Hot! Viktoria reist binnen 6 Tagen erneut in die Landeshauptstadt

36. Spieltag der Regionalliga Bayern – Im Keller geht`s ans Eingemachte

Nun ist sie also begradigt, die Tabelle der Regionalliga Bayern – und legt mit schonungsloser Offenheit die wahren Kräfteverhältnisse offen. Vorbei die Zeiten, als man sich unter Verweis auf in Nachholspielen noch einzufahrende Punkte Sand in die Augen streuen konnte. Von der winterlichen Absageflut war unter anderen die Viktoria stark betroffen, muss nun aber nach Abarbeitung ihres Nachholpensums ernüchtert feststellen, dass weniger absolvierte Spiele nicht unbedingt automatisch als Punkte verbucht werden können.

Insofern ist am 36. Spieltag der Regionalliga Bayern anlässlich des Gastspiels beim „kongenialen“ FC Ismaning (Samstag, 14 Uhr, Stadion an der Lindenstraße) auf Seiten der Schützlinge von Julio Alvarez fröhliches Pfeifen angesagt, steigt man doch hinab in die entlegensten Kellergewölbe der Regionalliga Bayern. Gleiches gilt natürlich auch für den Gegner, können sich doch beide sportlichen Parteien mit der chronischen Erfolglosigkeit der jeweils anderen Mut zufächeln. In der Tat stellt es keine Übertreibung dar, an diesem Samstagnachmittag die durch eine gleichnamige Seifenoper ohnehin schon in ihrem Ruf arg ramponierte Lindenstraße kurzerhand in „Boulevard of broken dreams“ umzuwidmen, so sehr klaffen Anspruch und Wirklichkeit bei beiden Kontrahenten derzeit auseinander.

Eine weitere Gemeinsamkeit teilen sie damit, dass sie eher durch Eskapaden außerhalb des Spielfeldes als durch sportliche Erfolge von sich reden machten. Als in der Winterpause Roman Grill, einflussreicher Spielerberater u.a. von Philipp Lahm, bei den Münchner Vorstädtern von der sportlichen Leitung ins Traineramt wechselte und den seitherigen Coach Frank Schmöller ablöste, begründete dies der Verein mit der „stagnierenden sportlichen Entwicklung“. Von Stagnation war seither nie mehr die Rede, denn der FCI, damals noch auf Platz 13 vor dem SVA, stürzte in der Folge auf den vorletzten Tabellenplatz ab.

Nachdem Grill am 2. Februar, einen Tag nach der Wechselfrist, die beiden langjährigen Kapitäne Thomas Bachinger und Bernd Häfele „nur für eine Woche“, wie er nachträglich versicherte, suspendiert hatte, erklärten sich neun Spieler mit den Geschassten solidarisch und boykottierten ihrerseits das Training. Als diverse Versuche, die Gräben zuzuschütten, scheiterten, machte Roman Grill seine Drohung wahr und ersetzte die Abtrünnigen kurzerhand durch Akteure aus der zweiten Mannschaft sowie durch vertragsfreie Spieler. Im Licht dieser nachhaltigen personellen wie qualitativen Schwächung des Teams ist im Wesentlichen die danach einsetzende sportliche Talfahrt der Ismaninger zu sehen. Die niederschmetternde Bilanz: Im neuen Jahr ist man bei 12 absolvierten Partien noch sieglos und holte gerade einmal zwei magere Punkte. Wenn es in der Liga eine Äquivalenz zu dieser Tristesse in Zahlen gibt, dann bietet sich am ehesten das Abschneiden des SVA in 2013 an, das sich bei 8 Niederlagen und lediglich zwei Siegen aus mittlerweile 13 absolvierten Spielen nur unwesentlich besser liest. Diese feinen Nuancen sind allerdings dafür Ausschlag gebend, dass man das Grill-Team in der Tabelle „überflügelt“ hat und vor dem Abstiegsthriller drei Punkte mehr sein Eigen nennen kann. Lässt man sich allerdings am Samstag in bester Lindenstraßen-Manier „einseifen“, so ist das letzte Pfund, mit dem man noch wuchern konnte, auch dahingeschmolzen. Es käme daher einem dem SVA in seiner aktuellen Situation nicht zukommenden Ismaning-Bashing gleich, es als lästige Pflichtaufgabe erklären zu wollen, Mutter Beimers Eingemachtes aus dem sackdunklen Keller zu holen. Schließlich genießt die Grill-Mannschaft beim samstäglichen Barbecue noch immer Heimrecht. Im Hinspiel kam der SVA am heimischen Schönbusch über ein 1:1 nicht hinaus.

Aber wer weiß: Wer immer an der Größe seiner Aufgaben geschrumpft ist, wächst vielleicht angesichts der vermeintlich geringsten einmal über sich hinaus. Zu wünschen wäre es dem Team von Julio Alvarez. Wie auch immer das Spiel am Samstag ausgeht: Alibis kann und wird es danach keine mehr geben.

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