Hot! 2:2 – ein Punktgewinn, der träumen lässt

Fast hätte steter Bayern-Tropfen den Stein gehöhlt, doch Bari nahm den Münchnern die Butter noch vom Brot

Dass es der Viktoria gelingen würde, die Topmeldung des 28. Spieltages in der Regionalliga Bayern zu stellen, daran hätte vorher sicher keiner der 1.888 Zuschauer am Aschaffenburger Schönbusch, die in der Mehrzahl der abstiegsbedrohten Heimmannschaft gegen das hoch favorisierte rot-weiße Ballett den Rücken stärken wollten, einen Gedanken verschwendet. Sie brauchten ihr Kommen an diesem Tag nicht bereuen, denn das Spiel bot alles, was das Fußballerherz begehrt. Klar, auf das am Schönbusch schon bestens eingeführte Trauma eines „Tiefschlags“ in der letzten Spielminute hätte man auf Seiten der Viktoria sehr gut verzichten können, doch den Unterschied zu vergleichbaren Situationen der Vorrunde machte dieses Mal die Nervenstärke eines Salvatore Bari, der in der vierten Minute der Nachspielzeit per Foulelfmeter den 2:2-Endstand markierte und der Viktoria einen hoch verdienten Punkt im Abstiegskampf sicherte.

Salvatore per Elfmeter zum 2:2-Endstand

Salvatore per Elfmeter zum 2:2-Endstand

„Hinten dichtmachen“ war gegen die kombinationssichere Angriffs-Maschinerie der ten-Hag-Truppe oberste Prämisse, der Viktoria-Coach Slobodan Komljenovic mit einer 5er-Kette Rechnung trug. Auch das dezimierte Mittelfeld um Kapitän Simon Schmidt sollte vorrangig nach hinten mitarbeiten. Die Viktoria igelte sich also ein, aber sie fuhr so geschickt die Stacheln aus, dass es sehr unterhaltsam war, den Münchnern bei ihren vergeblichen Versuchen zuzusehen, sich die vermeintlich leichte Beute zurechtzulegen, um endlich an ihre Weichteile heranzukommen. Unbestritten die drückende Überlegenheit des Ligaprimus, aber überraschend gleichermaßen, wie wenig den Münchnern gegen die kämpferisch aufopferungsvolle und hoch konzentrierte Defensivarbeit der Platzherren einfiel. Bei einem Kopfball von Julian Green in 15. Minute war der erneut sichere Viktoria-Keeper Stefan Steigerwald ebenso auf dem Posten wie nur eine Minute später bei einem Geschoss von Alessandro Schöpf. Schließlich musste ein Standard herhalten, damit das Klingelzeichen endlich ertönte: Gegen einen platziert ins lange Eck versenkten 18-Meter-Freistoß des dänischen U21-Nationalspielers Pierre-Emile Hojbjerg war auch Zerberus Steigerwald machtlos. Der lautstarke FC-Bayern-Anhang, der wohl glaubte, das Klingelzeichen würde nun die fällige Bayern-Lektion einleiten, verstummte erstmals in der 32. Minute merklich, als Abwehrspieler Daniel Wein bei einem der wenigen Entlastungsangriffe des SVA als letzter Mann die Hand zu Hilfe nahm und dafür völlig zu Recht von Schiedsrichter Marco Achmüller den roten Karton gezeigt bekam. Aber auch mit zehn Mann hielten die Roten ihre Dominanz aufrecht und zeigten in Unterzahl sogar das gefälligere Spiel, ohne bis zur Pause noch zu nennenswerten Torchancen zu kommen.

Die Zuschauer hatten aus der 1. Hälfte den Eindruck mitgenommen, dass gegen die kleinen Bayern an diesem Tag bei etwas offensiverer Ausrichtung sehr wohl etwas gehen könnte. Das schien auch Trainer Slobodan Komljenovic seinem Team mit auf den Platz gegeben zu haben, denn die Heimelf rückte bei eigenem Ballbesitz nun sichtbar schneller auf und aktivierte damit gleichsam auch ihre Tormaschine Salvatore Bari. Der versuchte sich in der 53. Minute zunächst als Vorbereiter: Nachdem er sich bis zur Grundlinie durchgetankt hatte und querlegte, konnte ein Abwehrbein gerade noch vor dem einschussbereiten Florian Pieper klären. Nur zwei Minuten später das Stück mit vertauschten Rollen: Nach einem schönen Pass in die Spitze durch Florian Pieper überlief Salvatore Bari seinen Bewacher und schob das Leder am herauseilenden Keeper Raeder vorbei ins lange Eck zum 1:1. Den ersten Treffer im vierten Aufeinandertreffen mit der bayerischen Nachwuchselite hatten sich die Weiß-Blauen durch ihre kompromisslose Einsatzbereitschaft bis dato redlich verdient. Den Bayern war nach dem Ausgleich anzumerken, dass die Aussicht auf eine erneute Punkteteilung so ganz und gar nicht nach ihrem Geschmack war, und infolgedessen erhöhten sie den Druck auf das Viktoria-Tor. Mit Glück und Geschick überstand der SVA auch diese Drangperiode – und wäre Salvatore Bari nicht nach einer spektakulären Einzelleistung an der linken Außenbahn mit einem Kunstschuss an Münchens Torwart Raeder gescheitert, hätte das Stadion in der 77. Minute Kopf gestanden. Schönbusch-Stammgäste mögen eine gewisse Vorahnung gehabt haben, doch auch für sie war es eine brutale Ernüchterung, als der eingewechselte Rankovic in der Schlussminute zum 2:1 für die Gäste einschob und damit den schmutzigen Sieg für die bayerischen Schönspieler vermeintlich sicherstellte. Ein irregulärer Treffer obendrein, da Rankovic zuvor die Hand zu Hilfe nahm.

