Hot! „Sukzessive in der Regionalligatauglichkeit wachsen“

Räumt mit Missverständnissen auf, ohne zu desillusionieren: Viktoria-Finanzvorstand Manfred Fleckenstein im Interview

Die Viktoria hat die Meisterschaft in der Bayernliga Nord errungen und darf in der kommenden Saison 2018/19 wieder in der Regionalliga Bayern spielen. Vom Empfinden her ist das ein sportlicher Quantensprung, der sich vor aller Augen vollzieht und entsprechend die Gemüter bewegt. Die Vorstandsarbeit hinter den Kulissen, die diesen Erfolg begleitet, fußt dabei eher auf einer Politik der kleinen Schritte, die uns Viktorias „Herr der Finanzen“, Manfred Fleckenstein, im ersten Teil unserer Sommerinterview-Reihe ausführlich nahebringt. Nur einmal im Gespräch wechselt der gewissenhafte Zahlenmensch Fleckenstein vom Faktischen fast unmerklich ins Visionäre: wenn er ausgehend von der aktuellen Entwicklung auf die Plausibilität des Klassenerhalts in der Regionalliga zu sprechen kommt.

Manfred, da Zahlen bekanntlich nackte Tatsachen sind, stellen wir gleich mal eine unverblümte Frage an den Anfang des Interviews: Ist der Mannschaftsetat in der Regionalliga nennenswert größer als der der Bayernliga in der letzten Saison?

Manfred Fleckenstein (© Moritz Hahn)

Nein, er wurde nur geringfügig aufgestockt und das sollten wir auch ganz dick unterstreichen. Es gab da in der Öffentlichkeit in den letzten Wochen offensichtlich ein Missverständnis. Es war die Falschmeldung zu lesen, dass wir den Mannschaftskader um 200.000 Euro ausbauen wollen. Um diesen Irrtum aufzuklären, muss ich etwas weiter ausholen. Wir sprechen schon seit einem Jahr von dem Ziel, dass wir zweimal 200.000 Euro generieren wollen. Wie ich auf der letzten Mitgliederversammlung dargelegt habe, waren die ersten 200.000 Euro allein für den Zweck bestimmt, ein auskömmliches Bayernliga-Niveau wiederherzustellen, nachdem wir durch den Abstieg im Vorjahr und den Ausfall einiger Sponsoren finanzielle Einbußen hinnehmen mussten. Das haben wir geschafft, nur nicht ganz so schnell, wie wir das wollten. Wir hatten uns ursprünglich den Winter vorgestellt, Vollzug melden konnten wir erst gegen Ende der Saison. Diese ersten 200.000 Euro sind also voll. Wir haben jede Menge kleinere und mittlere Sponsoren hinzugewonnen, was gut ist für die Stabilität des Vereins. Das bisschen Mehr, das wir dadurch erwirtschaftet haben, ist die Basis, die wir brauchen, um die höheren Kosten in der Regionalliga zu finanzieren. Der Löwenanteil davon fließt in die so genannten Basics (Reisekosten, höhere Abgaben wie GEMA, Schiedsrichter, Security etc.). Die zweiten 200.000 Euro sind also keine Erhöhung des Mannschaftsetats, sondern eine Erhöhung des Vereinsetats, mit der wir sukzessive mit dem gesamten Verein in die Regionalligatauglichkeit wachsen wollen. 80 Prozent dieser Summe dienen der Deckung der laufenden Kosten des Regionalliga-Spielbetriebs („Basics“) und auch der Jugendbetrieb muss besser ausgestattet werden.

