Auf einem Level mit Oktoberfest und Neuschwanstein…

Viktoria mausert sich zum bayerischen Exportschlager in das Land der aufgehenden Sonne

Sie hat als Spitzenreiter in der Fairness-Tabelle der Bayernliga Nord den Ehrenkodex des Samurais verinnerlicht, investiert keine Millionen in neue Spieler und vor allen Dingen schwächt sie konkurrierende Teams nicht, indem sie ihnen die Stars wegkauft. Mit dieser Mischung aus Mut und Manieren kommt die Viktoria – von wem sonst soll hier die Rede sein? – gerade im Reich der aufgehenden Sonne sehr gut an.

Beim Hören der im Folgenden zu erzählenden kleinen Geschichte mag manch ein Nichteingeweihter den leisen Einwand erheben, dass hier auch der Zufall mit gestrickt habe, der Autor indes legt Wert auf die Feststellung, dass sich hier lediglich zusammengefunden habe, was zusammengehört.

SVA eine begehrte Tauschwährung

Trikotbesitzer Shuichi Joshikawa und Thi Anh Mai (© Thi Anh Mai)

Trikotbesitzer Shuichi Yoshikawa und Thi Anh Mai (© Thi Anh Mai)

Um den asiatischen Langmut des Lesers nicht überzustrapazieren, worum geht’s? Alles nahm seinen Anfang mit einer Japan-Reise der in Aschaffenburg beheimateten Vietnamesin Thi Anh Mai. Seit ihrem 14. Lebensjahr hatte Anh Mai – so ihr Rufname – Nippon zu ihrem Traum-Reiseziel erkoren. Anlässlich ihrer ersten Japan-Reise versorgte sie der in Tokyo wohnende Shuichi Yoshikawa mit wertvollen Tipps, die nicht in den einschlägigen Reiseführern zu finden sind. Ein Mitbringsel, mit dem sie sich bei ihrem nächsten Trip für erbrachte Reiseführerdienste erkenntlich zeigen wollte, war sehr schnell gefunden: Shuichi ist nämlich ein glühender Anhänger des deutschen Fußballs und auch im Besitz der entsprechenden Fachliteratur. So bat er Anh Mai, ihm bei ihrem nächsten Besuch ein Trikot ihres Heimatvereins mitzubringen. Anh Mai, mit einem solchen Anliegen „(ge)schlechterdings“ etwas überfordert, zog daraufhin zu Hause Erkundigungen ein und war nach einem Fanshop-Besuch alsbald stolze Zwischenbesitzerin eines brandneuen Trikots ihres „Heimatvereins“ Viktoria Aschaffenburg.

Gute Figur im Viktoria-Trikot

Während ihrer nächsten Japan-Visite überreichte sie die weiß-blaue Edel-Couture, die an dem gertenschlanken Shuichi, der prompt für ein Foto Modell stand, auch Neid erfüllend gut zur Geltung kommt. Gesunde japanische Ernährung mit viel Fisch und Reis und nicht Marathonläufe am Fließband dürften für den Traumbody verantwortlich sein. Einem weiteren Wunsch von Shuichi konnte Anh Mai bei allem Wohlwollen nicht entsprechen, denn ein Bierglas mit Viktoria-Logo gibt der Bestand des weiß-blauen Fanshops (momentan noch) nicht her.

Dabei entbehrt sein Ansinnen nicht einer zwingenden Logik, denn was ein richtiger Japaner sein will, wird seinen Sake nicht aus Viktoria-Glühweintassen trinken, wohl aber allzu gerne eine andere Form der deutschen Brauchtumspflege betreiben: sich die bayerische Krachlederne anziehen und die bajuwarischen Brauereierzeugnisse aus den eigens dafür vorgesehenen Gefäßen trinken.

Lebenslang Supporter

Aber dies nur nebenbei. Shuichi lässt uns „Langnasen“ ausrichten, dass es ihm eine Ehre sei, nunmehr stolzer Besitzer eines persönlichen Trikots zu sein. Zugleich erwachse ihm daraus die Verpflichtung, sein Leben lang – Japaner können sehr alt werden – Supporter dieses (unseres) Vereins zu sein, was sich  mit „allwöchentlich im Liveticker der Bayernliga Nord auf FuPa mit zu fiebern“ übersetzen ließe. Dass unsere betagte Diva noch einmal zu der Ehre kommen würde, nach Kaiserin Michiko die zweite alte Dame  im Staate zu sein, hätte jetzt auch keiner ohne Not vorhergesagt. Daher wäre es bestimmt kein kaufmännischer Fehlgriff, wenn im Fanshop nach der Sortiment-Erweiterung neben dem wirklich obligatorischen Bierhumpen auch Geisha-Fächer in Vereinsfarben käuflich zu erwerben sein würden.

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