Jochen Seitz: „Wir sind voll auf Kurs“

Im Interview zieht der Viktoria-Trainer eine positive Halbzeitbilanz, ohne am vor der Saison ausgegebenen Saisonziel „Klassenerhalt“ rütteln zu lassen

Mit der besten Hinrunde in ihrer Regionalliga-Bayern-Geschichte hat die Viktoria gerade für positive Schlagzeilen gesorgt. Dem entsprechend stellte sich ein sehr aufgeräumter Trainer Jochen Seitz zum Interview. In einem Punkt blieb er allerdings unnachgiebig: Ziel sei nach wie vor ausschließlich der Klassenerhalt und dafür gelte es noch vor der Winterpause eine weitere Punkte-Sammelaktion zu starten.

Jochen Seitz hat die Viktoria in die Regionalliga geführt und rangiert mit seinem Team nach der Hinrunde auf dem 7. Rang (© Moritz Hahn)

Jochen, man darf Dich wohl beglückwünschen. Bilanz der Hinrunde: 24 Punkte aus 17 Spielen geholt und Platz sieben in der Tabelle. Da kann man guten Gewissens sagen, dass die Viktoria Kurs auf den Klassenerhalt nimmt. Teilst Du diese Einschätzung?

Ja klar, wir sind voll auf Kurs. Wir haben zwar zu Hause gegen Mitkonkurrenten schon ein paar Federn lassen müssen, aber dafür haben wir bei Spitzenmannschaften nicht einkalkulierte Punkte geholt. Letzteres ist natürlich schön, aber für die Rückrunde würde ich mir wünschen, dass wir auch die Punkte bei den Mitkonkurrenten einsammeln.

Woran denkst du speziell, wenn Du sagst, die Viktoria habe gegen Mitkonkurrenten wichtige Punkte liegen gelassen?

Ich denke da gerade an die Heimspiele: gegen Bayreuth sowie am Anfang gegen Greuther Fürth II und Heimstetten. Das waren ärgerliche Niederlagen, die nicht hätten sein müssen. Warum wir gegen direkte Mitkonkurrenten am Schönbusch zuweilen nicht unsere Leistung abrufen, müssen wir analysieren. Vielleicht setzen wir uns gerade zu Hause zu sehr unter Druck. Wir müssen unsere Leistung konstant abrufen, um die zum Klassenerhalt noch nötigen Punkte zu holen.

Das Restprogramm bis zur Winterpause mit drei Heim- und zwei Auswärtsspielen (beim Schlusslicht Rosenheim und in Heimstetten) scheint machbar. Wie viele der zum Erreichen der magischen 40-Punkte-Grenze noch nötigen 16 Punkte sollte die Viktoria bis dahin auf dem Konto haben?

Wir sind ja nun gerade in einem „Flow“ und wollen weiter Punkte sammeln. In den fünf Spielen bis zur Winterpause sind noch 15 Punkte zu vergeben. Unser Ziel ist es, mit einer „3 vorne dran“ in die Winterpause zu gehen. Die Mannschaft arbeitet tagtäglich dafür. Wir müssen allerdings von Spiel zu Spiel denken. Jetzt kommt erst einmal mit Buchbach eine Mannschaft, die auch einen guten Lauf hat.

Die Mannschaft erfüllt im Moment absolut ihr Soll. Dennoch die Frage: Sind in der Winterpause noch Verstärkungen geplant?

In der Winterpause ist erst einmal nichts vorgesehen. Es sei denn, Verletzungen zwingen uns zum Handeln, wie zu Saisonbeginn, als wir wegen dem längerfristigen Ausfall von Schnitzer und Oppermann noch einmal auf dem Transfermarkt tätig wurden und Michél Harrer als Ersatz geholt haben. Wir kommen mit dem aktuellen Kader gut klar. Die Mannschaft ist in sich gefestigt, weil alle Spieler charakterlich einwandfrei sind. Wir haben einen Kader von 22, 23 Leuten und es können immer nur elf spielen. Manche Entscheidungen sind für mich als Trainer nicht ganz so angenehm. Manchmal sind Spieler vom Leistungsstand her auf Augenhöhe, dann entscheidet das Bauchgefühl des Trainers. Die Mannschaft akzeptiert das bisher, nicht zuletzt, weil jeder aus dem Kader schon seine Einsatzzeiten bekommen hat. Im Training geben alle Vollgas, auch die, die hinten dran stehen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt: Wenn wir im Training die Leistungsdichte nicht sehr hoch hielten, könnten wir nicht so erfolgreich sein. Zusammenfassend kann man also sagen: Es geht nur über das Kollektiv. Bis auf mit Abstrichen Björn Schnitzer haben wir keine Einzelkönner. Wir müssen uns peu á peu weiterentwickeln, was natürlich auch beinhaltet, dass wir uns im nächsten Sommer, sollten wir die Klasse halten, nach geeigneten Verstärkungen umschauen sollten. Mit Sicherheit werden uns dann auch einige Spieler verlassen, ob nun studienbedingt oder um woanders Spielpraxis zu sammeln. Das bleibt erst einmal abzuwarten, Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, bis dahin kann noch viel passieren.

