Hot! 1:4: Tief „Viktoria“ blies Bayreuths rote Laterne aus

Zum Abschluss der englischen Woche gab`s ein kleines „Waterloo“ / Die Altstadt präsentierte sich keineswegs wie ein Absteiger

Das Spiel gegen das Schlusslicht Bayreuth wurde im Vorfeld mit einiger Berechtigung als richtungsweisend proklamiert, nach der 1:4-Niederlage gegen eine sehr proper auftretende „Oldschdod“ kann man hingegen nur hoffen, dass dieses Spiel nicht richtungsweisend war. Mittels der schon des Öfteren praktizierten Viktoria-Methode „obligatorischer Rückstand wird im zweiten Durchgang noch gedreht“ legte man vor 1.343 erwartungsfrohen Zuschauern gegen das Team von Timo Rost eine glatte Bauchlandung hin.

Kein Durchkommen für Viktoria Aschaffenburg gegen Bayreuth. Mit 1:4 mussten sich die Weiß-Blauen den Gästen geschlagen geben. (© Moritz Hahn)

Die Viktoria legte bei schönem Frühherbstwetter denn auch los wie ein Team, das sich etwas vorgenommen hat. Gleich in der ersten Minute rauschte eine Flanke des rechtzeitig fit gewordenen Michél Harrer durch den Bayreuther Strafraum und konnte von einem Abwehrspieler auf Kosten eines Eckballs geklärt werden. Die von Björn Schnitzer hereingebrachte Ecke köpfte Luca Dähn über das Tor. Besser machte es auf der Gegenseite Steffen Eder, der sich in der 7. Minute nach einer Knezevic-Ecke hochschraubte und Neuberger mit einem schulmäßigen Kopfball keine Chance ließ. Dabei stand „Meister Eder“ völlig blank, was auf einen Fehler in der Zuordnung schließen lässt. Den Bayreuthern gab das Führungstor sichtlich Auftrieb, ihr schnelles direktes Spiel stellte die nicht konsequent in die Zweikämpfe gehende Viktoria vor große Probleme. Umso wichtiger wäre es gewesen, wenn die Viktoria in dieser Phase eine ihrer Chancen zum Ausgleich genutzt hätte. So wollte Pasquale Verkamp in der 20. Minute nach Harrers toller Balleroberung an der Grundlinie und Pass nach innen das Leder mit der Hacke ins Tor befördern, was aber misslang. Verkamp war auch der Adressat einer genialen Eingebung von Björn Schnitzer, kam jedoch einen Schritt zu spät (27.). Glück hatte die Altstadt zudem, dass Schiedsrichter eine elfmeterwürdige Attacke gegen Philipp Beinenz nicht ahndete. Die Altstadt zeigte bei alldem eine spielerisch ansprechende Leistung und stürzte insbesondere in einer Phase vor der Pause die Viktoria-Abwehr von einer Verlegenheit in die andere. Nachdem sie sich die Weiß-Blauen eine Zeitlang zurechtgelegt hatten, schlugen die Gäste in der 41. Minute eiskalt zu. Nach einem Ballverlust der Viktoria im Mittelfeld netzte Christoph Fenninger eine halbhohe Flanke per sehenswerter Direktabnahme unhaltbar zur verdienten 2:0-Halbzeitführung ein. Kurz vor der Pause war Lukcas Oppermann für Daniel Cheron ins Spiel gekommen, der sich bei einer Abwehraktion verletzt hatte.

Viel Kampf. Wenig Ertrag. Gegen die SpVgg. Bayreuth mühten sich die Viktorianer, doch die Gäste waren effizienter und setzten sich mit 4:1 durch. (© Moritz Hahn)

