3:1 – Viktoria nimmt Memmingen im Handstreich

3:0-Führung nach 15 Minuten / Was dann folgte, fand nicht den uneingeschränkten Beifall von Jochen Seitz

748 Zuschauer füllten das Rund der Memminger Arena an diesem Freitagabend und wohl ausnahmslos alle rieben sich nach einer Viertelstunde ungläubig die Augen. Zu diesem Zeitpunkt führte das Team von Jochen Seitz durch Tore von Gashi, Desch und Schnitzer bereits mit 3:0. Als sich die Allgäuer wenig später durch eine rote Karte zudem noch selbst schwächten, zeichnete sich deutlich ab, dass sich die Busfahrt wieder mal lohnen würde. Das sich anschließende 65-minütige Scharmützel änderte daran nur insofern etwas, als den Gastgebern noch der Ehrentreffer unmittelbar nach Wiederanpfiff gelang. Übernachten darf die Viktoria jetzt auf dem vierten Tabellenplatz. Können Träume süßer sein?

Außer auf den studienbedingt fehlenden Luca Dähn musste Coach Jochen Seitz kurzfristig auch auf Clay Verkaj (krank) verzichten. Die Weiß-Blauen erwischten einen tollen Start und gingen bereits in der achten Minute durch Egson Gashi, der einen Konter erfolgreich abschloss, in Führung. Ehe die Gastgeber auf Sendung waren, traf Roberto Desch in der 11. Minute nach einem Einwurf zum 2:0. Wer sich bis dahin noch nicht verwundert die Augen gerieben hatte, konnte das nach einer Viertelstunde nachholen: Da schnappte sich Björn Schnitzer nach einem Memminger Fehlpass im Mittelfeld das Leder, ließ mehrere Gegenspieler stehen und schon frei vor dem FC-Keeper in überlegter Manier zum 3:0 ein. „In der ersten Viertelstunde waren wir sehr effektiv und haben aus drei Chancen drei Tore gemacht“, lobte Jochen Seitz. Von den Allgäuern war bis dahin offensiv noch nichts zu sehen gewesen und die Schockstarre nach dem Dreierpack sollte zunächst mal dafür sorgen, dass das auch so blieb. Die fehlende spielerische Reaktion machten die Hausherren durch gesteigerte Aggressivität wett. Mit Folgen: Nach einem groben Foul sah Marco Nickel in der 25. Minute von Schiedsrichter Pflaum die rote Karte. „Nicht jeder gibt sie, aber man kann sie geben“, urteilte Jochen Seitz. Den roten Karton sah auch der Memminger Ersatzspieler Arijanid Kelmendi, der die Entscheidung wohl mit allzu markigen Worten kommentierte. 3:0 vorne und der Gegner mit einem Mann weniger: Trotz der guten Ausgangsposition war der Viktoria-Coach nicht ganz zufrieden damit, was seine Schützlinge in der restlichen ersten Hälfte ablieferten: „Wir haben ein bisschen den Faden verloren und waren nicht mehr ganz so aktiv. Allerdings hätten wir kurz vor der Pause das 4:0 machen müssen, als Schnitzer in einer Eins-gegen-eins-Situation am gegnerischen Torwart scheiterte.“

Viktoria Aschaffenburg trat die lange Heimfahrt am Freitagabend mit dem dritten Sieg in Serie im Gepäck an (© Viktoria Aschaffenburg)

Jochen Seitz: „Bis zum Schluss auf Messers Schneide“

„Das Ganze konzentriert zu Ende spielen“ hieß die Marschroute der Viktoria für die zweite Hälfte. Nicht ins Konzept passte da, dass die Hausherren gerade einmal zwei Minuten nach Wiederanpfiff das 1:3 markierten. Nach einer abgewehrten Standardsituation fiel der Ball Philipp Boyer vor die Füße, der Keeper Kevin Birk mit einem 25- Meter-Flachschuss ins rechte Eck keine Chance ließ. „Dann wurde es wieder interessant. Hätte Egson Gashi frei vor dem Tor das 4:1 gemacht, wäre wieder etwas Ruhe eingekehrt. So aber stand das Spiel bis zum Ende auf Messers Schneide. Im Fußball ist vieles möglich und selbst ein Zwei-Tore-Vorsprung ist kein Ruhekissen“, hatte Jochen Seitz durchaus seine Kritikpunkte, die sich auch in seinem Fazit widerspiegelten: „Wir haben nicht ganz so gut gespielt heute, aber trotzdem verdient die drei Punkte eingefahren.“

Jochen Seitz ist als „Mann des Hier und Jetzt“ erwiesenermaßen kein Freund von Statistiken. Aber den einen oder anderen könnte es schon interessieren: Man muss schon etwas weiter in die Regionalliga-Historie zurückgehen, um die Frage zu beantworten, wann der Viktoria zuletzt drei Siege in Folge gelangen. In der Saison 2015/16 war es, als mit Coach Jürgen Baier der rare „Dreier“ gelang. Genützt hat es damals nichts, denn die Saison endete mit dem Abstieg.

Die zweite kleine Glückssträhne ist in die Spielzeit 2012/13 zu datieren, als die Weiß-Blauen damals mit Coach Antonio Abbruzzese über drei Spieltage verlustpunktfrei blieben. Ein Bestandteil der Serie war damals übrigens ein 4:2-Heimsieg über den TSV Buchbach, bekanntermaßen unser nächster Liga-Gegner am Schönbusch…

Unser nächster Gegner am Schönbusch ist aber am kommenden Donnerstag (14 Uhr) der 1. FC Schweinfurt 05. Mit dem derzeit unwiderstehlichen Liga-Primus kämpft die Viktoria um den erneuten Einzug ins Halbfinale des BFV-Toto-Pokals. Nicht zuletzt aufgrund der derzeitigen Tabellenkonstellation ist ein packender Pokalfight zu erwarten.

13. Spieltag Regionalliga Bayern 2019/20, am Freitag, 27. September 2019, um 19:30 Uhr in Memmingen (Arena Memmingen // Bodenseestr. 44, 87700 Memmingen)

FC Memmingen – Viktoria Aschaffenburg 1:3 (0:3)

Memmingen: Felix Thiel – Philipp Boyer (88. Fadhel Morou), Lukas Rietzler, Can Karatas, Marco Nickel, David Reminger (73. Natsuhiko Watanabe), Luca Sirch, Lukas Ender, Olcay Kücük (46. Ensar Skrijelj), Jakob Gräser, Marco Greisel (Trainer: Uwe Wegmann) Aschaffenburg: Kevin Birk – Silas Zehnder, Simon Schmidt, Zaki Ech-Chad, Hamza Boutakhrit – Benjamin Baier, Roberto Desch – Daniel Cheron (71. Jonas Fritsch), Björn Schnitzer, Pasqual Verkamp (85. Max Grünewald) – Egson Gashi (58. Michél Harrer) (Trainer: Jochen Seitz) Im Kader: Peter Neuberger (TW), Philipp Beinenz, Daniel Meßner, Tom Schulz Tore: 0:1 Egson Gashi (8., Daniel Cheron), 0:2 Roberto Desch (11.), 0:3 Björn Schnitzer (15.), 1:3 Philipp Boyer (47.) Besondere Vorkommnisse: Marco Nickel (26., rote Karte), Arijanit Kelmendi (26., rote Karte auf der Bank) Gelbe Karten: David Remiger (20.), Olcay Kücük (39.) / Zaki Ech-Chad (84.), Björn Schnitzer (86.) Schiedsrichter: Markus Pflaum – Andreas Voll, Martin Götz Zuschauer: 744 (Arena Memmingen)

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