Viktorias Serie bestand den Strapaziertest

Bei der 3:4-Niederlage gegen den SV Schalding-Heining wurden altbekannte Schwächen offenbart

Vor der Minuskulisse von 252 Zuschauern empfing der definitiv als Absteiger feststehende SVA zum Saisonfinale den SV Schalding-Heining, der im ersten Jahr seiner Regionalliga-Zugehörigkeit eine beachtliche Saison gespielt hatte und vor dem letzten Spieltag kaum noch von einem Nichtabstiegsplatz verdrängt werden konnte.

Um völlig aus dem Schneider zu sein, war ein Punkt erklärtes Ziel der Tanzer-Mannen. Dass es letztlich durch einen 4:3-Sieg deren drei wurden, war wieder einmal der „Stilsicherheit“ zu verdanken, mit der die Komljenovic-Crew ihre Heimauftritte zu gestalten pflegt und von der sie auch beim Abgang von der Regionalliga-Bühne nicht abrückte.

36. Spieltag: Viktoria Aschaffenburg - SV Schalding-Heining

36. Spieltag: Viktoria Aschaffenburg – SV Schalding-Heining

Dabei schien die Anfangsphase, in der die

Weiß-Blauen das Spielgeschehen bestimmten und unbeschwert wie selten aufspielten, die im Vorfeld getätigte Aussage von Slobodan Komljenovic zu widerlegen, dass es „sehr, sehr schwer“ werden würde, den Schlussakkord erfolgreich zu gestalten. Die Passauer Vorstädter waren zunächst gar nicht im Spiel, hatten aber paradoxerweise die erste dicke Chance, aber Stefan Steigerwald konnte gegen einen alleine vor ihm auftauchenden Gästeakteur klären. Im direkten Gegenzug konnte der an diesem Tag im Sturm aufgebotene Massé Bell Bell in der 13. Minute eine Flanke Salvatore Baris von der Grundlinie aus unbedrängt zur Führung einköpfen. Vorne für ihre Verhältnisse quicklebendig, hinten erneut offen wie in Scheunentor, mit diesem „Rezept“ sorgte die Heimelf, will man es positiv formulieren, für einen ereignisreichen und kurzweiligen Nachmittag. Das nächste Tor ließ nicht lange auf sich warten und fiel auf der Gegenseite: In der 18. Minute nutzte SV-Goalgetter Michael Pillmeier die Konfusion in der Viktoria-Abwehr und schob aus kurzer Distanz ein. Die Viktoria nahm’s sportlich und schlug postwendend zurück. Erneut war es der insbesondere in der ersten Hälfte auffällig spielende Massé Bell Bell, der eine Flanke von Giulio Fiordellisi per Kopf zur erneuten Führung verwertete (22.). Der Gast kam in der Folge stärker auf, In dieser Phase wurde Stefan Steigerwald zum großen Rückhalt seiner Mannschaft und vereitelte gegen den frei durchgebrochenen Michael Pillmeier (27.) und bei einem gefährlichen Distanzschuss von Benedikt Buchinger (34.) die sofortige Ergebniskorrektur. In diesem Fall war aufgeschoben nicht aufgehoben, denn unmittelbar vor der Halbzeit konnte Christian Brückl auf Strafraumhöhe mit dem Ball am Fuß, eskortiert, aber nicht angegriffen, seelenruhig in Schussposition spazieren und den Ball im kurzen Eck versenken.

