Hot! 0:1 – Am Ende war Bambergs Kredit fast aufgebraucht

Eine in der zweiten Hälfte vom nachlassenden Gegner aufgebaute Viktoria kann sich für ihre Schlussoffensive nicht belohnen

„Etwas glücklich, aber letztlich verdient“, so die beiden Trainer Roberto Pätzold und Slobodan Komljenovic in der anschließenden Pressekonferenz unisono, sei der knappe 1:0-Erfolg der Domstädter am Schönbusch gewesen. Wenn ihnen in diesem Punkt auch nicht widersprochen werden kann, so war das Pokal-Aus im Achtelfinale vom Spielverlauf her keinesfalls obligatorisch.

Viktoria Aschaffenburg und Eintracht Bamberg trennen sich 0:1 (© Moritz Hahn)

Viktoria Aschaffenburg und Eintracht Bamberg trennen sich 0:1 (© Moritz Hahn)

Gerade einmal 468 Zuschauer machten Gebrauch von dem Angebot eines Pokal-Extrabonbons, das ihnen gegen den renommierten Regionalligisten FC Eintracht Bamberg mundgerecht serviert wurde. Trotz der Terminierung auf einen Dienstagabend eine etwas enttäuschende Kulisse, mit der die bislang verrichtete Arbeit der Mannschaft im Wettbewerb nicht angemessen honoriert wurde.

Die Viktoria startete mit Giulio Fiordellisi als alleiniger Spitze, Florian Pieper saß infolge einer gerade überstandenen Erkrankung zunächst nur auf der Bank. Der Favorit aus Bamberg hatte, ohne Vollgas zu geben, das Geschehen in der ersten Halbzeit völlig im Griff. Schnelles Umschaltspiel und flüssige Kombinationen ließen ein ums andere Mal den Klassenunterschied deutlich sichtbar werden. Die Viktoria stand tief, und da das Mittelfeld weitgehend auf einer Linie operierte und nicht vorstieß, war die klug verschiebende und Überzahl herstellende Abwehrkette der Oberfranken jederzeit Herr der Lage. Viele Chancen boten sich dem Regionalligisten zwar nicht, aber die wenigen hatten es in sich. Als symptomatisch dafür, wie lichterloh es sofort im Strafraum der Viktoria brannte, wenn die sich auch in dieser Phase wirklich kein Bein ausreißende Pätzold-Truppe mal kurz Spiellaune aufblitzen ließ, darf die 25. Minute herangezogen werden. Nach einem Kopfball an den Pfosten musste der im Pokal das Viktoria-Tor hütende Nemanja Saula Kopf und Kragen riskieren, um den Nachschuss zu entschärfen, allerdings direkt vor die Füße eines einschussbereiten Bambergers, der – sagen wir mal – viel Herz für den Pokal-Underdog zeigte. Kaum war der Warnschuss verhallt, da schlug es zwei Minuten später im Viktoria-Gehäuse ein. Bambergs Daniel Schäffler, an der Strafraumgrenze sträflich allein gelassen, versenkte das Leder am heraus eilenden Saula vorbei halbhoch im Netz.

Roberto Pätzold zeigte sich angetan vom Auftreten seiner Mannschaft, bemängelte aber, dass sie ihre Überlegenheit nicht in mehr Tore umgemünzt hatte. Dieses Versäumnis war nach seinem Verständnis Ausschlag gebend dafür, dass sich das Match in der Endphase von einer unaufgeregten Sache noch zu einem „echten Pokal-Fight“ entwickelte. „Mit Ausschlag gebend“ möchte man berichtigen, denn es gab noch einen zweiten Grund. Der bestand schlicht und ergreifend darin, dass sich sein Team mit zunehmender Spieldauer nur noch auf das Halten des Ergebnisses beschränkte und auch, als die Viktoria notgedrungen aufmachen musste, keinerlei Versuch unternahm, das Spiel mittels eines Konters zu entscheiden. Am mangelnden spielerischen Vermögen dürfte es kaum gelegen haben, eher an einer rätselhaften Passivität, die sich in das Spiel des FCE eingeschlichen hatte und die förmlich um Bestrafung bettelte. Allein die Viktoria, deren Kampfgeist durch die Apathie des Gegners  ab Mitte der zweiten Hälfte zusätzlich angeschürt wurde, wollte an diesem Tag das dringliche Flehen um ein Elfmeterschießen nicht erhören. Richtigerweise muss es eigentlich heißen: Die Eintracht, schon in der Regionalliga am Schönbusch mit Fortuna im Bunde, hatte wieder mal das Glück für sich gepachtet, als der an diesem Tag überragende Daniel Cheron in der 89. Minute das Leder völlig freistehend nur gegen den Pfosten setzte. Bei weiteren Großchancen des SVA standen entweder das Aluminium (Alikhil/47.) oder Bambergs aufmerksamer Keeper Mario Aller, der bei Schüssen von Florian Pieper und Björn Schnitzer auf dem Posten war, einem Torerfolg im Wege.

„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, so Viktoria-Coach Slobodan Komljenovic anschließend, sehe er das Ausscheiden aus dem Pokalwettbewerb, keinen Zweifel daran lassend, dass er der Liga absolute Priorität einräumt. Diese bietet der Viktoria  bereits in vier Tagen wieder Gelegenheit, im Heimspiel gegen den FSV Erlangen-Bruck (Samstag, 6.9.) wieder ihre von Bambergs Coach Roberto Pätzold gepriesenen „Offensivqualitäten“ zu präsentieren.

 

Viktoria Aschaffenburg – Eintracht Bamberg 0:1 (0:1)

Aschaffenburg: Nemanja Saula – Dennis Löhr, Abassin Alikhil, Zamir Daudi, Jonas Fritsch – Johannes Gerhart (80. Florian Pieper), Daniel Cheron, Daniele Toch, Simon Schmidt (75. Roberto Desch), Björn Schnitzer – Giulio Fiordellisi (63. Yannick Franz)

Bamberg: Mario Aller – Nikolai Altwasser, Silas Göpfert, Daniel Hofstetter, David Najem – Benjamin Kauffmann, Dominik Schmitt (77. Marco Hillermeie) – Daniel Schäffler, Johannes Trautmann (64. Florian Wenninger), Sandro Kaiser (83. Lukas Dotzler) – Nicolas Görtler

Tor: 0:1 Daniel Schäffler (27.)

Gelbe Karten: Johannes Gerhart, Zamir Daudi, Jonas Fritsch / Nicolas Görtler, Florian Wenniger, Nikolai Altwasser

Schiedsrichter: Steffen Mix (Abtswind)

Zuschauer: 468

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