3:3: Streitbare Viktoria hatte an der Noris das letzte Wort

In der dritten Minute der Nachspielzeit packte Roberto Desch sein Notfallpaket gegen drohenden „Serienriss“ aus / Mitreißender Tempofußball in einem hochklassigen Spiel

Die verbliebenen Profi-Reserven in der Regionalliga Bayern stehen bekanntlich nicht gerade im Ruf von Zuschauermagneten und so verirrten sich bei strahlendem Oktoberwetter gerade einmal 218 zahlende Zuschauer – davon ein Drittel dem weiß-blauen Lager zuzurechnen – auf den weltmeisterlichen Max-Morlock-Platz im Sportpark am Valznerweiher zum (immerhin) Spitzenspiel des gastgebenden Club gegen die Viktoria. Die „intime Atmosphäre“ hinderte beide Teams nicht daran, ihr spielerisches Potential vollends auszuschöpfen. Nach zweimaliger Führung durch Schnitzer und Verkamp drohte der SVA am Ende mit leeren Händen dazustehen. Als der kurz zuvor eingewechselte Roberto Desch in der 93. Minute mit einem sehenswerten Schuss von der Strafraumkante ins lange Eck zum hoch verdienten 3:3-Ausgleich traf, konnte bei der Viktoria von einem „Phantomschmerz“ keine Rede mehr sein.

Viktoria Aschaffenburg bleibt dank einer engagierten Leistung und einem verdienten Punktgewinn in Nürnberg weiter ungeschlagen (© Moritz Hahn)

Begünstigt durch einen Lapsus des Nürnbergers Zietsch, der sich im eigenen Strafraum ein Handspiel leistete, ging die Viktoria bereits in der zweiten Spielminute durch einen von Björn Schnitzer souverän verwandelten Handelfmeter in Führung. Der Club musste sich nicht lange besinnen und egalisierte nach einer Viertelstunde mit einem Traumtor in den Winkel aus 25 Metern. Von da an ging es in der sich vom Start weg das Prädikat „rassig“ verdienenden Partie im Drei-Minuten-Takt weiter. Zunächst tunnelte nach einem langen Boutakhrit-Einwurf und anschließender Kopfballverlängerung von Luca Dähn Pasqual Verkamp Club-Keeper Willert zur neuerlichen Führung des SVA. Die hatte allerdings nicht lange Bestand, denn nach dem Motto „Jeder Schuss ein Treffer“ kamen die Mittelfranken bereits in der 19. Minute zum neuerlichen Ausgleich. Der aus der Viktoria-Jugend stammende Robin Heußer servierte eine Freistoßflanke in den Strafraum, die Graulich aus acht Metern zum 2:2-Ausgleich ins rechte untere Eck grätschte. „Danach wurde es etwas gemächlicher, aber wir haben weiterhin sehr gut nach vorne gespielt. Einzig den Pässen im letzten Drittel fehlte es zuweilen an Genauigkeit“, würdigte Jochen Seitz den Beitrag seines Teams zu einem überaus attraktiven Spiel.

Die beiden Trainer Marek Mintal und Jochen Seitz waren sich einig, dass Sie eine hochklassige Regionalliga_Partie gesehen hatten (© Moritz Hahn)

Club-Führung war lange nicht zu knacken

Intensiv sollte die Partie auch im zweiten Durchgang bleiben, wenn auch zu Beginn nicht ganz im Sinne der Viktoria. Mit dem 3:2 durch ein Kopfballtor von Tengstedt im Anschluss an eine Ecke übernahmen die Cluberer in der 51. Minute erstmals die „Pole-Position“. Keiner wollte nach dem bisherigen Spielverlauf glauben, dass das der Schlusspunkt gewesen sein sollte. So war`s denn auch nicht: Luca Dähns wuchtiger Kopfball an die Querlatte nach einem Freistoß (59.) markierte den Beginn einer Phase, in der die Viktoria mächtig auf den Ausgleich drückte und die Club-Abwehr unter Dauerdruck stand. Die Belagerung des Nürnberger Strafraums förderte eine Vielzahl weiterer hochkarätiger Ausgleichschancen zutage, darunter ein Kopfball von Egson Gashi, den Willert noch so eben an die Latte lenken konnte. Clay Verkaj verzog aus 19 Metern knapp (69.) und Björn Schnitzer zwang Keeper Willert mit einem von halblinks ausgeführten Freistoß zu einer Glanztat (87.). „Wir hatten sehr, sehr viele Möglichkeiten“, bilanzierte Jochen Seitz sachlich. Aber auch den Gastgebern boten sich vereinzelt Chancen, gegen die aufgerückte Viktoria die Entscheidung herbeizuführen. So scheiterte Besong mit der besten Konterchance der Gastgeber an Keeper Kevin Birk (68.).

