Liqui Moly zum Trotz: Schnitzer ließ es im Eichstätter Getriebe „knirschen“

Zwei Standardtore des Spielmachers beim 2:1-Auswärtssieg der Viktoria / Jochen Seitz: „Glücklich, aber nicht unverdient“

Es liegt in der Natur der Sache, dass nach einem Fußballspiel jeder Trainer seine Sicht der Dinge hat. Von einem glücklichen, aber ob der Leistungssteigerung im zweiten Durchgang nicht unverdienten Sieg sprach Jochen Seitz angesichts des 2:1-Erfolgs seiner Mannschaft vor 530 Zuschauern im Eichstätter Liqui-Moli-Stadion. Kollege Markus Mattes hingegen war aus Gründen, die freilich der Viktoria am wenigsten anzulasten waren, restlos bedient und brachte dies in einer kuriosen Pressekonferenz zum Ausdruck, wobei er ein bemerkenswertes Talent zur Zuspitzung unter Beweis stellte.

Die Viktoria begann aggressiv und lief die Gastgeber vom Anpfiff weg hoch an. Das Team von Markus Mattes präsentierte sich mit der gewohnten Kampfstärke und drückte der Partie in der Anfangsphase mit langen Bällen seinen Stempel auf. Michél Harrer gab in der 3. Minute das Startsignal, doch sein Schuss aus 23 Metern stellte VfB-Keeper Junghan vor keine Probleme. Quasi im Gegenzug fand Lucas Schraufstetter bei einem platzierten 25-Meter-Schuss seinen Meister in SVA-Keeper Kevin Birk. Die nächste wichtige Szene in dem von beiden Seiten hart umkämpften Spiel ereignete sich in der 25. Spielminute: Benjamin Baier verlor das Leder im Mittelfeld und die schnell umschaltenden Oberbayern starteten einen Angriff über die rechte Seite. Bei der folgenden Flanke stand Goalgetter Atdhedon Lushi goldrichtig und vollstreckte volley aus acht Metern zur Führung für die Hausherren. Diese präsentierten sich in der ersten halben Stunde zweikampfstärker und hätten wenig später erhöhen können, doch glücklicherweise fand sich niemand, der den Querpass von der rechten Seite über die Linie drücken wollte. Doch auch die Viktoria kam noch zu ihren Chancen. Eine Baier-Flanke von der rechten Seite fand am langen Pfosten den Kopf von Daniel Cheron, doch war das Knie von Keeper Junghan einem Torerfolg im Wege (25.). Gleich mehrere Einschusschancen boten sich den Weiß-Blauen drei Zeigerumdrehungen später, doch die Spielertraube im VfB-Strafraum lieferte ein unüberwindliches Hindernis. Standards auf beiden Seiten gab es eine Menge in der ersten Spielhälfte. In der Nachspielzeit sorgte ein Freistoß von Benjamin Baier aus 35 Metern für eine Ahnung von Gefahr, doch Keeper Junghan konnte den aufs rechte Kreuzeck gezirkelten Ball mühelos über den Balken heben.

Spielmacher Björn Schnitzer führte die Viktoria mit zwei Toren zum Sieg in Eichstätt (Archiv, © Moritz Hahn)

„Schnitzer – wer sonst?“

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit hatten die Oberbayern die Riesenchance, das Spiel in aus ihrer Sicht ruhigeres Fahrwasser zu lenken. Nach einem schönen Spielzug hielt Lucas Schraufstetter aus zwölf Metern drauf, scheiterte jedoch am glänzend parierenden Viktoria-Keeper Kevin Birk. „Schnitzer – wer sonst?“ kommentierte der ansonsten dauergrantige VfB-FuPa-Liveticker-Schreiber jene Szene aus der 52. Spielminute, die sich nachträglich als Wendepunkt der Partie herausstellen sollte. In dieser nutzte der Viktoria-Spielmacher einen Freistoß aus 25 Metern zum zu diesem Zeitpunkt überraschenden 1:1-Ausgleich. Der flach geschossene Ball durchpflügte den Eichstätter Acker und schlug unmittelbar neben dem verdutzten Keeper Junghan ein, der in dieser Situation etwas unglücklich aussah.

