1:1 – Clay Verkaj macht den Schönbusch zur „Traumfabrik“

Ein bisschen wie Hollywood: Gegen eine spielstarke Schweinfurter „Zehn“ glückt der Seitz-Elf eine Punktlandung in der Abenddämmerung

„Ein Punkt wäre ein Traum“, hatte Viktoria-Coach Jochen Seitz vor dem Spiel gegen den 1. FC Schweinfurt 05 seine Vorstellungen von einem gelungenen Jahresfinale präzisiert. Geliefert wie bestellt: Mit einem 1:1 gegen den Titelaspiranten kann sich die Viktoria mit einem Erfolgserlebnis in die Winterpause verabschieden und gleichzeitig auf ein hartes Stück „Traumarbeit“ zurückblicken. Für den späten Störfall im Kugellagerwerk sorgte Clay Verkaj in der 89.Minute mit einem satten 20-Meter-Schuss in den rechten Winkel. Zuvor waren die Gäste unbeschadet des frühen Platzverweises ihres Kapitäns Kleineheismann streckenweise im Stile einer Spitzenmannschaft aufgetreten.

Viktoria Aschaffenburg und der 1. FC Schweinfurt 05 trennten sich 1:1-Unentschieden (© Marcel Ronge)

1.222 Zuschauer wollten sich das letzte Heimspiel des Jahres nicht entgehen lassen, das 30 Minuten später angepfiffen wurde, da die Gäste im Stau gestanden waren. Ricardo Döbert hütete wieder das Tor der Viktoria, die zudem mit Silas Zehnder und Jonas Fritsch zwei neue Kräfte in der Startformation hatte. Die im Meisterschaftsrennen gewaltig unter Druck stehenden Gäste tankten sich bereits in der 3. Minute mit einer mustergültigen Kombination vor das Viktoria-Tor, doch konnte Döbert den Abschluss des frei vor ihm auftauchenden Steffen Krautschneider glänzend parieren. Die Schlüsselszene des Spiels ereignete sich in der 10. Minute, als Björn Schnitzer, in einer Situation, als die Gäste weit aufgerückt waren, FC-Mannschaftskapitän Stefan Kleineheismann versetzte und dann von ihm gelegt wurde. Schiedsrichter Luka Beretic brachte die „Letzter-Mann-Regelung“ zur Anwendung und zeigte Kleineheismann die rote Karte – eine Entscheidung, mit der Gäste-Coach Timo Wenzel sich nachher nicht einverstanden zeigen sollte. Wie dem auch sei – wirklich geschadet hat die Dezimierung seinem Team erst mal gar nicht. Dieses schöpfte sein spielerisches Potential voll aus und spielte im ersten Durchgang phasenweise wie aus einem Guss. Ihre Chancen hatte die Viktoria dennoch: Einen abgefälschten Zehnder-Schuss lenkte der bärenstarke Gäste-Keeper Eiban so gerade noch über die Latte, Björn Schnitzer verfehlte mit einem Flachschuss knapp das Tor. In der 33. Minute ließ Döbert Krautschneider ein zweites Mal abblitzen, als er dessen Gewaltschuss aus spitzem Winkel parierte. Nicht von ungefähr war es der bis dahin überragende und jederzeit anspielbare Marco Fritscher, der in der 39. Minute die Gästeführung markierte. In einer zum wiederholten Male unübersichtlichen Situation im Strafraum der Viktoria fiel ihm das Leder auf den Schlappen. Gegen seine überdies noch abgefälschte Direktabnahme aus kurzer Distanz war für Döbert – anders als zuvor bei Krautschneider – kein Kraut gewachsen. Die Gäste nahmen das 1:0 mit in die Kabine, das zu diesem Zeitpunkt aufgrund ihres spielerischen Auftritts – der mit ihrem eigenen Slogan „Wir arbeiten Fußball“ nichts zu tun hatte – nicht unverdient war.

Die Weiß-Blauen – in dieser Szene Zaki Ech-Chad – lieferten sich mit den Gästen eine sehenswerte Partie (© Marcel Ronge)