Mit entsprechendem Rückenwind ging’s für den Gast in die zweite Halbzeit. Spielerisch ganz gewiss nicht zur ersten Sahne der Liga gehörend, dokumentierte er die Stärken, dank derer augenscheinlich auch der Klassenerhalt realisiert wurde: Teamgeist und Willensstärke. Nachdem die Viktoria-Defensive auch mit Hilfe von Stefan Steigerwald einige brenzlige Situationen überstanden hatte, war die Gunst des Schicksals in der 67. Minute aufgebraucht. Einen raffiniert angeschnittenen Freistoß fast von der Eckfahne bekam Stefan Steigerwald scheinbar erst hinter der Linie zu fassen, denn Schiedsrichter Florian Riepl zeigte sofort zum Anstoßkreis. Möglich auch, dass das Leder erst im zweiten Versuch, nach dem anschließenden Kopfball von Dardan Gashi, drin war. Noch einmal war die Viktoria zu einer Antwort fähig: Kaum eine Zeigerumdrehung später kam Giulio Fiordellisi im gegnerischen Strafraum zu Fall und Schiedsrichter Florian Riepl pfiff Strafstoß. Den zumindest zweifelhaften Elfmeter verwandelte Salvatore Bari mühelos zum 3:3-Ausgleich. Wäre nicht ein Kopfball des Ex-Eschborners in der 77. Minute „nur“ an der Latte gelandet, dann hätte das letzte Saisonspiel gleichzeitig das Ende einer Serie siegloser Heimspiele markiert, die man nun in die Bayernliga mitnimmt. Mit einem 3:3 wäre den Gästen nun wirklich auch gedient gewesen – wie sich nachher herausstellte, hätten sie selbst im Falle einer Niederlage die Klasse gehalten –, aber solch ein dickes Geschenk wie Massé Bell Bells Fehlpass in der Vorwärtsbewegung muss ein Stürmer vom Schlage Michael Pillmeiers einfach annehmen, wenn er nicht des Dilettantismus geziehen werden will. Pillmeier löste die Situation denn auch perfekt und lupfte das Leder über den chancenlosen Stefan Steigerwald unter dem Jubel des mitgereisten Schaldinger Anhangs hinweg zum 4:3-Endstand.

In der anschließenden Pressekonferenz brauchte SVA-Coach keine neuen Erkenntnisse bemühen, sondern lediglich auf bereits mehrfach in der Vergangenheit getätigte Äußerungen zurückgreifen, um das Dilemma des Spiels, das im Grunde (O-Ton Komljenovic) „sinnbildlich“ für das Dilemma der ganzen Saison ist, zu benennen. „Wir erarbeiten uns unsere Torchancen sehr hart und müssen viel dafür investieren, nur um das Erarbeitete mit leichtfertigen Fehlern in der Abwehr, mit denen wir den Gegner zum Tore schießen einladen, wieder aufs Spiel zu setzen. Dieses Problem begleitet uns schon die ganze Saison.“

Man darf sicher sein, dass die Verantwortlichen in der kurzen Spielpause bis zum Beginn der neuen Bayernliga-Saison alles dafür tun werden, dass dieser Wortlaut in künftigen Nach-Spiel-Analysen fehlen wird.

 

Viktoria Aschaffenburg – SV Schalding-Heining 3:4 (2:2)

Aschaffenburg: Stefan Steigerwald (87. Maximilian Hinterkopf) – Alban Lekaj, Soheyl Alipour-Rafi, Denis Talijan, Dennis Löhr – Daniel Cheron, Roberto Desch (50. Muhammed Ali Sahin), Giulio Fiordellisi, Arwed Kellner (46. Ahmed Dzafic) – Massé Bell Bell, Salvatore Bari

Schalding-Heining: Christian Wloch – Benedikt Buchinger (83. Christopher Pauli), Philipp Zacher, Sebastian Escherisch, Maximilian Huber – Dardan Gashi, Josef Eibl, Michael Wirth (80. Sebastian List), René Huber (86. Christian Süß), Christian Brückl – Michael Pillmeier

Tore: 1:0 Massé Bell Bell (13.), 1:1 Michael Pillmeier (18.), 2:1 Massé Bell Bell (21.), 2:2 Christian Brückl (45.), 2:3 Dardan Gashi (67.), 3:3 Salvatore Bari (68., FE), 3:4 Michael Pillmeier (82.)

Gelbe Karten: Roberto Desch, Daniel Cheron, Ahmed Dzafic / Josel Eibl, Sebastian List

Schiedsrichter: Florian Riepl (Erding)

Zuschauer: 252

Schreibe einen Kommentar

*

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *