Hot! Viktoria ringt FC Memmingen 3:3 ab

Das gegen die Allgäuer in der Schlussphase gerettete Remis ist im Abstiegskampf nicht Fisch, nicht Fleisch

Andi Fries, Stadionsprecher des SVA, sollte Recht behalten, als er vor dem immens wichtigen Heimspiel gegen den FC Memmingen die 423 zahlenden Zuschauer über Lautsprecherdurchsage auf ein Spiel einschwor, das wenig von fußballerischer Klasse, sondern fast ausschließlich vom Kampf geprägt sein würde. Auch Coach Slobodan Komljemovic hatte im Vorfeld der Partie in dieselbe Kerbe geschlagen: Um dem Abstieg noch zu entrinnen, gibt es für uns nur eines: Wir müssen dieses Spiel gegen den FC Memmingen auf alle Fälle gewinnen. Völlig egal wie, Hauptsache wir behalten die drei Punkte in Aschaffenburg.“

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Es war allerdings der weitgereiste Gast, der vom Anpfiff weg das Heft in die Hand nahm und ein ums andere Mal locker durch den Strafraum des SVA spazierte. Dieser agierte übernervös und zeigte ein ums andere Mal eklatante Schwächen im Spielaufbau, kaum ein Pass erreichte seinen Adressaten. Bei aller Feldüberlegenheit der Reinhardt-Elf konnte der SVA noch von Glück reden, dass die Rot-Weißen im Abschluss nicht zwingend genug waren und beste Chancen leichtfertig vergaben. Der den gesperrten Stefan Steigerwald vertretende Maximilian Hinterkopf musste nur einmal eingreifen, als er in der 30. Minute einen Kopfball von Matthias Bader parierte. Das torlose Remis in einer zerfahrenen, niveauarmen Partie währte bis zur 43. Minute, als Salvatore Bari auf Zuspiel von Simon Schmidt per Kopf aus sieben Metern die zu diesem Zeitpunkt völlig überraschende Führung für die Viktoria markierte. Der neunte Saisontreffer des Winter-Neuzugangs hatte den bisherigen Spielverlauf völlig auf Kopf gestellt. Das einzige offensive Lebenszeichen der Weiß-Blauen bis dato stammte aus der 41. Minute, als ein Distanzschuss von Daniel Cheron knapp am Memminger Gehäuse vorbeistrich.

Kapitän Simon Schmidt führt den SVA aufs Feld (© Andreas Bischof)

Kapitän Simon Schmidt führt den SVA aufs Feld (© Andreas Bischof)

In die zweite Hälfte startete der FC demzufolge mit grimmiger Entschlossenheit, wurde aber sehr schnell von der jetzt wacheren Viktoria ausgebremst. Einen Diagonalpass von Simon Schmidt veredelte „Rot-Rekonvaleszent“ Mert Sinan Pekesen per sehenswerter Direktabnahme über Memmingens Keeper Martin Gruber hinweg zum 2:0 in der 52. Minute. Ein Treffer, möchte man meinen, der den kecken Gästen wenn nicht schon endgültig, so doch fürs Erste den Schneid abgekauft haben dürfte. Die wenigen Minuten bis zur Widerlegung dieser These sollten die stärksten sein, die die Hausherren an diesem Tag auf den Rasen brachten. „Machen wir da das 3:0, ist die Sache gelaufen“, analysierte Kapitän Simon Schmidt nach dem Spiel. Die Herrlichkeit dauerte exakt 10 Minuten, dann wurde der gerade angesprungene SVA-Motor brutal abgewürgt. FCM-Coach Florian Reinhardt hatte Steffen Friedrich eingewechselt, der sich direkt zum bereit liegenden Ball begab, um von der rechten Strafraumgrenze einen Freistoß zu treten. Der war wohl ursprünglich als Flanke gedacht, avancierte aber zum Freund und Feind passierenden Slow-motion-Aufsetzer mit finalem Einschlag ins linke Toreck. Ein Treffer mit Verdutztheitsfaktor 10, was auch der wie angewurzelt stehen bleibende Maximilian Hinterkopf bestätigen dürfte…

Bei der Viktoria setzte nun das große Flattern ein und die nun nachsetzenden Gäste konnten bereits in der 70. Minute zum 2:2 egalisieren, wie bereits beim ersten Treffer in einer Art und Weise, die, wie Trainer Slobodan Komljenovic später eingestand, fassungslos macht. Im Anschluss an einen weiten Einwurf stimmte die Zuordnung in der Abwehr nicht, die Kopfballverlängerung konnte Stefan Heger aus stark abseitsverdächtiger Position über die Linie grätschen. Zum dritten Mal eine Standardsituation mit kapitalen Folgen in der 81. Minute, als im Anschluss an einen direkten Freistoß Sebastian Schmeißer völlig unbedrängt aus Nahdistanz mit einem Kopfball den auch in dieser Situation nicht gut aussehenden Maximilian Hinterkopf düpieren konnte. Beim über die Spielstände auf fremden Plätzen unterrichteten Publikum machte sich bereits Resignation breit, doch konnte der erneut kämpferisch vorbildliche Denis Talijan mit einem wuchtigen Kopfball unter die Latte zum 3:3-Ausgleich in der 85. Minute wenigstens noch einen halbwegs versöhnlichen Schlusspunkt setzen. Zwei Minuten später hätte er sogar noch für späte Glücksgefühle sorgen können, wenn nicht Memmingens Keeper Gruber einen weiteren Kopfstoß des Innenverteidigers pariert hätte.

Da nahezu sämtliche Konkurrenten im Abstiegskampf an diesem Spieltag dreifach punkten konnte – einzig Hof ließ sich in den 89. Minute den schon sicher geglaubten Heimsieg von  den Klosterern entreißen –, hätte die Viktoria heute unabhängig vom eigenen Ergebnis nicht viel Boden gutgemacht, wohl aber mit einem Sieg das Hoffnungsflämmchen am Leben erhalten. Nach dem Remis aber – Prädikat: „zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“ – beginnt es bereits unruhig zu zucken wie kurz vorm Erlöschen. Zu ihrem eigenen Schutz sollte man die Hoffnung auf den Klassenerhalt schon mal in ein künstliches Koma versetzen, vielleicht geschieht das Wunder und sie zeigt – beste medizinische Betreuung durch die Mannschaft vorausgesetzt – doch noch einmal „Momente des Erwachens“.

 

Trainerstimmen:

Thomas Reinhardt (FC Memmingen): Wir waren am Anfang die bessere Mannschaft und sind durch die Verletzung unseres Innenverteidigers, der 10 Minuten behandelt wurde, etwas aus dem Tritt gekommen. Aschaffenburg hat keine nennenswerten Chancen und ist dennoch in Führung gegangen. In der Halbzeit habe ich meinen Spielern gesagt, dass noch genug Zeit ist, das Spiel zu drehen. Wir haben dann auch zwei hundertprozentige Chancen, machen sie nicht und kassieren im Gegenzug das 0:2.Wir haben dann aber Charakter gezeigt und konnten auf 3:2 umstellen. Durch den schönen Kopfball von Denis Talijan wurde es dann nur ein Remis, für uns aber ein „besserer Punkt“ als für Aschaffenburg.


 

Viktoria Aschaffenburg – FC Memmingen 3:3 (1:0)

Aschaffenburg: Maximilian Hinterkopf – Dennis Löhr, Denis Talijan, Markus Brüdigam, Daniel Cheron – Johannes Gerhart (81. Giulio Fiordellisi), Simon Schmidt, Alban Lekaj, Yuki Nakagawa (69. Djordje Vlacic) – Mert Sinan Pekesen (58. Markus Schmitt), Salvatore Bari

Memmingen: Martin Gruber – Branko Nikolic, Matthias Bader, Raffael Friedrich (55. Sebastian Schmeiser), Harald Holzapfel – Matthias Jocham, Sebastian Bonfert, Dennis Vatany (64. Steffen Friedrich), Ümüt Sönmez, Stefan Heger – Fabian Krogler (55. Burak Tastan)

Tore: 1:0 Salvatore Bari (43.), 2:0 Mert Sinan Pekesen (52.), 2:1 Steffen Friedrich (64.), 2:2 Stefan Heger (70.), 2:3 Sebastian Schmeiser (81.), 3:3 Denis Talijan (85.)

Gelbe Karten: Markus Brüdigam, Salvatore Bari / Raffael Friedrich

Schiedsrichter: Andreas Hartl (Aicha vorm Wald)

Zuschauer: 423

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