Hot! Viktoria-History: Rücktrittswelle wegen unbespielbarem Platz

Peter Riehl, der ältere Herr mit Hut, dessen Stammplatz bei Heimspielen des SVA auf der Tortribüne unterhalb der Sprecherkabine zu finden ist, fühlt sich nicht nur bei seinem Stammverein zu Hause, sondern hat auch umgekehrt als Erbauer des Vereinsheims im wörtlichen Sinne der Viktoria eine Heimat gegeben. Der treue Viktoria-Fan, Jahrgang 1930, hat, seit er 1958 nach Aschaffenburg kam, kaum ein Heimspiel verpasst und war, bis er aus Altersgründen auf das Auto verzichtete, auch auswärts bei jedem Auftritt seines SVA zugegen. Im „Heimspiel“ erinnert sich Peter Riehl an seine schönste Viktora-Zeit:

„Wenn ich meine schönsten Viktoria-Erlebnisse abrufe, so liegt der Schwerpunkt ganz eindeutig auf den 70er Jahren. Nach den glorreichen Oberliga-Zeiten in den 50ern gelangte die Viktoria in der Saison 1970/71 sportlich zu einer zweiten, wenn auch nur eine Spielzeit währenden Blüte. Man spielte damals nach einem Aufstieg in der Regionalliga Süd, zu dieser Zeit war das die zweithöchste Spielklasse. Auch die Zuschauerkulisse gegen die Topmannschaften der Klasse, 1. FC Nürnberg und 1860 München, erinnerte an die guten alten Tage. Vor eben einem solchen Spitzenspiel, dem Match gegen den Club, ereignete sich ein Malheur, das mich noch heute schmunzeln lässt. Um einer Spielabsage aufgrund von Unbespielbarkeit des Rasens vorzubeugen, rückte der Platzwart den winterlichen Platzverhältnissen mit einer Schneefräse zu Leibe – und erreichte genau das Gegenteil: Das Spiel gegen den späteren Meister musste abgesagt werden, da aufgrund des unsachgemäßen Einsatzes der Fräse die Grasnarbe beschädigt wurde. Es fand dann am 7.2.1971 vor 17.000 Zuschauern doch noch statt und endete 3:3. Dieses „verhinderte Spitzenspiel“ schlug vereinsintern hohe Wellen und hatte eine Vielzahl personeller Konsequenzen, so unter anderem den Rücktritt des 1. Vorsitzenden. Der damalige Spielausschussvorsitzende Meder hatte sich vorgenommen, den Verein wieder auf vernünftige Füße zu stellen und diverse Posten neu zu besetzen. Bisher lediglich Vereinsmitglied, war ich für das Amt des Kassenwarts ausersehen worden und nahm nach kurzem Zögern an. Schon am nächsten Spieltag hatte ich meine Feuertaufe zu bestehen. Ich lagerte sämtliche Tickets zu Hause und verteilte sie dann vor Spielbeginn an die einzelnen Kassierer. Wie viele in welchen Kategorien, das wurde in einem Abrechnungsbogen festgehalten, den ich zu diesem Zweck eigens entworfen hatte. Kurz vor der Halbzeitpause wurden die gesamten Einnahmen zu einem befestigten Kassenhäuschen gebracht, wo ich sie mit den Aufzeichnungen aus dem Abrechnungsbogen verglich, zählte, bündelte und in Geldbomben verpackte. Mit wachsender Routine ging mir dieser Job so schnell von der Hand, dass ich bereits zehn Minuten nach Wiederanpfiff meinen Stammplatz im so genannten „Vorstandskäfig“ auf der damaligen Haupttribüne wieder einnehmen konnte. Gleich mit übernommen habe ich die Funktion des Platzausschussvorsitzenden, dessen Aufgabe es war, zusammen mit einem DFB-Bevollmächtigten über die – man höre – Bespielbarkeit des Platzes zu entscheiden.

Von Beruf Architekt und Statiker war es mir vergönnt, beim Bau des Viktoria-Vereinsheims an der Kleinen Schönbuschallee in den Jahren 1976/77 federführend mitzuwirken. Die US-Army besorgte damals den Erdaushub. Unvergesslich die Einweihungsfeier 1977 mit vielen lokalen Größen aus Politik und Sport, an vorderster Stelle der damalige Oberbürgermeister der Stadt Aschaffenburg, Dr. Willi Reiland, und in seiner Funktion als Leiter des städtischen Sportamtes der nicht nur am Untermain hoch verehrte Rekordnationalspieler Ernst Lehner, der nach dem Krieg in 40 Oberligaspielen für die Viktoria die Kickstiefel geschnürt hatte.“

 

Was war Dein schönstes Erlebnis mit der Viktoria? Egal ob Altersromanze oder Backfischliebe, erzähle uns die Geschichte Deiner ganz persönlichen Liaison mit der blau-weißen Diva vom Main. Schicke uns eine E-Mail mit Deinen Kontaktdaten an t.jung@sva01.de oder sprich uns bei einem unserer Heimspiele direkt an!

 

 

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