Viktoria klopft an der Pforte der Seligen an

Freitägliche Exerzitien beginnen um 18.30 Uhr in der Seligenportener MAR-Arena

Der 11. Spieltag der Regionalliga Bayern nimmt den SVA schon wieder am Freitagabend (18.30 Uhr) in die Pflicht, wenn der weiß-blaue Tross auf die Wallfahrt nach Seligenporten geht.

11. Spieltag: SV Seligenporten – Viktoria Aschaffenburg

Der dort ansässige SV hat unser durch zaghaftes Anklopfen an die Klosterpforte signalisiertes Begehren um Einlass gleich am 2. Spieltag der letzten Saison schon einmal brüsk zurückgewiesen und uns stattdessen zu einem 0:5-Bußgang verdonnert. Für die hohe Sühne verantwortlich war in erster Linie ein Pater namens Bernd Rosinger, der seinerzeit mit vier Treffern den Stab über uns brach. Rosinger ist sicherlich nicht zu unserem Leidwesen zwischenzeitlich aus dem Konvent ausgetreten und tummelt sich bei den kleinen Cluberern ohne nennenswerte Qualitätseinbuße in weltlicheren Gefilden. Kein Kloster ohne Prior, keine Mannschaft ohne Trainer. Die Blüte des Konvents insbesondere in der ersten Halbserie der Saison 2012/13 war untrennbar verbunden mit einem Namen: Karsten Wettberg. Als weitsichtiger Fußballanalytiker und allseits anerkannte Trainer-Koryphäe in einer Person war es ihm vergönnt, die für manch ein Christenkind unüberwindbare Kluft zwischen flammender Predigt und leuchtender Tat mühelos zu überwinden. Das Resultat solch geglückter Synthese war am Tabellenstand der Klosterer deutlich abzulesen. Zehn Spieltage auf Rang 2 hinter dem späteren bayerischen Amateurmeister FV Illertissen, aber vor der Armada der hochgelobten Profi-Reserven waren wirklich aller Ehren wert.

Ein erster kleiner Einbruch ereignete sich unmittelbar vor der Winterpause, als man durch zwei Niederlagen in Folge auf den sechsten Platz abrutschte. Immer noch in Reichweite zu den Spitzenplätzen sah sich unter anderen auch Seligenporten im Januar diesen Jahres mit der Frage konfrontiert, ob man die Lizenz für die 3. Liga beantragen solle. Aufgrund des nicht drittligatauglichen Umfelds sowie des damit einhergehenden enormen Investitionsbedarfs verzichtete man auf diesen Schritt, wie übrigens auch alle anderen angeschriebenen Amateurvereine. Nachdem die Runde im März fortgesetzt wurde, kam man ohne den abgewanderten Torjäger Bernd Rosinger nicht mehr in Tritt, verlor kontinuierlich an Boden und kam kurzzeitig sogar der Abstiegszone bedrohlich nahe, ein Szenario, vor dem Wettberg immer gewarnt hatte und wofür er anfangs noch belächelt wurde. Letztes Endes erwies sich das Punktepolster aus der Hinrunde doch so dick, dass einige wenige Punkte genügten, um den Klassenerhalt frühzeitig zu sichern. Isoliert betrachtet war die Punktebilanz von 7:37 im Jahr 2013 die eines Absteigers, reichte den Klosterern aber dennoch zu Rang 14 in der Abschlusstabelle mit drei Punkten Vorsprung auf den gleichfalls geretteten SVA.

Karsten Wettberg, der zuvor seinen Abschied bei den Klosterern für das Saisonende angekündigt hatte, erging sich anlässlich des Gastspiels seines Teams am 16. April bei der Viktoria, das – ganz im Trend liegend – 1:3 verloren ging, in düsteren Betrachtungen die Situation der kleinen Dorfvereine im Amateurspitzenfußball betreffend. Unter Florian Schlicker, der im Juli das Traineramt von Übervater Wettberg bei den Klosterern übernommen hat, merkt man einstweilen wenig von einer schweren Hypothek. Der erst 32-jährige Schlicker fungierte letzte Saison schon als Trainerassistent, half aber auch noch auf dem Platz aus, wenn es personelle Engpässe gab. In der laufenden Saison konnte man nach zwei Unentschieden zu Beginn mit dem 4:1-Heimsieg über den SV Heimstetten am 3. Spieltag die Beendigung einer saisonübergreifenden schwarzen Serie von zehn sieglosen Spielen positiv für sich in Anspruch nehmen und schnupperte am 6. Spieltag auf Platz 3 sogar vorübergehend altbekannte Höhenluft. Zuletzt hatte man drei Profi-Reserven vor der Brust und zog jedesmal den Kürzeren. Mit dem 3:1-Auswärtserfolg in Buchbach am letzten Spieltag und dem Sprung auf Platz neun hofft die Schlicker-Elf die Trendwende eingeleitet zu haben. Beim Triumph in der SMR-Arena stach das neu verpflichtete Sturm-As Rico Röder, in der letzten Spielzeit noch im Dress des Absteigers SC Eltersdorf 11-mal erfolgreich. Da es immerhin galt, einen Rosinger zu ersetzen, verpflichtete man mit Cem Ekinci von der SpVgg. Bayern Hof gleich noch einen Hochkaräter für die Offensive. Top-Torschütze bei Seligenporten ist allerdings mit bis dato sieben erzielten Treffern ein Mittelfeldspieler: Dominik Stolz, der schon in der Bayernliga in Diensten des SVS stand.

Nach zwei Heimniederlagen in Folge, so steht es zu erwarten, hat Coach Florian Schlicker die drei Punkte gegen den SVA fest eingeplant. Für den SVA ist es an der Zeit, die schwarze Auswärtsserie zu beenden, die natürlich der Konkurrenz nicht verborgen geblieben ist und – wie auch auf der Homepage der Klosterer – mit nackten Zahlen schonungslos thematisiert wird. Zugleich wird aber ausdrücklich davor gewarnt, den SVA zu unterschätzen, wozu – so wird kritisch angemerkt – nach dem peinlichen Pokal-Aus unter der Woche beim Kreisligisten FC/DJK Weißenburg (1:2) auch keinerlei Anlass bestünde. Gemessen daran  nimmt sich der Abgang des Komljenovic-Teams von der Pokalbühne durch ein 3:5 beim Klassenrivalen Kickers Würzburg noch vergleichsweise respektabel aus.

Hoffen wir also, dass der Knoten heute platzt und das Adrenalin etwas früher durch die weiß-blauen Adern schießt als in der historischen „Schlacht am Dallenberg“. Wenn bei den Weiß-Blauen bislang auswärts nur Beten hilft, sind wir ja diesmal bei den Klosterern genau an der richtigen Adresse. Der Weg durch die Pforte der Seligen führt nur über das Fegefeuer, und das haben wir ja zur Genüge erlebt.

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