu beim SVA: Christian Eckerlin

Schon seit dem letzten Spieltag muss die Viktoria auf ihren etatmäßigen Innenverteidiger Markus Brüdigam verzichten, der derzeit aus beruflichen Gründen für fünf Wochen in den USA weilt. Die Rote Laterne hat er zu Hause gelassen, da diese in einem Staat mit ausgeprägter Siegermentalität einem strikten Einfuhrverbot unterliegt. Diese Siegermentalität ist auch Neuzugang Christian Eckerlin nicht unbekannt, dessen kurzfristige Verpflichtung erfolgte, um die entstandene Lücke im Abwehrverbund zu schließen. Der 26-jährige, gebürtige Erbacher stammt aus der Jugend des SV Darmstadt 98 und absolvierte in den Jahren 2006 bis 2008 diverse Einsätze in Oberliga und Regionalliga für die Lilien. Danach wechselte er das sportliche Metier. Nach überaus erfolgreichen Jahren im Extremkampfsport wandte er sich wieder seiner alten Liebe Fußball zu und lässt nunmehr für die Viktoria in der Regionalliga Bayern die gestählten Muskeln spielen.

Im Toto-Pokal wurde unter der Woche auch noch gespielt. Das Viktoria-Ross tänzelte beim 4:0 in lockerem Dressurschritt in Dr.-Reiner-Klimke-Manier über die Reiterswiese. Am Würzburger Dallenberg, wo es in der zweiten Runde am nächsten Mittwoch gegen die derzeit sehr gut aufgelegten Kickers geht, könnte bei realistischer Betrachtung hingegen schon der Abdecker warten.

Die Prioritäten sollten ohnehin klar gesetzt sein: Absoluten Vorrang hat die Liga. Die elegante Umschiffung dieses Problems letzte Saison in Rosenheim damit, dass man kurzerhand beide Partien verliert, sollte nun wirklich nicht als Musterlösung angesehen werden. Oder, wie der Volksmund sagt: kein Sieg ist auch keine Lösung.

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