„Serienheld“ Roberto Desch sorgte für das Happy-End

„Alles hat ein Ende“, dachte in Anbetracht der unerbittlich ablaufenden Uhr manch einer im Stadionrund im Hinblick auf die stolze Erfolgsserie der Viktoria. „Nur die Nürnberger Rostbratwurst hat zwei“ dachte sich Edeljoker Roberto Desch, als er in der dritten Minute der Nachspielzeit nach Vorarbeit von Luca Dähn die Kugel von halblinks zum umjubelten 3:3-Ausgleich ins lange Eck schlenzte. „Mit dem im Übrigen sehr gut herausgespielten 3:3 haben wir uns für ein richtig gutes Spiel belohnt. In der zweiten Halbzeit hatten wir ein klares Chancenplus, da wäre auch noch mehr möglich gewesen. Wenn man aber in der letzten Minute den Ausgleich erzielt, muss man zufrieden sein“, sortierte Jochen Seitz nach dem Abpfiff seine Gefühle.

Joker Roberto Desch erzielte in der 93. Spielminute den verdienten Ausgleich (© Moritz Hahn)

Mit der Punkteteilung beim Club hat die Viktoria die Zielvorgabe des Trainers umgesetzt und ist im siebten Ligaspiel in Folge ungeschlagen geblieben. Eine imposante Serie, auch wenn Jochen Seitz noch ganz unter dem Eindruck des Spieles stehend betonte: „Ich wäre in diesem speziellen Fall auch zufrieden gewesen, wenn wir 2:3 verloren hätten. Ganz einfach, weil wir eine gute Leistung abgeliefert und uns die Chancen herausgespielt haben. Womit ich allerdings nicht gesagt haben will, dass sich ein 3:3 nicht besser anfühlt.“

„Achtung Wild!“ – Hans-Walter-Wild-Stadion nächster Drehort der Viktoria-Serie

Mit Ausnahme des Tabellenführers Türkgücü, der erstmals auf sechs Punkte davonziehen konnte, geht es an der Tabellenspitze der Regionalliga Bayern nach wie vor sehr eng zu. Die Viktoria ist – was nun weiß Gott nicht sehr deprimierend ist – infolge des Punktverlusts auf den undankbaren fünften Tabellenplatz „abgerutscht“. Am kommenden Samstag geht es zum frischgebackenen Tabellenzweiten SpVgg. Bayreuth. Das Team von Timo Rost ist nach verhaltenem Start so richtig in Fahrt gekommen und wird auf Revanche für die klare 0:4-Niederlage am Schönbusch zum Saisonauftakt sinnen.

17. Spieltag Regionalliga Bayern 2019/20, am Samstag, 26. Oktober 2019, um 14:00 Uhr in Nürnberg (Sportpark Valznerweiher, Max-Morlock-Platz // Valznerweiherstr. 200, 90480 Nürnberg)

1. FC Nürnberg II – Viktoria Aschaffenburg 3:3 (2:2)

Nürnberg: Benedikt Willert – Noel Knothe, Tobias Kraulich, Marco Zietsch (46. Alexander Fuchs), Lukas Schleimer, Casper Tengstedt (56. Paul-Philipp Besong), Robin Heußer, Felix Schimmel, Nils Piwernetz, Tim Latteier (72. Leon Heinze), Linus Rosenlöcher (Trainer: Marek Mintal) Aschaffenburg: Kevin Birk – Silas Zehnder, Simon Schmidt, Luca Dähn, Hamza Boutakhrit – Benjamin Baier, Clay Verkaj – Pasqual Verkamp (74. Daniel Meßner), Björn Schnitzer, Jonas Fritsch (70. Lucas Oppermann) – Egson Gashi (80. Roberto Desch) (Trainer: Jochen Seitz) Im Kader: Peter Neuberger (TW), Zaki ech-Chad, Tom Schulz, Max Grünewald Tore: 0:1 Björn Schnitzer (2., HE), 1:1 Nils Piwernetz (15.), 1:2 Pasqual Verkamp (18., Luca Dähn), 2:2 Tobias Kraulich (19.), 3:2 Casper Tengstedt (51.), 3:3 Roberto Desch (90.+3, Luca Dähn) Gelbe Karten: Marco Zietsch (8.), Noel Knothe (44.), Linus Rosenlöcher (58.), Tobias Kraulich (76.), Benedikt Willert (88.) / Luca Dähn (62.), Simon Schmidt (79.) Schiedsrichter: Thomas Ehrnsperger – Felix Scharf, Andreas Stolorz Zuschauer: 218 (Sportpark Valznerweiher, Max-Morlock-Platz)

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