U11 mit ihrem Latein keineswegs am Ende

Neuerdings „kleines Latinum“ im Bildungsangebot des NLZ

 „Mens sana in corpore sano“ – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper, dem Wahrheitsgehalt dieses vom römischen Dichter Juvenal überlieferten Sprichworts – heute geistiges Allgemeingut – spürten Viktorias Jüngste in einer kurzfristig anberaumten Latein-Schnupperstunde nach.

SVA U11 (E1-Junioren) 2013/2014

SVA U11 (E1-Junioren) 2013/2014

Ganz gemäß diesem lateinischen Motto setzt auch das Nachwuchsleistungszentrum der Viktoria auf eine ganzheitliche Ausbildung seiner Talente. Will heißen: Die schulische Laufbahn der Jungs soll über dem Sport nicht zu kurz kommen. Aus zweierlei Gründen ist eine gute Bildung von unschätzbarem Vorteil. Zum einen bildet sie unbestritten eine wichtige Voraussetzung, um ein soziales Wertesystem entwickeln zu können, das sich auch im Bereich des Sports in Begriffen wie Fairness, Achtung und Toleranz manifestiert. Zum zweiten ist es bei all den Unwägbarkeiten einer Fußballerkarriere eminent wichtig, sich durch ein zweites Standbein fest im Leben zu verankern. Die Zeiten, so es sie überhaupt jemals gab, als ein Spieler – so erfolgreich er auch sein mochte – nichts können musste außer Fußball spielen, gehören endgültig der Vergangenheit an. Zu vielschichtig sind die Anforderungen der modernen Zeit.

Wie erklärt sich nun aber die ungewöhnlich anmutende Liaison der iPod-Generation mit dem Unterrichtsfach Latein? U11-Coach Ronny Lehmann, der das Projekt initiierte, tat dies sehr wohl vor einem praxisbezogenen Hintergrund: Für einige Kids der Mannschaft von Ronny Lehmann steht demnächst der Übertritt auf eine weiterführende Schule (Gymnasium) an, verbunden mit einigen Änderungen des Schulfächerkanons. Eine der zu treffenden Entscheidungen ist die zwischen dem humanistischen und dem neusprachlichen Zweig. Während letzterer auf zwei Fremdsprachen (in der Regel Englisch und Französisch) ausgerichtet ist, räumt der Humanist der erklärten Mutter aller Sprachen, eben Latein, Prävalenz ein und lässt dann erst die Moderne Einzug halten.

Wenn im Rahmen der von einer Lehrkraft abgehaltenen Schnupperstunde auch nur ein kleiner Einblick in die komplexen Strukturen der alten Sprache gewährt werden konnte, so dürfte doch zumindest diese Erkenntnis gereift sein: Latein ist nicht „tot“, sondern im Alltag allgegenwärtig. Man mag es zwar nicht hoffen, aber vielleicht erfährt manch einer auf diesem Weg erstmals, dass sich der Name seines Heimatvereins Viktoria vom lateinischen „Victoria“ (= Sieg) ableitet. Und wie werden die anderen Teams in der Kreisklasse Bauklötze staunen, wenn die Schützlinge von Ronny Lehmann demnächst einen ihrer Turniersiege mit dem Ausruf „veni, vidi, vici“ (ich kam, sah und siegte) quittieren? Wenn’s nicht geklappt hat, kann man immer noch auf den bösen „arbiter“ (= Schiri) schimpfen…

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