Standortvorteil ist wichtiges Pfund bei der Spielersuche

(Fleckenstein) Der Etat für die erste Mannschaft war in den letzten beiden Jahren bei knapp 170.000 stabil und wird jetzt erst einmal nur marginal erhöht. Das ist eine ganz wichtige Information. Wir versuchen daher mit intelligenten und kreativen Modellen Spieler an den Schönbusch zu locken. Wir stellen einen Ausbildungsplatz bereit, helfen bei der Wohnungssuche und tun generell alles dafür, dass ein Spieler hier schnell Fuß fasst. Zusätzlich bieten wir eine für die Regionalliga vorbildliche Infrastruktur, sowohl was das Training als auch das Stadion angeht. Man kann sich hier gut zeigen, Viktoria ist ein Name und verfügt über ein renommiertes Trainerteam, das professionell anleitet und bei dem jeder, auch wenn er schon Regionalliga gespielt hat, etwas lernen und sich weiterentwickeln kann. Das überzeugt dann doch den einen oder anderen künftigen Leistungsträger, uns aufgrund des attraktiven Gesamtpakets den Vorzug zu geben, auch wenn ein konkurrierender Regionalligist vielleicht mehr zahlt. Es ist auf diese Weise durchaus möglich, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen, wie unsere letzten Aktivitäten auf dem Transfermarkt belegen. Außerdem ist es gelungen, den Großteil der Leistungsträger aus der Vorsaison zu halten, das ist ein Erfolg an sich, der Kern der aktiven Viktorianer bleibt zusammen und damit auch der Spirit des erfolgreichen Aufstiegsteams. Wir sind in der Kaderplanung schon sehr weit. Trotzdem würde vielleicht Jochen Seitz jetzt einwenden: Alle Wünsche habt ihr mir nicht erfüllen können, den einen oder anderen Spieler hätte ich schon noch gerne ohne große Diskussion gehabt. Darum würde ich es so formulieren: Sehr weitgehend haben wir bisher mit den sportlich Verantwortlichen die Wünsche gemeinsam entwickeln und erfüllen können. Wir bleiben im „Suchmodus“ und werden gemeinsam auch eine Lösung für die noch vakante Position im Sturm finden. Vielleicht noch nicht zum Trainingsbeginn, aber ganz sicher zum Ende der Transferperiode werden wir eine schlagkräftige Mannschaft zusammen haben, ohne uns finanziell zu verheben. Wir glauben fest daran, dass mit diesem Team der Klassenerhalt machbar ist, sprich wir oberhalb der Relegationsplätze abschneiden werden. Das Übungsleiter-Team ist ein Glücksfall und die Mannschaft hat in der jüngeren Vergangenheit schon mehr als nur angedeutet, welches Potential in ihr steckt. Natürlich wissen wir auch: Das kann nur der erste Schritt sein. Wenn wir uns wirklich dauerhaft in der Regionalliga etablieren wollen, dann kostet das Zielfoto mittelfristig mindestens noch mal 100.000 bis 150.000 Euro.

Spagat zwischen Chancen und Risiko

Weiter mit null Risiko? Immerhin lässt der Regionalligabetrieb auch auf der Einnahmeseite steigende Zahlen – Stichwort Zuschauerzahlen – erwarten?

Gerade letztere sehe ich nicht als verlässliche Größe an. Natürlich planen wir jetzt nicht mit Zuschauerzahlen, die unter dem Bayernligaschnitt liegen, das wäre nicht risikofrei, sondern dumm. Wir kalkulieren mit einem Schnitt von 1.000 Zuschauern, nicht mit 1.500, wie mancher meint. Im November, wenn es 2 Grad plus hat und wir vorher vielleicht zwei Spiele verloren haben, verlieren sich auch mal nur 500 oder 600 Zuschauer am Schönbusch. Dafür haben wir im Sommer, wenn es gut läuft, auch mal 2.500 Besucher. Eines ist auch klar: Wir wollen keine Spardose auffüllen. Wenn wir weitere Sponsoren finden und finanziell aufstocken können, dann werden wir den größeren finanziellen Spielraum für weitere personelle Verstärkungen nutzen, nicht nur wenn es die Situation unbedingt erfordert. Ganz wichtig ist aber, dass wir einmal gewonnenes Vertrauen nicht zerstören. Das gilt im doppelten Sinn: Unsere Stammspieler, die den Aufstieg möglich gemacht und noch Verträge (verlängert) haben, können darauf vertrauen, dass wir auch Neuverträge mit Bedacht abschließen, d.h. nicht mehr Geld ausgeben als unbedingt erforderlich. Und die Sponsoren, die neu hinzukommen, geben ihre Unterschrift im Vertrauen darauf, dass wir so vorsichtig, bodenständig und vorausschauend agieren wie in den vergangenen Jahren. Für diesen Fall stellen sie auch in Aussicht, sich längerfristig zu engagieren und zukünftig noch was draufzulegen. Natürlich lieben auch Sponsoren den Erfolg, aber in den Gesprächen war der sofortige Aufstieg nie Bedingung für ein Sponsoring. Die Partner brachten vielmehr zum Ausdruck, dass sie kontinuierliches Arbeiten sehen wollen. Sportliche Ambitionen nach oben werden vorausgesetzt, aber ob nun Aufstieg jetzt oder nächstes Jahr, ist in ihren Augen eher zweitrangig, wenn der Verein nur die Spur hält und auf Experimente verzichtet. Das haben wir auch als unsere Leitlinie verinnerlicht. Zugegeben: Manchmal erfordert das Geschäft auch einen Spagat zwischen Chancen und Risiko, aber ich bin mir sicher, dass wir den hinbekommen werden.

Personaldecke noch zu dünn

Um die Viktoria voranzubringen, habt Ihr Euch auch die Optimierung der Vereinsstrukturen und Verwaltungsabläufe auf die Fahne geschrieben. Wie weit seid Ihr damit?