Topscorer Björn Schnitzer

Die Weiß-Blauen wurden nun stärker und setzten nach. Simon Schmidts Schuss von halblinks strich haarscharf am langen Pfosten vorbei (57.) und Michél Harrer scheiterte aus 14 Metern am glänzend reagierenden Eichstätter Schlussmann (63.). Als nach der fälligen Ecke der zur zweiten Halbzeit für Roberto Desch ins Spiel gekommene Jonas Fritsch im Strafraum zu Fall gebracht wurde, zeigte Schiedsrichter Christian Dietz sofort auf den Punkt. Björn Schnitzer schritt zur Ausführung des Strafstoßes, verlud Keeper Junghan und setzte das Leder halbhoch mittig in die Maschen. Beflügelt von der Aussicht auf drei Auswärtspunkte machte sich der SVA nun auf eine turbulente Schlussphase gefasst. Über weite Strecken hatte man die Grün-Weißen jetzt gut im Griff und konnte sogar noch eigene Chancen kreieren. Erst gegen Ende des Spiels, das Schiedsrichter Dietz erst nach 96 Minuten abpfeifen sollte, hatten die Weiß-Blauen noch einige knifflige Situationen zu überstehen. Die Gastgeber stürmten zwischenzeitlich mit Mann und Maus und hatten in der 85. Minute auch noch ihren eigentlich in der Startformation erwarteten, aber nach Erkrankung geschonten Topstürmer Fabian Eberle in die Schlacht geworfen. Es nutzte nichts: Die Viktoria gewann mit 2:1, stockte damit ihr Punktekonto auf 34 Zähler auf und konnte sich für die im März an gleicher Stelle erlittene 0:5-Schlappe rehabilitieren.

Wie heiß es auf der Eichstätter Scholle herging, davon künden in erster Linie die von Schiedsrichter Dietz zehn verteilten gelben Karten, wovon sechs auf die Viktoria entfielen. Die folgenschwerste war die für Björn Schnitzer: Wegen seiner fünften Gelben ist der „König von Eichstätt“ am kommenden Samstag im letzten Heimspiel des Jahres gegen den TSV Aubstadt zum Zuschauen verdammt.

20. Spieltag Regionalliga Bayern 2019/20, am Samstag, 16. November 2019, um 14:00 Uhr in Eichstätt (Liqui-Moly-Stadion, Am Sportplatz 8, 85072 Eichstätt)

VfB Eichstätt – Viktoria Aschaffenburg 1:2 (1:0)

Eichstätt: Felix Junghan – Benjamin Schmidramsl, Lucas Schraufstetter (89. Fabian Neumayer), Dominik Wolfsteiner (84. Jakob Zitzelsberger), Sebastian Graßl (84. Fabian Eberle), Philipp Federl, Markus Waffler, Jonas Fries, Florian Lamprecht, Julian Kügel, Atdhedon Lushi (Trainer: Markus Matthes) Aschaffenburg: Kevin Birk – Daniel Cheron, Simon Schmidt, Luca Dähn, Silas Zehnder – Benjamin Baier, Roberto Desch (46. Jonas Fritsch) – Pasqual Verkamp, Björn Schnitzer (89. Zaki Ech-Chad), Clay Verkaj – Michél Harrer (79. Egson Gashi) (Trainer: Jochen Seitz) Im Kader: Peter Neuberger (TW), Ugurtan Kizilyar, Tom Schulz, Max Grünewald Tore: 1:0 Atdhedon Lushi (26.), 1:1 Björn Schnitzer (52., direkter Freistoß, Clay Verkaj), 1:2 Björn Schnitzer (65., FE, Jonas Fritsch) Gelbe Karten: Dominik Wolfsteiner (37.), Benjamin Schmidramsl (55.), Atdhedon Lushi (58.), Lucas Schraufstetter (64.) / Benjamin Baier (36.), Michél Harrer (40.), Björn Schnitzer (60.), Jonas Fritsch (74.), Silas Zehnder (90.+1), Clay Verkaj (90.+3) Schiedsrichter: Christian Dietz – Jonathan Bähr, Fabian Gratzke Zuschauer: 530 (Liqui-Moly-Stadion)

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