0:1 – Wo rohe „türkische Kräfte“ sinnlos walten…

Niederlage gegen Klassenprimus Türkgücü besiegelt Ende von Viktorias beispielloser Erfolgsserie / Jochen Seitz trotzdem stolz auf sein Team

Mit der 0:1-Heimniederlage gegen Tabellenführer Türkgücü München endete für die Viktoria eine Serie, während der sie in der Liga achtmal in Folge ungeschlagen geblieben war. Nicht von ungefähr blieb diesmal ein später Punktgewinn dank eines Last-minute-Tors – wie in den letzten beiden Spielen – aus. Ohne den großen spielerischen Glanz zu verströmen, wurde das Team von Reiner Maurer mit taktischer Disziplin und Zweikampfstärke seiner Favoritenrolle gerecht. Vergebens bemühte sich die Viktoria nach dem frühen Rückstand um Spielkontrolle. Die Partie blieb dennoch bis zum Ende offen, da die Gäste mit ihren Topchancen im zweiten Durchgang bemerkenswert fahrlässig umgingen. Bis zur Erschöpfung habe sein Team gefightet, anerkannte Jochen Seitz, räumte aber auch ein: „Wir haben heute gegen einen Gegner gespielt, der individuell wesentlich besser war als wir.“

19. Spieltag: Viktoria Aschaffenburg empfing vor 2.269 Zuschauern den Tabellenführer Türkgücü München (© Moritz Hahn)

Der Himmel hatte rechtzeitig wieder seine Schleusen geschlossen und so pilgerten 2.269 Besucher zum Match gegen den Tabellenführer ins Stadion an den Schönbusch. Die Gäste liefen die Viktoria sofort hoch an und drängten sie in die eigene Hälfte. Als in der 4. Minute der Ball zentral in die Spitze durchgesteckt wurde, hatte Goalgetter Patrick Hasenhüttl keine Mühe, zur 1:0-Führung einzuschieben. Wenig später ergab sich eine gute Freistoßchance für die Viktoria, doch Björn Schnitzers Schuss ging in die Mauer.

Björn Schnitzers Freistoß konnte so gerade noch von der Mauer abgelenkt werden (© Moritz Hahn)

Im direkten Gegenzug leistete sich Birk unter Druck einen Fehlpass im eigenen Strafraum, konnte seinen Fehler aber wieder gutmachen, als er gegen Hasenhüttl parierte. Der Gegenangriff sorgte dann für Gefahr vor dem Türkgücü-Tor. Eine schöne Verkaj-Flanke nahm Pasqual Verkamp blitzsauber mit, schoss aber im Anschluss weit über das Tor. Die Viktoria tat sich anfangs gegen hoch stehende Gäste im Spielaufbau schwer. Als sich Türkgücü dann phasenweise etwas weiter zurückfallen ließ, scheiterten die weiß-blauen Angriffsbemühungen ein ums andere Mal an der äußerst diszipliniert operierenden Defensive des Tabellenführers. Einzig Clay Verkaj setzte noch einmal ein Highlight, als er in der 35. Minute nach schöner Einzelleistung knapp am rechten Pfosten vorbei schoss. Andererseits kam das Team von Reiner Mauer auch nicht über Ansätze zu einem Konterspiel hinaus, so dass es bis zur Pause in einem weitgehend ausgeglichenen Spiel bei der knappen Gästeführung blieb.

Eine robuste und disziplinierte Abwehrleistung machte es den Vikorianer schwer, offensiv Akzente zu setzen (© Moritz Hahn)

Türken-Offensive scheitert an Bollwerk Kevin Birk

Eine Halbzeit blieb der Viktoria ja noch, doch auch in der sollte man sich schwer tun, den nötigen Druck zu entfalten, um vielleicht doch noch wenigstens zum Ausgleich zu kommen. Die weiß-blauen Kräfte waren zunächst überwiegend in der eigenen Hälfte gebunden, in der sich die Türken kraft ihres druckvollen Pressings festsetzten. Demzufolge waren auch die Chancen auf der Seite der Türken. Ein Schlenzer von der linken Strafraumkante auf das lange Eck zwang Kevin Birk zu einer Flugeinlage. Nach dem anschließenden Eckball konnte Birk einen Kopfball aus kürzester Distanz mit einem klasse Reflex parieren. Bevor die Situation letztendlich geklärt werden konnte, touchierte das Leder noch zweimal das Gebälk. In der 64. Minute behielt Birk nach einem schnellen Konter der Gäste in einer Eins-gegen-eins-Situation die Oberhand und bewahrte so sein Team vor dem 0:2. In der 82. Minute stand er nach einem Konter abermals einem Türkgücü-Angreifer gegenüber, konnte dessen Schuss aber noch abfälschen, so dass Luca Dähn letztlich auf der Linie klären konnte.