Da haben wir schon viel erreicht. Wir haben uns im Vorstand nach der Ernennung von Eric Rasp die Strukturen überlegt (wer macht was?) und neu zugeschnitten. Das heißt jetzt nicht, dass wir alles verändert haben, aber wir haben einige Themen, die etwas brachlagen, neu verteilt, so dass es jetzt klare Verantwortlichkeiten gibt. Die letzten 12 bis 15 Monate haben wir außerdem Leute finden können, die uns jetzt nachhaltig helfen, ich nenne mal Jochen Dlugosch als Fanbeauftragten. Vieles läuft in Organisation und Strukturen schon effizienter, auch werden wir technisch weiter aufrüsten mit moderner digitaler Struktur. Aber wir brauchen noch mehr Menschen, die im Verein was machen. Auch deswegen sind wir froh, jetzt Eric Rasp an Bord zu haben, der u.a. dieses Feld beackert und dafür sorgen wird, dass wir auch hier besser vorankommen.

Verwaltungsrat wie ein „Sechser im Lotto“

In der letzten Mitgliederversammlung wurde ein neuer Verwaltungsrat gewählt, der in seiner prominenten Besetzung zweifellos positive Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Viktoria in der Öffentlichkeit hat. Aber darin erschöpft sich seine Leistung sicherlich nicht?

Unsere Verwaltungsratsmitglieder sind ausschließlich angesehene Persönlichkeiten und wir können wirklich den Hut ziehen vor deren Einsatz. Vom ersten Tag an haben sie ihr Netzwerk in die Waagschale geworfen, haben uns geholfen, Kontakte zu knüpfen und stehen uns als Ratgeber zur Seite. Sie sind bei jeder Sitzung anwesend, diskutieren mit, sind interessiert, fordern und geben Informationen. Es ist ein Sechser im Lotto, dass wir den Verwaltungsrat in dieser Zusammensetzung haben, und man kann sich bei jedem einzelnen Mitglied nur bedanken. Der Verwaltungsrat ist sicherlich ein Aufsichts- und Kontrollgremium – so soll es ja auch sein –, aber auch ein Ratgeber- und Unterstützer-Gremium. Alle nehmen ihre Aufgaben sehr ernst und bringen sich permanent ein. Konkrete Hilfestellung erfahren wir insbesondere bei Themen, wo wir sagen: Da kommen wir im Moment nicht weiter. Oder wenn wir das Gefühl haben, nicht schnell genug voranzukommen, wie zum Beispiel bei der Suche nach neuen Partnern und Sponsoren. Durch ihre Kontakte öffnen sie uns so manche Türe. Das ist ein ganz starker Hebel, der uns angeboten wird. Aus meiner Sicht ist das Gremium geradezu ideal besetzt. Der aktuelle Fortschritt ist zu einem erheblichen Teil ihm zu verdanken.

Das klingt alles sehr harmonisch, immer eitel Sonnenschein?

Natürlich wird auch mal kontrovers diskutiert, das ist in jedem Gremium so – im Vorstand und im Verwaltungsrat. Das sollte auch so sein. Es wäre ja schlimm, wenn wir immer einer Meinung wären. Ich sag`s mal so: Wir gehen aus jeder Sitzung immer schlauer raus als wir vorher reingegangen sind. Allein die Sitzungsfrequenz spricht übrigens für sich. Sowohl die Vorstände als auch der Verwaltungsrat treffen sich jeweils einmal im Monat. Soweit es irgend geht, sind alle da, so dass wir auch diskussions- und beschlussfähig sind. Die Sitzungen sind gut strukturiert mit Agenda und Protokoll, was auch ein Fortschritt ist. Wir fordern uns gegenseitig und erinnern an Dinge, die noch erledigt werden müssen. Alle diese Aspekte sind Teil unseres Wegs.

… auf dem Euch Partner, Freunde und Fans sicherlich gerne begleiten werden. Herzlichen Dank, Manfred, für das Gespräch!

(In Folge 2 unserer Sommerinterview-Reihe werden wir Vorstand Jugend Stefan Sickenberger zu seiner Einschätzung der aktuellen Entwicklung im Juniorenbereich befragen.)

1 Kommentar

  1. Hallo
    Als langjähriger Viktoria Fan und Mitglied möchte ich der gesamten Führung dem Team mit Trainerstab ein großes Kompliment aussprechen. Was hier in den letzten 2 Jahren geleistet wurde ist vorbildlich. Es macht wieder Spaß sich mit der Viktoria zu identifizieren. Strukturen wurden geschaffen, die es ermöglichen sich kontinuierlich weiter zu entwickeln. Mein Eindruck ist, dass die Viktoria viele Fans zurückgewonnen hat. Ich freu mich riesig auf die neue Saison.
    Macht bitte weiter!

    Viele Grüße Peter S.

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