Samstag in Schalding: Diva zu Gast beim Landfrauenverein

„Jagdszenen in Niederbayern“ gelten drei dringend im Abstiegskampf benötigten Punkten

Auf der einen Seite das pralle Leben, Glamour und Abstürze, auf der anderen Seite jahraus, jahrein zähe, beharrliche Feldarbeit: Unterschiedlicher können sportliche Sozialisationen nicht verlaufen als im Falle der zwei Welten, die am kommenden Samstag, 14 Uhr, in der städtischen Sportanlage am Reuthinger Weg zu Passau in einem Schicksalsspiel aufeinanderprallen.

19. Spieltag: SV Schalding-Heining – Viktoria Aschaffenburg

Der SVA ist an diesem 19. Spieltag zu Gast beim Regionalliga-Neuling SV Schalding-Heining, einem Verein, der in den Nachkriegswirren im Mai 1946 gegründet wurde und durch den sportlichen Zusammenschluss der beiderseits der Donau gelegenen Passauer Stadtteile Schalding und Heining im wörtlichen Sinne einen Brückenschlag vollzog. Der SVS stand lange Zeit im Schatten des 1. FC Passau, der in fußballerischer Hinsicht  ersten Adresse in der Dreiflüssestadt. Erst in jüngerer Zeit haben sich die Kräfteverhältnisse verschoben, eine Entwicklung, die auch dem gebürtigen Passauer Ludwig Preis, mit seinem Kleeblatt-Team unlängst zu Gast am Reuthinger Weg, nicht verborgen geblieben ist: „Früher, da war es ja so, dass die besten Kicker beim FC Passau gespielt haben. Und die, die es nicht geschafft haben, sind dann nach Schalding gegangen. … Das Blatt hat sich gewendet, der SV Schalding hat in den letzten Jahren eine mehr als nur beachtliche Entwicklung genommen. Da kann ich nur meinen Hut ziehen.“ Der Aufwärtstrend setzte Mitte der 80er Jahre ein, seinen Ausgang nehmend in der untersten Liga und die Kicker aus der Dreiflüssestadt bis in die damals zweithöchste bayerische Spielklasse, die Landesliga Mitte, führend, der man vom Jahre 1999 an zehn Spielzeiten ununterbrochen angehörte. Im Jahre 2009 wurde der nächste große Schritt vollzogen, indem endlich der Aufstieg in die Bayernliga realisiert wurde, den man schon einige Male ganz nah vor Augen gehabt hatte. Die Spielzeit 2011/12, in der man sich für die neu gegründete Regionalliga Bayern qualifizieren konnte, verbrachten die Mannen von Mario Tanzer dann allerdings nach dem sportlichen Abstieg in der Vorsaison wieder in der Landesliga. Dennoch war man letztlich als Vizemeister der Landesliga nach den Zulassungs-Statuten berechtigt, an der Relegation zum Aufstieg in die Regionalliga Bayern teilzunehmen. Dort scheiterte man allerdings am zuletzt gleichfalls leer ausgehenden FC Schweinfurt 05. Unberührt davon blieb freilich der Aufstieg in die Bayernliga, den man mit dem Vizemeister-Titel sicher in der Tasche hatte. Von dieser Plattform aus starteten die Passauer Vorstädter in der letzten Saison einen weiteren Anlauf, die sportlichen Voraussetzungen zu erfüllen, um sich unter das Teilnehmerfeld von Bayerns Vorzeigeliga zu mischen.

Dass die Regionalliga bezüglich ihrer Aufnahmekapazität nicht mehr das offene Scheunentor vom Gründungsjahr war, schreckte die ambitionierten Niederbayern nicht. Mit einem souverän errungenen, bereits vier Spieltage vor Schluss feststehenden Meistertitel in der Bayernliga hätten sie ohnehin durch jedes Nadelöhr gepasst. Nach den strukturellen und sportlichen Gegebenheiten kann der Dorfverein mit breit gestreutem Einzugsbereich seit dieser Saison guten Gewissens für sich in Anspruch nehmen,  nach dem Maximalprinzip gehandelt zu haben. Das so Erreichte stellt den seines Zeichens höchstklassigen Fußballverein des Regierungsbezirks Niederbayern, der nicht eben als Mekka für Fußballfans gilt, zuvorderst vor konservatorische Aufgaben. Das Bestehende bewahren, lautet die Devise, oder in trockenem Fußballdeutsch: Klassenerhalt. „Traum-Tanzer“ zu sein, das kann man dem Team um Coach Mario Tanzer nun wirklich nicht nachsagen. Ein Zwischenfazit kurz vor Abschluss der Vorrunde sieht die Tanzer-Elf auf Relegationsplatz 16 und trotz der zwei jüngst erlittenen, für den aktuellen Abschwung verantwortlichen Niederlagen gegen Ingolstadt und Buchbach im Hinblick auf das Samstagsspiel gegen den SVA noch in einer vergleichsweise komfortablen Position. Zum einen kann man aktuell drei Punkte Vorsprung auf den SVA und damit auf den ersten Abstiegsplatz vorweisen, zum anderen spielt man zu Hause und kann im Falle eines Heimsiegs auf sechs Punkte davonziehen. Der Reuthinger Weg ist zwar keine uneinnehmbare Festung , aber das dürfte kein Trost sein für die vier Teams, die bislang in der Dreiflüssestadt Schiffbruch erlitten.

Unser Team hat am letzten Wochenende mit dem 2:2 gegen die Junglöwen zweifellos einen Achtungserfolg verbuchen können und ist jetzt immerhin schon in drei Partien ungeschlagen. Aufgrund der langen Negativserie zu Saisonbeginn ist das Verlassen der Abstiegszone keine Hauruckgeschichte, sondern das Ergebnis harter, vor allem aber kontinuierlicher Arbeit. Will sagen: Wer sich in einem Sechs-Punkte-Spiel gegen einen direkten Rivalen, den man unter Umständen nie mehr so nah vor die Flinte bekommt, Unkonzentriertheiten leistet, der verdirbt sich bestenfalls das Wochenende, schlechtestenfalls setzt er mit einem Schlag alles in der nahen Vergangenheit Erarbeitete aufs Spiel. Also erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wenn die schweißnasse Diva jeden Zentimeter Rasen am Reuthinger Weg umgepflügt hat, kann sie sich immer noch mit den katholischen Landfrauen bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen über brennend interessante Hausfrauenthemen unterhalten. Wer weiß: Vielleicht lernt unsere wenig alltagstaugliche Diva auf diese Weise noch was fürs Leben?

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