Hot! Fluktuation lässt die Liga atmen

2. Teil unseres „Klassenfotos“ des Jahrgangs 2018/19: In der kommenden Saison machen sich erneut 13 Vereine größtenteils unter Amateurbedingungen dafür stark, dass ambitionierter Regionalliga-Fußball auch abseits der großen Zentren stattfindet

Im zweiten Teil unseres Regionalliga-Porträts befassen wir uns mit jenen Mannschaften, die nicht mit einer (wenn auch exzellenten) Kopie, sondern im „Original“ repräsentiert sind. In den mittlerweile sechs Jahren des Bestehens der Regionalliga Bayern schnupperten insgesamt 26 Vereinsmannschaften (Nicht-Profireserven) mehr oder weniger lange viertklassige Luft. Viele haben sich zwischenzeitlich infolge Aufstieg oder Abstieg wieder verabschiedet, in der Saison 2018/19 spielen mit dem Profireserven-Block, der sich aufgrund des Rückzugs der ersten Mannschaft der Löwen in die Regionalliga in der Vorsaison auf fünf reduziert hat, 13 Vereinsmannschaften um sportliche Meriten.

Regionalliga in Sicht (© Funkhaus Aschaffenburg)

Bei deren Klassifizierung bietet sich die Einteilung an in solche Mannschaften, die „schon länger hier spielen“, andere, die im Laufe der Jahre neu hinzugekommen sind und letztlich die mit der ein oder anderen abstiegsbedingten Unterbrechung ihrer Regionalliga-Vita.

Robuste Evergreens

Der Grund, weshalb das Trio FV Illertissen, TSV Buchbach und FC Memmingen verdient, an erster Stelle separat erwähnt zu werden, ist folgender: Es sind neben den bereits erwähnten Profi-Reserven die einzigen Vereine, die der Regionalliga Bayern seit ihrer Gründung in der Spielzeit 2012/13 ununterbrochen angehören. Vor allem Illertissen und Buchbach schrieben überaus erfolgreich an der Regionalliga-Geschichte mit. Der FVI schnupperte als Spitzenteam der ersten Stunde sogar Höhenluft (3. und 2. Platz), belegte aber auch in den Folgejahren mit Ausnahme der Vorsaison (10.) durchweg einstellige Tabellenplätze. Letzteres gilt auch für den robusten TSV Buchbach, der sich über die Jahre hinweg mit seiner kämpferischen Attitüde bei den Großen der Liga Respekt verschaffte. Beim Dritten im Bunde der „Altgedienten“, dem FC Memmingen, zeigte nach zuvor durchwachsener Bilanz die Formkurve zuletzt nach unten, mündend in die soeben erfolgreich durchgestandene Abstiegsrelegation.

Schweinfurt mit Auftrieb

In chronologischer Reihenfolge ihres „Club-Beitritts“ sind dann diejenigen Vereine zu nennen, die ab der Saison 2013/14 in der Regionalliga Bayern ihre sportliche Heimat fanden. Das ist zum einen der aus der Bayernliga Süd aufgestiegene SV Schalding-Heining. Die Passauer Vorstädter haben in ihren bisher vier Spielzeiten immer die vom direkten Klassenerhalt vorgegebene Flughöhe eingehalten und deuteten mit Rang 11 in der Vorsaison, ihrer bislang besten Platzierung, zuletzt sogar eine zaghafte Orientierung nach oben an. Der vom Namen her ungleich ruhmvollere 1. FC Schweinfurt 05, Aufsteiger aus der Bayernliga Nord, musste hingegen gleich bei der Premiere die Relegation für den Klassenerhalt in Anspruch nehmen. Nach weiteren zwei eher dürftigen Spielzeiten setzte erst in der Saison 2016/17, die man mit Platz 9 abschloss, die sportliche Konsolidierung ein. Zuletzt trugen die Ausrufung des neuen Ziels „3. Liga“ und die damit verbundene Umstellung auf Profitum auch tabellarisch Früchte. Zwar hat man – als Mitfavorit gestartet – als Tabellendritter Meisterschaft und Aufstieg verpasst, darf sich aber nun gleichwohl zu den Topadressen der Liga zählen. Nach dem Abgang der übermächtigen Löwen gelten die Kugellagerstädter mehr denn je als ein Topfavorit, was das einzige Unterfranken-Derby der Liga – Viktoria gegen den 1. FC Schweinfurt – in punkto Attraktivität noch weiter aufwerten wird.

