Hot! Viktoria feiert ersten Saisonsieg – 2:0 gegen Rain/Lech

Am 10. Spieltag der Regionalliga Bayern waren 529 Zuschauer in Erwartung eines Wachwechsels am Tabellenende an den Schönbusch gekommen. Da wollte der TSV Rain am Lech kein Spielverderber sein und kramte nach langem Zureden umständlich die von den Gastgebern im Laufe des Spiels mal mehr, mal minder vehement eingeforderten drei Punkte hervor. Ausschlag gebend waren letzten Endes die mit italienischer Eloquenz vorgebrachten Argumente des in der 51. Minute eingewechselten Giulio Fiordellisi.

Yuki Nakagawa bejubelt seinen 4. Saisontreffer zum 1:0

Die Analyse des Rainer Trainers in der anschließenden Pressekonferenz, dass „beiden Teams die Verunsicherung deutlich anzumerken war“, umschrieb sehr, dass am Niveau des Spieles der aktuelle Tabellenstand der beiden Tabellen-Mauerblümchen abzulesen war. Fehler auf beiden Seiten sorgten in Halbzeit eins immer wieder für Torchancen, zumeist für den SVA. Bei der dicksten Chance des Gastes in den ersten 45 Minuten musste Stefan Steigerwald gegen den  alleine durchgebrochenen Ugur Yilmaz per Fußabwehr klären. Der mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte Neuzugang des TSV wirkte ansonsten behäbig und blieb blass. Selten führte die Rückennummer 11 als Erkennungszeichen für den klassischen Mittelstürmer so aufs Glatteis wie an diesem Tag im Falle des Viktoria-Akteurs Massé Bell Bell, der beste Möglichkeiten ausließ und maßgeblichen Anteil daran hatte, dass zur Halbzeit auf der Anzeigetafel vorne immer noch die Null stand. Nach einem schönen Zuspiel von Nakagawa schoss er den Ball am leeren Tor vorbei. Nach einem Lattentreffer des erneut auffälligen und engagierten Denis Talijan brachte er den Ball per Kopf im Nachfassen über die Linie, wurde aber wegen einer angeblichen Abseitsstellung zurückgepfiffen.

Auch die zweite Halbzeit brachte zunächst keine neue Inspiration. Die Viktoria verzichtete gegen den erschreckend schwachen Gast aus Rain weiterhin auf eine numerische Dokumentation ihrer Überlegenheit. Als in der 51. Minute der Mann aus dem Land, wo die Zitronen blühen, aufs Feld kam, waren die Rainer ratlos, denn Zitronenbäumchen hatten sie in ihrem Gartenfachcenter aktuell nicht im Sortiment. Eine gute Viertelstunde später (69.) musste man sich verwundert die Augen reiben: Nach all der treffend bei anderer Gelegenheit von Kaiser Franz als „Rumpelfußball“ titulierten Tristesse ein Anflug südländischer Spielfreude in einer Viktoria-Offensivaktion und schon waren die konsternierten Blumenstädter mit ihrem Latein am Ende. Der bekanntlich technisch versierte Daniel Cheron fand in Giulio Fiordellisi ein kongeniales Pendant, so dass die löchrige Rainer Defensive erstmals spielerisch durch Kurzpassspiel ausgehebelt wurde. Von der Grundlinie schickte Fiordellisi einen Pass in den Rücken der Abwehr zu Yuki Nakagawa, der das praktizierte, was ihm aufgrund der Besonderheiten seiner Physis am meisten liegt: das Leder reaktionsschnell im körperlosen „One Touch“ über die Linie befördern. Am Schönbusch wurde in dieser Runde schon mancher Vorsprung in den letzten Minuten verspielt, aber bei den kreuzbraven Gästen war kein ernstes Aufbäumen zu verzeichnen. Einem der besten Viktorianer, Denis Talijan, war es sogar noch vergönnt, in der 87. Minute nach einem gut ausgeführten Eckball – auch das eine Spielpremiere – durch Gökhan Öztas mit einem wuchtigen Kopfball aus dem Stand unter die Latte das Ergebnis auf 2:0 zu stellen.

Die Bilder zum Spiel finden Sie hier…

Das eigentlich Bemerkenswerte waren die Reaktionen auf den ersten Sieg nach Spielende, die zeigten, dass man bei der Viktoria seine Lektion gelernt hat. Verhaltene Freude war da auszumachen, keine Euphorie. Man wusste den Erfolg gut einzuordnen, indem man ihn als das einschätzte, als was er letzten Endes angesehen werden muss: ein Pflichtsieg. Der TSV geht bei den gezeigten Leistungen, die zum Teil allerdings mit Verletzungspech einhergehen, schweren Zeiten entgegen. Allerdings gibt dieser Sieg auf weiß-blauer Seite der Zuversicht neue Nahrung, am Ende der Saison in der Endabrechnung mindestens drei Mannschaften hinter sich lassen zu können und damit den Direktabstieg zu vermeiden. Schön wäre es, wenn demnächst mal ein größerer Fisch an der Angel hinge. Würzburg (Toto-Pokal), Seligenporten (auswärts), Illertissen (daheim) sind bestens zum Verzehr geeignet, nahezu grätenfrei, nicht bestandsgefährdet und müssen nicht wegen Nichterreichens des Mindestmaßes wieder eingesetzt werden.

 

Viktoria Aschaffenburg – TSV Rain/Lech 2:0 (0:0)

Aschaffenburg: Stefan Steigerwald – Daniel Cheron, Denis Talijan, Soheyl Alipour-Rafi (62. Roberto Desch), Christian Eckerlin – Zino Zampach (51. Giulio Fiordellisi), Florian Haith, Gökhan Öztas, Yuki Nagakawa, Simon Schmidt – Massé Bell Bell (88. Florian Pieper)

Rain/Lech: Kevin Maschke – Alexander Egen, Fabian Triebel, Maximilian Lutz, Volkan Cantürk – Benjamin Woltmann, Den Lovric (81. Bernd Taglieber), Matthias Riedelsheimer (57. Tobias Hildmann), Simon Schröttle – Ugur Yilmaz (74. Simon Clari), Niko Schröttle

Tore: 1:0 Yuki Nagakawa (69.), 2:0 Denis Talijan (87.)

Schiedsrichter: Florian Fleischmann (Kreith/Pittersberg)

Zuschauer: 529

Gelbe Karten: Zino Zampach, Simon Schmidt, Christian Eckerlin / Niko Schröttle, Volkan Cantürk, Clari Simon, Ugur Yilmaz

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