Hot! 4:3 – Viktoria „schnitzerte“ neunte Kerbe in Weiden-Holz

Trotz SVA-Naturgewalt: Die biegsame SpVgg. konnte Sturmschäden in Grenzen halten

Die Viktoria konnte am 32. Spieltag im Gastspiel bei der SpVgg. SV Weiden für eine Vorentscheidung in der Meisterschaft sorgen. Gegen eine stark ersatzgeschwächte Heimelf, hatten die Weiß-Blauen weniger Mühe als erwartet, um auch im neunten Spiel des Jahres ihre strahlend weiße Weste zu behalten. Die Treffer zu dem knappen, aber dennoch nie gefährdeten 4:3-Auswärtserfolg steuerten Björn Schnitzer (2), Florian Pieper und Kapitän Simon Schmidt bei.

Das Spiel des Tabellenführers gegen den Dritten hätte freilich eine größere Kulisse verdient als die gerade einmal 300 Zuschauer, darunter viele Viktoria-Anhänger, die sich im weiten Rund des repräsentativen Sparda Bank Stadions verloren. Darüber ob  die Gastgeber die Meisterschaft schon im Vorfeld innerlich abgehakt hatten, kann nur spekuliert werden, wie ein Team, das zu Hause spielt und es unbedingt noch einmal wissen will, traten sie in der ersten Halbzeit jedenfalls nicht auf. Sie gaben weite Teile des Spielfeldes preis und beschränkten sich darauf, hinten die Räume eng zu machen, eine Spielweise, auf die sie sich – wie schon im Hinspiel zu sehen – gut verstehen. So gut, dass aus dem Spiel heraus für den feldüberlegenen SVA zunächst einmal wenig ging. Ein Schuss von Björn Schnitzer, der Weidens Keeper Forster vor keine nennenswerten Probleme stellte, war die einzige nennenswerte Aktion. Wieder einmal sollte eine Standardsituation die Wende zum Besseren einleiten. Nach einem mit der gelben Karte geahndeten Foul an Simon Schmidt zirkelte Spezialist Björn Schnitzer aus zentraler Position über die Mauer halbhoch ins linke Eck (35. Minute). Forster war zwar noch dran, konnte den Einschlag aber nicht verhindern. Zwei Minuten später hätte Johannes Gerhart nachlegen können, verzog aber aus halbrechter Position. Mit einer verdienten 1:0-Führung für die agilere Viktoria ging es in die Pause.

Viktoria Aschaffenburg jubelt auch in Weiden - 9. Sieg in Folge (© Marion Münz)

Viktoria Aschaffenburg jubelt auch in Weiden – 9. Sieg in Folge (© Marion Münz)

Offener Schlagabtausch

Hellwach kam der SVA aus der Kabine und erwischte die SpVgg. mit schnellem Kombinationsspiel auf dem falschen Fuß. Die erste Chance ließ Schnitzer in der 50. Minute noch ungenutzt, doch der traumhaften Kombination aus der 54. Minute blieb die Anerkennung nicht versagt. Simon Schmidt hatte mit feinem Pass Daniele Toch geschickt, der das Leder flach nach innen gab, wo Florian Pieper keine Mühe hatte, mit seinem 21. Saisontreffer das 2:0 für die Viktoria zu markieren. Nicht lange konnten sich die Weiß-Blauen in der Sicherheit des Zwei-Tore-Vorsprungs wiegen, denn wie aus dem Nichts gelang den Oberpfälzern in der 63. Minute im Anschluss an eine Ecke durch einen Kopfball in den Winkel durch Ralf Egeter der Anschlusstreffer zum 1:2. Die Viktoria ließ an diesem Tag jedoch nie einen Zweifel aufkommen, wer als Sieger vom Platz gehen würde. Gerade zwei Minuten später zeigte wiederum  Björn Schnitzer seine Klasse, als er steil geschickt seinem Bewacher enteilte und mit einem Lupfer über Forster den alten Abstand wiederherstellte. Nach mehreren Gelegenheiten, die Führung auszubauen, war es Simon Schmidt vorbehalten, nach Doppelpass mit Schnitzer seine gute Leistung mit dem 4:1 zu krönen (77.).