Wacker testet den Klebeeffekt der Liga

In gewisser Hinsicht ist der zur Saison 2014/15 infolge eines Abstiegs aus der dritten Liga der Regionalliga beigetretene SV Wacker Burghausen ein Sonderfall, denn anders als später Jahn Regensburg (15/16) und die SpVgg. Unterhaching (16/17) konnte man den Betriebsunfall nicht umgehend reparieren und fand als einziger Ex-Profi-Verein bisher nicht die Öffnung des „Flaschenhalses“ zurück in Liga drei. Einmal (15/16) war man nahe dran, musste aber letztlich doch als Vizemeister hauchdünn Jahn Regensburg den Vortritt überlassen. Als Meister der Bayernliga Nord reihte sich in dieser Spielzeit mit der SpVgg. Oberfranken Bayreuth ein weiterer Traditionsclub in die Riege der Regionalligisten ein. Die restaurierte „Oldschdod“ ließ sich anfangs mit den Platzierungen 6 und 7 nicht lumpen, um dann auf Platz 13 abzusacken und sich in der abgelaufenen Saison auf Relegationsplatz 17 urplötzlich sanierungsbedürftig zu zeigen. In zwei Partien gegen den Bayernliga-Releganten TSV Aubstadt (2:2; 1:1) kann man so eben mit einem blauen Auge davon und kann daher notdürftig verarztet seiner fünften Spielzeit in der Regionalliga Bayern entgegensehen. Gleichfalls in der Saison 2014/15 stieß auch der in Sachen Regionalliga noch gänzlich unbeleckte VfR Garching als Meister der Bayernliga Süd hinzu. Vom Abstieg in der darauf folgenden Spielzeit 15/16 zeigten sich die Münchner Vorstädter unbeeindruckt und kehrten bereits ein Jahr später ausgestattet mit dem Ticket „Bayernliga-Meister“ in die Regionalliga zurück. Bestens präpariert, wie es scheint, denn mit Platz vier in der Tabelle sorgten die Münchner Vorstädter zuletzt für eine faustdicke Überraschung.

Gründungsvereine mit Lücken im Lebenslauf

Teams, die zu den Gründungsvereinen der Bayernliga Nord zählen, aber zwischenzeitlich eine sportliche Auszeit in der Bayernliga nehmen mussten, sind der TSV 1860 Rosenheim, SV Heimstetten und – nicht zu vergessen – unsere Viktoria. Der TSV 1860 stieg in der Saison 2014/15 ab und kehrte zwei Jahre später zur Saison 2016/17 zur bayerischen Amateur-Elite zurück. Der SV Heimstetten brauchte nach seinem Regionalliga-Abstieg in der Spielzeit 2014/15 gar drei Jahre und kann sich als aktueller Aufsteiger aus der Bayernliga Süd ab der kommenden Runde wieder zu den Regionalligisten zählen. Von allen Teilnehmern an der kommenden Runde musste allein die Viktoria schon zweimal die schmerzliche Erfahrung des Abstiegs machen. Aufgrund ihrer permanenten Missachtung der alten Boxerregel „They never come back“ könnte man die Weiß-Blauen freilich auch im positiven Sinne als „Stehaufmännchen der Liga“ bezeichnen. Doch im dritten Anlauf will man am Schönbusch endlich fest mit der neuen Liga verwachsen und Abstoßungsreaktionen sollen endgültig der Vergangenheit angehören.

Letztjährige Aufsteiger mit guter Premiere

Schließlich sind mit dem FC Pipinsried und dem VfB Eichstätt noch zwei Aufsteiger aus der letzten Saison im Teilnehmerfeld. Während der VfB Eichstätt als Meister der Bayernliga-Nord-Saison 2016/17 am Schönbusch wohlbekannt ist, gab es mit dem früheren Süd-Vertreter FC Pipinsried noch keinerlei Berührungspunkte. Für beide Teams war die Regionalliga absolutes Neuland und für diese Verhältnisse hat Pipinsried (Platz 14) mit dem direkten Klassenerhalt einen respektablen, Eichstätt mit einem zuvor nicht für möglich gehaltenen siebten Tabellenplatz gar einen glänzenden Leistungsnachweis erbracht. Zudem räumen Teams wie Garching und Eichstätt durch ihr Abschneiden mit dem Klischee auf, dass es für Bayernliga-Aufsteiger in der Regionalliga im ersten Jahr immer nur gegen den Abstieg gehen muss.

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