0:2: Viktoria beglückt den Glücksbringer

Wieder mal lange Gesichter am Schönbusch nach dem Gastspiel des Kleeblatts / Seitz-Team belohnte sich nicht für kämpferische Leistungssteigerung nach der Pause

Konstant auf einem für Regionalliga-Bayern-Verhältnisse hohem Level bewegen sich derzeit die Zuschauerzahlen am Schönbusch. 1.242 Besucher waren zum dritten Heimspiel der Saison gegen die U23 der SpVgg. Greuther Fürth ins Stadion gekommen. Am Ende stand eine in Anbetracht der Vielzahl vergebener Torchancen insbesondere im zweiten Durchgang vermeidbare 0:2-Niederlage. Ebenso außer Frage steht jedoch auch, dass das Kleeblatt in der ersten Halbzeit das spielerisch klar bessere Team stellte.

Die Viktoria musste sich zuhause der SpVgg. Greuther Fürth II geschlagen geben (© Moritz Hahn)

Dass die Niederlage in Aubstadt, die Jochen Seitz dem zu sorglosen Angriffsspiel ohne Absicherung zugeschrieben hatte, Wirkung zeigte, war am Anfang klar zu sehen, denn die Viktoria stand für ein Heimspiel ungewöhnlich tief und versuchte die Räume eng zu machen. Mit mäßigem Erfolg, muss man im Nachhinein sagen, denn die Grün-Weißen kombinierten rotzfrech auf engstem Raum, schalteten und walteten über weite Strecken, wie sie wollten.

Shawn Parker (4.) und Cruz Bustamente (13.) nahmen gleich in der Anfangsphase den Kasten von Kevin Birk unter Beschuss. In der 14. Spielminute wurde es erstmals gefährlich vor dem Fürther Tor, doch Keeper Schaffran konnte Schnitzers Flachschuss ins lange Eck festhalten. So aber wuchs die Dominanz der Gäste minütlich und einzig Keeper Kevin Birk stemmte sich dem Ansturm entgegen, klärte überragend gegen Abouchabaka (21.) und bei einem Volleyschuss vom Sechzehner. Eine Torchance der Viktoria befand Jochen Seitz einer besonderen Erwähnung für würdig: In der 34. Minute beim Stande von 0:0 hatte Pasqual Verkamp nach feinem Schnitzer-Pass die Riesenchance zur Führung, blieb aber an Leon Schaffran hängen. „Wenn wir da vielleicht auch glücklich in Führung gehen, läuft das ganze Spiel womöglich anders“, spekulierte der Viktoria-Coach.

Benjamin Baier und Egson Gashi versuchen Routinier Daniel Adlung den Ball abzunehmen (© Moritz Hahn)

Wenig später dann die verdiente Führung für das Kleeblatt: Elias Kratzer setzte sich auf dem rechten Flügel durch und passte von der Grundlinie nach innen, wo Cruz Bustamente aus kurzer Distanz einschob (35.). Noch vor der Pause gab es den zweiten Nackenschlag, als sich die Abwehr bei einem langen Ball verschätzte. Kratzer – es kann schließlich nicht jeder einen „Schnitzer“ haben – nahm das Geschenk dankend an, ließ Kevin Birk aussteigen und vollendete. „Wir waren in der ersten Halbzeit zu passiv, wir wollten Fürth nicht zur Entfaltung kommen lassen. Das ist uns nicht so geglückt. Trotzdem hatten wir die eine oder andere Möglichkeit“, fasste Jochen Seitz das Geschehen zusammen. Nicht zur Debatte stand für ihn, dass die Fürther Führung zu diesem Zeitpunkt in Ordnung ging.

Viktorias Muskelspiel ließ das Kleeblatt ungeschoren

In der zweiten Halbzeit hatte sich die Viktoria offensichtlich entschieden, auf kompromisslosen Kampf umzuschalten. Spätestens nach der gelb-roten Karte für Alexander Lungwitz wegen wiederholten Foulspiels wurde es für das Team von Petr Ruman zu einer reinen Abwehrschlacht. Dicke Chancen zum Anschlusstreffer gab es aber schon zuvor. Zunächst verlor Pasqual Verkamp nach feiner Vorarbeit von Björn Schnitzer erneut das Duell gegen Leon Schaffran (49.). In der 54. Minute lief es dann anders herum: Nach Rückpass von Verkamp von der Grundlinie scheiterte Schnitzer mit einer lupenreinen Einschusschance aus wenigen Metern am Fürther Zerberus. Das Kleeblatt kam nun arg ins Schwitzen. Offensiv konnte es keine Akzente mehr setzen, nutzte aber seine spielerischen Qualitäten dann und wann, um sich kurzfristig aus der Umklammerung zu befreien und für dringend benötigte kleine Verschnaufpausen zu sorgen. Im Tor hatte man mit Leon Schaffran eine Lebensversicherung und in Viktorias katastrophaler Chancenverwertung einen mächtigen Verbündeten. Erneut Schnitzer, Dähn und zweimal der eingewechselte Daniel Meßner stellten in der Schlussphase mit vergebenen Chancen sicher, dass aus Viktoria-Sicht vorne felsenfest die Null stand.

„Mit Glück und Geschick“, wie es so schön heißt, brachte die Ruman-Truppe ihren dritten Sieg in Serie ins Ziel. Will auch heißen: nicht gänzlich unverdient.

„Aufgrund der zweiten Halbzeit bin ich gar nicht mal so unzufrieden. Wichtig ist, dass die Mannschaft eine Reaktion gezeigt hat. Manchmal gehört eben auch ein Quäntchen Glück dazu, das war heute nicht auf unserer Seite“, gab sich Jochen Seitz versöhnlich.

Dieses Spiel eignet sich vom Verlauf her in der Tat dafür, es mit dem Prädikat „Es gibt solche Tage“ zu versehen. Wichtig ist nur, künftig dafür zu sorgen, dass „solche Tage“ nicht zum Alltag werden.

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