„Unnötige Standards“

Eine Vorentscheidung, wie zunächst angenommen, war dies jedoch nicht, denn der SVA machte es noch einmal unfreiwillig spannend. Slobodan Komljenovic in der anschließenden Pressekonferenz: „In dieser Phase haben wir die langen Bälle zugelassen und haben uns durch unnötige Fouls Standards eingefangen.“ Einen solchen nutzte Ralf Engeter in der 80. Spielminute zu seinem zweiten Treffer an diesem Tag. Seine Kopfballverlängerung nach einer Freistoßflanke schlug unhaltbar für Keeper Stefan Steigerwald im langen Eck ein. Das war es immer noch nicht, denn kurz vor Spielende erhielt die SpVgg. einen weiteren Freistoß zugesprochen. Den Hammer von Friedrich Lieder konnte Steigerwald mit einer Glanzparade zur Ecke klären. Nach dieser zappelte der Ball zur Überraschung aller im Netz, wobei zunächst im Dunkeln blieb, wer aus dem Getümmel am kurzen Pfosten den Ball zum Endstand von 3:4 über die Linie befördert hatte. In der Pressekonferenz gab es die Auslösung: Es hatte sich um ein Eigentor von Mike Kirchner gehandelt.

Wie dem auch sei: Der Sieg der Viktoria war hoch verdient und dem knappen Resultat zum Trotz nie ernsthaft gefährdet. Dies gab auch Weidens Coach Christian Stadler unumwunden zu, der die Qualität des Viktoria-Kaders, aber auch die eigene Verletzungsmisere – „wir hatten noch einen gesunden Feldspieler auf der Bank“ – als entscheidende Faktoren ausmachte. Zugleich stellte er klar: „Unser Hauptaugenmerk liegt jetzt auf dem BFV-Toto-Pokal-Endspiel gegen die SpVgg. Unterhaching am 20. Mai, über das wir in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals vorstoßen können.“

Damit kann der SVA nicht dienen, wohl aber mit einer sich anbahnenden „Versetzung“ in die nächsthöhere Klasse. Angesichts von noch vier benötigten Punkten aus den letzten drei Spielen muss sich schon einen unverbesserlichen Pessimisten nennen lassen, wer noch an Meisterschaft und Aufstieg zweifelt. Am kommenden Mittwoch (19 Uhr) gastiert die Komljenovic-Truppe in einem Nachholspiel beim VfL Frohnlach. Der hat an diesem Wochenende für ein vorgezogenes Happy-End gesorgt, indem er mit einem klaren 4:0-Heimerfolg über die SpVgg. Bayern Hof den Klassenerhalt feiern konnte.

 

SpVgg. SV Weiden – Viktoria Aschaffenburg 3:4 (0:1)

Weiden: Dominik Forster – Michael Drechsler, Johannes Kohl, Peter Schecklmann, Thoms Wildenauer, Rafl Egeter, Friedrich Lieder, Andreas Wendl, Michael Riester, Rafael Wodniok (73. Maximilian Geber), Christoph Hegenbart (Trainer: Christian Stadler)

Aschaffenburg: Stefan Steigerwald – Alban Lekaj (73. Mike Kirchner), Zamir Daudi, Dennis Löhr – Daniel Cheron, Johannes Gerhart, Simon Schmidt, Abassin Alikhil – Daniele Toch (82. Giulio Fiordellisi), Björn Schnitzer – Florian Pieper (58. Yannick Franz) (Trainer: Slobodan Komljenovic)

Tore: 0:1 Björn Schnitzer (35.), 0:2 Florian Pieper (54.), 1:2 Ralf Egeter (63.), 1:3 Björn Schnitzer (65.), 1:4 Simon Schmidt (77.), 2:4 Ralf Egeter (80.), 3:4 Mike Kirchner (89., ET)

Gelbe Karten: Rafael Wodniok (9.) / Zamir Daudi (79.)

Schiedsrichter: Thomas Berg – Jonas Beinhofer, Thomas Pidhorianski

Zuschauer: 300 (Sparda-Bank-Stadion)

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