Wenigstens die „Freistoßschnitzerei“ ist weiterhin solide Handwerkskunst

„Wir haben dann versäumt, das 3:0 zu machen“, sollte SpVgg.-Coach Timo Rost später auf die Phase unmittelbar nach der Halbzeit eingehen. Und wirklich hatte sein Team einige Gelegenheiten, doch Peter Neuberger klärte zweimal gegen Sulejmani und Knezevic. In einigen Szenen brachte die Viktoria in höchster Not noch ein Abwehrbein dazwischen. In der 64. und der 68. Minute leistete sich die Altstadt jeweils den Luxus eines Fouls vor dem 16er – beide Male gegen den agilen Oppermann. Das schrie förmlich nach einer Bestrafung durch Björn Schnitzer. Den ersten Freistoß konnte sich Keeper Sebastian Kolbe gerade noch vor der Linie angeln, der zweite geriet perfekt und schlug unhaltbar zum 1:2-Anschlusstreffer ein. „Wir haben dann nur noch auf ein Tor gespielt“, beschrieb Jochen Seitz die Auswirkungen des Tores. Dezidiert sprach er eine Topchance auf den Ausgleich an, in der Oppermann aus spitzem Winkel an Kolbe scheiterte. Die Viktoria mobilisierte noch einmal alle Kraftreserven, aber mehr als ein abermaliger Freistoß, den Schnitzer knapp neben den Pfosten setzte, wollte nicht mehr herausspringen. Die Wagnerstädter überstanden die kleine Drangphase mit stoischer Gelassenheit und holten dann ihrerseits in den letzten Minuten zum Gegenschlag aus. Einen Schuss von Fenninger konnte Neuberger noch parieren (79.), doch seine zögerlichen Vorderleute sorgten dafür, dass er bis zum Abpfiff noch zweimal hinter sich greifen musste. Die erste Unstimmigkeit in der Defensive nutzte Knezevic zum 1:3 (87.), gegen resignierende Viktorianer durfte sich unmittelbar vor dem Abpfiff der eben eingewechselte Mirroche noch mit einem „Wort-zum-Sonntag-Schuss“ in den rechten Winkel in die Torschützenliste eintragen.

Viktoria-Trainer Jochen Seitz: „In dieser Höhe war der Sieg der Bayreuther meiner Meinung nach nicht verdient. Ich denke, mit einem bisschen Glück hätten wir heute einen Punkt holen können.“ (© Moritz Hahn)

„In dieser Höhe war der Sieg der Bayreuther meiner Meinung nach nicht verdient. Ich denke, mit einem bisschen Glück hätten wir heute einen Punkt holen können“, befand Jochen Seitz, der die letzten beiden Tore gar nicht mitgezählt haben wollte, bei denen „wir uns wieder im 16er gegenseitig behindert haben“.

Den Weiß-Blauen stehen nun zwei Auswärtsspiele in Garching und beim Club bevor. Einem Team, das auswärts lieber spielt als zu Hause, sollte das freilich keine Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

14. Spieltag, 6. Oktober 2018, um 14:00 Uhr in Aschaffenburg (Stadion am Schönbusch // Kleine Schönbuschallee, 63741 Aschaffenburg)

Viktoria Aschaffenburg – SpVgg. Bayreuth 1:4 (0:2)

Aschaffenburg: Peter Neuberger – Daniel Cheron (39. Lucas Oppermann), Luca Dähn, Simon Schmidt, Ugurtan Kizilyar – Max Grünewald (60. Roberto Desch), Clay Verkaj, Philipp Beinenz, Pasqual Verkamp (71. Daniele Bruno) – Michél Harrer, Björn Schnitzer (Trainer: Jochen Seitz) Bayreuth: Sebastian Kolbe – Thore Dengler, Edwin Schwarz, Christoph Fenninger (90. Ilyass Mirroche), Chris Wolf, Anton Makarenko (80. Marcel Schiller), Steffen Eder, Johannes Golla, Tobias Weber, IvanKnezevic, Shpetim Sulejmani (74. Mario Götzendörfer) (Trainer: Timo Rost) Tore: 0:1 Steffen Eder (6.), 0:2 Christoph Fenninger (41.), 1:2 Björn Schnitzer (68., direkter Freistoß, Lucas Oppermann), 1:3 Ivan Knezevic (87.), Ilyass Mirroche (90.+2) Gelbe Karten: – / Tobias Weber (67.), Christoph Fenninger (71.) Schiedsrichter: Andreas Hummel – Florian Wildegger, Florian Heilgemeir Zuschauer: 1.343 (Stadion am Schönbusch)

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