Die Viktoria – was blieb ihr anderes übrig? – warf in der Nachspielzeit alles nach vorne und hatte tatsächlich in der 4. Minute der Nachspielzeit etwas, das man bisher nur vom Hörensagen kannte: Glück. In einer an sich schon bereinigten Situation ging der Münchner Schwarz so ungeschickt zum Mann (in diesem Fall Markus Brüdigam), dass der Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Achstetter eine vertretbare Entscheidung war. Salvatore Bari, der sichtlich darauf „brannte“, zu schießen, war im entscheidenden Sekundenbruchteil eiskalt und versenkte den Ball unhaltbar für Raeder zum 2:2-Endstand in den Maschen.

Dieser Ausgleich in buchstäblich letzter Sekunde – es wurde nicht mehr angepfiffen – gegen den haushohen Favoriten löste am Schönbusch eine schon seit Ewigkeiten nicht mehr gespürte Euphorie aus. Die Diva vom Untermain hat ganz entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit in einem großen Spiel restlos überzeugt, was gleich spürbare Auswirkungen auf die Publikumsgunst hatte. Dass das als kritisch und zuweilen launisch bekannte Aschaffenburger Publikum Leistung und Einsatzbereitschaft mit Dankbarkeit zu honorieren weiß, hat es an diesem Samstagnachmittag unter Beweis gestellt. Der Funke ist übergesprungen, es ist wieder Feuer drin im Abstiegskampf.

 

Trainerstimmen:

Erik ten Hag (Bayern München): Glückwunsch an Aschaffenburg zum Punktgewinn. Wir sind natürlich nicht glücklich mit dem Punkt, vor allem mit der Art und Weise des Entstehens. Eine Teilschuld müssen wir uns selbst ankreiden. Wir hatten das Spiel total im Griff, waren spielerisch überlegen. Wenn wir Meister werden wollen, müssen wir die Naivität ablegen. Wir hätten aufgrund der Chancen schon in der ersten Hälfte 3:0 führen können, dann kam das Handspiel und die berechtigte rote Karte. In der zweiten Halbzeit habe ich diese Konsequenz des Schiedsrichters bei einigen Entscheidungen zu unseren Gunsten vermisst. Nach dem 2:1 dachten wir, das Ding sei gegessen. Wir habe dann aber dem Schiedsrichter Gelegenheit gegeben, einen vertretbaren Elfmeter zu geben. Dennoch: Aschaffenburg hat gut verteidigt und hat sich den Punkt redlich verdient.

Slobodan Komljenovic (Viktoria): Ein großes Dankeschön an die Zuschauer, die uns heute unterstützt haben. Das hat der Mannschaft noch mal einen Schub gegeben. In der ersten Halbzeit haben wir einige Torchancen zugelassen, obwohl wir im Großen und Ganzen sehr gut verteidigt haben. Insbesondere über die Außen, die Stärke des Gegners, haben wir nur wenig zugelassen. Ich diskutiere ungern über Schiedsrichter, aber beide Gegentore waren irregulär: Der Freistoß zum 0:1 war ein Geschenk und dem 1:2 ging ein klares Handspiel voraus. Ich denke und das habe ich auch der Mannschaft gesagt: Wer mit Leidenschaft dabei ist und arbeitet, der wird auch am Ende belohnt. Die Mannschaft hat heute Charakter gezeigt und ist gegen das beste Team der Liga nach zweimaligem Rückstand jedes Mal wieder zurückgekommen. Klar war das 2:2 glücklich, der Torwart hatte schon den Ball, bleibt der Spieler weg, verlieren wir das Spiel. Aber wer kämpft, wird belohnt. Wenn wir das weiterhin beherzigen, haben wir eine gute Chance drinzubleiben.

 

Viktoria Aschaffenburg – FC Bayern München II 2:2 (0:1)

Aschaffenburg: Stefan Steigerwald – Dennis Löhr, Denis Talijan, Fnan Tewelde, Muhammed Ali Sahin (83. Ahmed Dzafic), Markus Brüdigam – Johannes Gerhart (81. Roberto Desch), Alban Lekaj, Simon Schmidt – Florian Pieper (69. Massé Bell Bell), Salvatore Bari

München: Lukas Raeder – Ylli Sallahi, David Vrzogic, Benno Schmitz, Daniel Wein – Mitchell Weiser( 81. Vladimir Rankovic), Pierre-Emile Hojbjerg, Etienne Scholz (62. Tobias Schweinsteiger), Julian Green, Alessandro Schöpf – Kevin Friesenbichler (62. Edwin Schwarz)

Tore: 0:1 Pierre-Emile Hojbjerg (25.), 1:1 Salvatore Bari (55.), 1:2 Vladimir Rankovic (89.), 2:2 Salvatore Bari (94./ Elfm.)

Gelbe Karten: Johannes Gerhart, Massé Bell Bell / Julian Green, Edwin Schwarz

Rote Karten: Daniel Wein

Schiedsrichter: Marco Achmüller

Zuschauer: 1.888

1 Kommentar

  1. Großes Kino und letzten Endes doch noch die gerechte Punkteteilung! So macht es Spaß an den Schönbusch zu kommen! Weiter so, dann klappt’s mit nem weiteren Jahr in der Regionalliga.

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