Viktoria als Sommelier: „Im Derby liegt die Wahrheit“

Der Weinort-Club SV Erlenbach ist noch Federweißer in der Bayernliga, aber im Geschmack schon ganz schön abgerundet…

Am 7. Spieltag der Bayernliga Nord, der hoffentlich kein verflixter sein wird, weilt das fußballerische Aushängeschild des benachbarten Landkreises Miltenberg, der SV Erlenbach, zu Gast im Schönbusch-Stadion. Anpfiff ist am Samstag, 9. August, um 18 Uhr. Noch vor zwei Jahren hätte sich keiner träumen lassen, dass sich die Wege dieser beiden Vereine einmal kreuzen würden. Dieser Tage löst die bevorstehende Derby-Premiere einen derartigen Hype aus, dass einem ein Satz ganz leicht von den Lippen geht: Es muss nicht immer Bayern München sein…

7. Spieltag: Viktoria Aschaffenburg - SV Erlenbach (Sa., 9.8., 18 Uhr)

7. Spieltag: Viktoria Aschaffenburg – SV Erlenbach (Sa., 9.8., 18 Uhr)

Das Team von Jürgen Baier musste vor Wochenfrist mit dem 1:2 beim Würzburger FV seine erste Saisonniederlage hinnehmen. Gleichwohl befindet man sich mit lediglich zwei Punkten Rückstand auf Tuchfühlung mit dem SVA und könnte im Idealfall am Samstag an diesem vorbeiziehen. Eingewöhnungsschwierigkeiten waren für den SVE nach dem Bayernliga-Aufstieg in der Saison 2012/13 ein Fremdwort, schon im ersten Jahr der Ligazugehörigkeit, der abgelaufenen Spielzeit 2013/14, konnte Ex-Profi Jürgen Baier den Aufsteiger im Mittelfeld der Tabelle auf einem sehr guten neunten Rang positionieren. Den Grundstein dazu legte man mit seiner ausgeprägten Heimstärke, einzig gegen den späteren Meister und Regionalliga-Aufsteiger SpVgg. Bayreuth bezog der SVE eine Niederlage auf eigenem Geläuf. Anfällig präsentierte man sich des Öfteren auf des Gegners Platz, weshalb dem Club vom Mainbogen eine noch bessere Platzierung in der Abschlusstabelle versagt blieb.

Mit dem aktuell achten Platz befindet sich die Baier-Elf nach dem sechsten Spieltag im Soll, wenn man das Naheliegende voraussetzt: dass der Club seine Saisonziele nicht tiefer hängt als die Vorjahresplatzierung. Mit den Remis in Ansbach (0:0) und Amberg (1:1) hat der SVE zudem schon bewiesen, dass auch auswärts mit ihm zu rechnen ist. In Aschaffenburg, gegen den großen Lokalrivalen, dürfte freilich noch eine weitere Komponente zum Tragen kommen, die nicht statistisch messbar ist: die gesteigerte Motivation im Prestigeduell, potenziert noch dadurch, dass einige Akteure im Erlenbacher Dress mit einer Viktoria-Vergangenheit aufwarten können, sei es im Jugend- oder im Herrenbereich.

Die erste Runde des BFV-Toto-Pokals stellte die beiden Kontrahenten unter der Woche vor ungleiche Aufgaben. Während sich die Erlenbacher im nahen Kahlgrund im Duell der Winzerorte beim Kreisklassisten TV Wasserlos mit 4:2 durchsetzten, musste der SVA die 185 Kilometer lange Reise nach Dinkelsbühl auf sich nehmen. Es hat sich gelohnt: Mit einem 2:1-Erfolg bei dem Süd-West-Landesligisten Sportfreunde Dinkelsbühl konnte die nur mit einem Rumpfteam – in der Mehrzahl U23- und U19-Spieler – angetretene Viktoria sich den Einzug in die nächste Runde sichern.

Hier finden Sie die Veranstaltung mit allen Infos rund ums Derby…

Selbstredend braucht sich der SVA mit zuletzt 10 Punkten aus vier (Liga-)Pflichtspielen nicht zu verstecken, auch die Heimstärke scheint man nach zwei deutlichen Heimsiegen (3:0 gegen Aubstadt, 4:1 gegen Würzburg) neu für sich entdeckt zu haben. Doch bei näherer Betrachtung der Partien wird auch eines deutlich: Man tut gut daran, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, denn ein Spaziergang ist die Bayernliga für die Komljenovic-Elf nicht. Allerdings hat man neuerdings das berühmte Quäntchen Glück des Tüchtigen, das zu Regionalliga-Zeiten schmerzlich vermisst wurde, eine zwingende Voraussetzung, um auch bei spielstarken Teams, wie zuletzt der U23 des SSV Jahn Regensburg, bestehen zu können.

Vorstand Sport der Viktoria, Peter Löhr, ist guten Mutes, dass die Serie der Weiß-Blauen auch nach Ablauf des siebten Spieltages Bestand hat. „Das ist das erste Derby der Vereine (Anm.: mit Ausnahme Toto-Pokal), da erübrigen sich viele Worte. Die Rahmenbedingungen sind hervorragend: Sowohl die Viktoria als auch Erlenbach sind gut in die Runde gestartet. Wir haben zwei Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter und wollen den Kontakt nach oben nicht abreißen lassen.“ Auch das ganz spezielle Verhältnis zu dem mainfränkischen Nachbarn hebt der Viktoria-Vorstand hervor: „Der SV Erlenbach ist ja so etwas wie eine Filiale des SVA, wenn man einen Blick auf deren Kader wirft. Was kaum einer weiß: Wir sind der Patenverein der 1919 aus der Taufe gehobenen Viktoria Erlenbach, die erst 1970 im Rahmen einer Fusion mit dem zweiten ortsansässigen Verein, der Eintracht Erlenbach, in den heutigen Sportverein 1919 Erlenbach e.V. umgetauft wurde.“

Erstmals angespannt stellt sich die Personalsituation für den SVA nach dem Auftritt in Regensburg dar: Neben dem langzeitverletzten Zamir Daudi muss Dennis Löhr (verletzt) wohl passen, hinter dem Einsatz von Björn Schnitzer und Daniele Toch (beide angeschlagen) steht nach wie vor ein Fragezeichen. Definitiv nicht zur Verfügung steht Mike Kirchner, der wegen seiner roten Karte im U23-Spiel gegen Hösbach-Bahnhof gesperrt ist.

Dennoch sollten die Weiß-Blauen imstande sein, eine Truppe auf den Rasen zu bringen, die den Winzerstädtern „reinen Wein einschenkt“.  Dies gelingt bekanntlich am besten, wenn das eigene Spiel nicht „korkt“.

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