Einige Spieler kommen ganz allmählich in die Jahre. Steht da nicht über kurz oder lang auch ein Umbruch bevor?

Das sind die nächsten Themen. Wir haben ja ein paar dabei, die schon über 30 sind, wie Kevin Wittke, Simon Schmidt, Daniel Cheron und Daniele Toch. Die müssen sich überlegen, ob sie weitermachen. Da werden wir Anfang nächsten Jahres die Gespräche mit den einzelnen Spielern führen. Eine Frage ist, ob sie überhaupt weitermachen wollen, denn es ist ein enormer Aufwand, den wir hier als Amateurmannschaft betreiben. Wir müssen sehen, inwieweit sich ihre Vorstellungen mit unseren decken und entsprechend reagieren. Für uns wären das natürlich herbe Verluste, denn es handelt sich um Führungsspieler, für die man dann erst einmal adäquaten Ersatz finden müsste.

Ist der Platz im oberen Mittelfeld auf längere Sicht zu halten?

Die Platzierung ist für mich gar nicht wichtig, wichtig ist, dass wir nach dem letzten Spieltag über dem Strich stehen. Ob wir also im Endeffekt Platz sieben oder 14 belegen, spielt jetzt nicht so die große Rolle. Das Ziel heißt Klassenerhalt und in der nächsten Runde wieder Regionalliga spielen.

Mit erreichten Zielen wachsen auch die Ansprüche. Glaubst Du, dass sich in dem als anspruchsvoll geltenden Aschaffenburger Milieu auch weiterhin das Minimalziel „Klassenerhalt“ verkaufen lässt?

Ich denke, die Vorstandschaft trägt das in jedem Fall mit. Sie weiß schließlich genau, wie unsere Situation aussieht. In der Regionalliga Bayern können nur zwei Mannschaften den Anspruch „Wir wollen in die 3. Liga“ anmelden, nämlich die Profimannschaften Bayern München und 1. FC Schweinfurt 05. Der Rest kämpft, um es auf eine kurze Formel zu bringen, irgendwo immer gegen den Abstieg. Darum wird sich, sollten wir die Klasse halten, auch im nächsten Jahr unsere Zielsetzung nicht grundlegend ändern. Man sollte versuchen, das Bestmögliche herauszuholen, dabei aber immer realistisch bleiben. Um keinen unnötigen Druck aufzubauen, sollten wir natürlich immer einen geziemenden Abstand zu den Abstiegsplätzen wahren.

Was sagst Du eigentlich zum Zuschauerschnitt in dieser Saison? Im nächsten Heimspiel gegen Buchbach wird mit ziemlicher Sicherheit der 10.000ste Besucher die Stadionkassen passieren. Platz zwei in der Zuschauertabelle der Liga ist schon einigermaßen erfreulich…

Ich sehe das genauso. Wir sind sehr zufrieden mit dem Zuschauerschnitt. Wir haben durchgängig über 1.000 Zuschauer, was wohl so nicht unbedingt zu erwarten war. Sicherlich liegt das auch darin begründet, dass wir eine gute Runde spielen. Die Zuschauer sehen nicht nur, dass wir mithalten, sondern auch, dass wir eine tolle Moral haben, nie aufgeben, Leidenschaft zeigen bis zur letzten Minute. Das honorieren die Zuschauer, die sicherlich auch registriert haben, dass wir eine sympathische Truppe zusammengestellt haben, mit der sie sich wieder identifizieren können.

Das werden sie sicherlich auch weiterhin tun und Euch sicherlich auch „verzeihen“, wenn es letztlich doch zu etwas mehr als „nur“ dem Klassenerhalt reichen sollte. In diesem Sinne danken wir für das Gespräch und wünschen der Mannschaft und Dir eine erfolgreiche Rückrunde!

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