Viktorias Twilight-Saga: Biss in der Abenddämmerung

Jochen Seitz – „wir haben in der Halbzeit von 5-3-2 auf 4-2-3-1 umgestellt und gesagt: Wir laufen jetzt vorne alles an“ – brachte zu Beginn der zweiten Halbzeit Michél Harrer aufs Feld. Das Team von Timo Wenzel besann sich nun aus nachvollziehbaren Gründen einer kräfteschonenderen Spielweise und setzte auf eine kompakte Defensive. Zunächst mit Erfolg, denn in den ersten 20 Minuten gab es kein Durchkommen für die nun ihre Angriffsbemühungen forcierende Viktoria. Auf der anderen Seite war kaum noch was zu sehen von dem in der ersten Halbzeit wirbelnden Schweinfurter „Trio infernale“ Fritscher, Krautschneider und Jabiri. In der nun anbrechenden Schlussphase rückte dagegen FC-Keeper Eiban in den Mittelpunkt des Geschehens. So vereitelte er in der 68. Spielminute die erste Großchance für den SVA, als er nach einer guten Schnitzer-Flanke einen Kopfball von Zaki Ech-Chad mit einem glänzenden Reflex über die Latte lenkte. Mit der Einwechslung von Toch und Oppermann zog Jochen Seitz alle Register zur Belebung des Angriffsspiels, das prompt die zehn Schnüdel um ihre Ruhe bringen sollte. Ein Schnitzer-Freistoß aus 18 Metern in zentraler Position ging in die Mauer und in der 83. Minute rutschte Harrer wenige Meter vor dem Tor an einem Querpass von Verkamp vorbei. Die zunehmend diffusen Lichtverhältnisse des Herbst-Spätnachmittags kamen offensichtlich der Viktoria zupass, die – vielleicht hat so ein fehlendes Flutlicht auch Vorteile? – jetzt das weitaus „dämmerungsaktivere“ Team stellte. Clay Verkaj hat jedenfalls genug gesehen, als er in der 89. Spielminute das Leder aus gut 20 Metern zum inzwischen hoch verdienten Ausgleich unter die Latte zimmerte. Eine Mixtur aus Flugbahn und Tempo stellte Eiban diesmal vor eine unlösbare Aufgabe. Bei einem Schuss aus spitzem Winkel von Oppermann hatte er kurz zuvor noch klären können, eine weitere hochkarätige Chance durch Luca Dähn war zur Ecke geklärt worden. Der Traum des Coachs, ein Punkt, war geträumt, sollte man meinen – Zeit zum Aufwachen. Doch die weiß-blauen Akteure wollten sich nicht an die Regie halten und streckten in der Nachspielzeit ihre Hände sogar noch begehrlich nach drei Zählern aus. Björn Schnitzer, der an Eiban scheiterte (94.), und Hamza Boutakhrit (95.) verpassten, was freilich den ohnehin schon bedienten Gästecoach Timo Wenzel („Wir haben zur Zeit einfach kein Glück“) vollends aus der Fassung gebracht hätte: durchaus mögliche drei Punkte.

Das letzte Heimspiel des Jahres 2018 wollten nochmals 1.222 Zuschauer sehen (© Marcel Ronge)

„Wir sind in der zweiten Halbzeit ein enormes Risiko gegangen und letztlich dafür belohnt worden. Mit einem bisschen Glück hätten wir auch gewinnen können“, bilanzierte Jochen Seitz. Aber letztlich sei er mit dem 1:1 „auch zufrieden“. So ist das immer mit den Träumen: Kaum wahr geworden, taugen sie gerade noch zur Zufriedenheit…

22. Spieltag, 1. Dezember 2018, um 14:30 Uhr in Aschaffenburg (Stadion am Schönbusch // Kleine Schönbuschallee, 63741 Aschaffenburg)

Viktoria Aschaffenburg – 1. FC Schweinfurt 05 1:1 (0:1)

Aschaffenburg: Ricardo Döbert – Daniel Cheron, Luca Dähn, Zaki Ech-Chad (68. Daniele Toch), Hamza Boutakhrit – Roberto Desch (75. Lucas Oppermann), Clay Verkaj, Jonas Fritsch (46. Michél Harrer), Silas Zehnder, Björn Schnitzer – Pasqual Verkamp (Trainer: Jochen Seitz) Schweinfurt: Alexander Eiban – Marco Fritscher, Florian Trinks, Stefan Kleineheismann, Matthias Strohmaier, Steffen Krautschneider, Nikola Jelisic, Dominik Weiß (77. Stefan Maderer), Philip Messingschlager (68. Ronny Philp), Adam Jabiri, Lukas Billick (Trainer: Timo Wenzel) Tore: 0:1 Marco Fritscher (39.), 1:1 Clay Verkaj (89., Björn Schnitzer) Besondere Vorkommnisse: Stefan Kleineheismann (10., rote Karte) Gelbe Karten: Roberto Desch (47.), Pasqual Verkamp (77.), Hamza Boutakhrit (85.) / Matthias Strohmaier (45.+2), Lukas Billick (70.), Florian Trinks (80.) Schiedsrichter: Luka Beretic – Maximilian Riedel, Sascha Reus Zuschauer: 1.222 (Stadion am Schönbusch)

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