Kevin Birk im Tor der Viktoria zeigte einmal mehr eine starke Leistung (© Moritz Hahn)

Viktoria-Coach Jochen Seitz hatte unterdessen nichts unversucht gelassen und mit Lucas Oppermann, Roberto Desch sowie Michél Harrer in der Schlussphase frische Kräfte gebracht, die das Angriffsspiel noch einmal beleben sollten. „Da muss halt mal einer durchrutschen, dann haben wir das 1:1 im Sack“, kommentierte Jochen Seitz die Ausgleichsbemühungen seiner Truppe, während Kollege Maurer feststellte: „In der zweiten Halbzeit waren wir eindeutig die bessere Mannschaft.“ Dem kann nicht ernsthaft widersprochen werden, da bei einigen Topchancen nur der von Maurer ausdrücklich gelobte Keeper Birk einem weiteren Torerfolg der Gäste im Wege stand, während auf der Gegenseite Keeper Flückiger einen vergleichsweise ruhigen Nachmittag verlebte. Ausschlaggebend war die bärenstarke Defensive der Gäste, die gerade in der sensiblen Zone meistens einen Schritt schneller am Ball war und so manchen Torabschluss vereitelte.

Die Angriffsbemühungen der Viktoria – in dieser Szene startet Clay Verkaj durch – brachten keinen Erfolg (© Moritz Hahn)

„Mit dem Ergebnis nicht zufrieden“, war naturgemäß Viktoria-Coach Jochen Seitz, sprach aber von einem verdienten Sieg von Türkgücü. Stolz sei er gleichwohl auf sein Team, das alles gegeben habe und immer nach spielerischen Lösungen suche.

PK: Reiner Maurer und Jochen Seitz waren sich einig, dass der Sieg von Türkgücü verdient war (© Moritz Hahn)

Im Spiel eins nach der Serie gastiert die Viktoria am kommenden Samstag (14 Uhr) beim Tabellennachbarn VfB Eichstätt. Im dortigen Liqui-Moly-Stadion können die Weiß-Blauen süße Rache dafür nehmen, dass ihnen Türkgücü die schöne Serien-Sandburg kaputt gemacht hat. Die Elf von Markus Mattes hat nämlich auch eine kleine Burg hochgezogen: Seit fünf Spielen ist sie unbesiegt und hat dabei 13:1 Punkte geholt…

19. Spieltag Regionalliga Bayern 2019/20, am Samstag, 9. November 2019, um 14:00 Uhr in Aschaffenburg (Stadion am Schönbusch // Kleine Schönbuschallee, 63741 Aschaffenburg)

Viktoria Aschaffenburg – Türkgücü München 0:1 (0:1)

Aschaffenburg: Kevin Birk – Silas Zehnder, Simon Schmidt, Luca Dähn, Hamza Boutakhrit – Benjamin Baier (69. Roberto Desch), Clay Verkaj (83. Michél Harrer) – Pasqual Verkamp, Björn Schnitzer, Daniel Cheron – Egson Gashi (66. Lucas Oppermann) (Trainer: Jochen Seitz) Im Kader: Peter Neuberger (TW), Jonas Fritsch, Zaki Ech-Chad, Max Grünewald München: Franco Flückiger – Benedikt Kirsch (87. Alexander Sorge), Marco Holz, Kasim Rabihic, Mario Erb, Kilian Fischer, Furkan Kircicek (69. Dominic Weiß), Thomas Haas, Patrick Hasenhüttl (79. Ilker Yüksel), Azur Velagic, Michael Zant (Trainer: Reiner Maurer) Tore: 0:1 Patrick Hasenhüttl (4.) Gelbe Karten: Benjamin Baier (45.), Hamza Boutakhrit (61.) / Mario Erb (64.) Schiedsrichter: Tobias Schultes – Elias Wörz, Fabian Härle Zuschauer: 2.269 (Stadion am Schönbusch)

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