Weiß-Blau mit sieben Leben: Viktoria-Serie einfach nicht totzukriegen

Beim 1:1 im Bayreuther Hans-Walter-Wild-Stadion glichen die Weiß-Blauen einmal mehr in der Nachspielzeit aus / Sehr belesen: Bayreuths Messingschlager zitiert aus Goethes Götz von Berlichingen

Dank eines Tores von Luca Dähn in der ersten Minute der Nachspielzeit konnte das Team von Jochen Seitz einen Punkt aus Bayreuth entführen und blieb auch in der achten Liga-Partie ungeschlagen. Die Wagnerstädter standen ab der 42. Minute nur noch zu zehnt auf dem Platz, nachdem Messingschlager mit einem lautstarken Zitat aus Goethes Schauspiel Götz von Berlichingen auf keine Gegenliebe beim kulturfernen Schiedsrichter Zacher gestoßen war…

Viktoria Aschaffenburg war am 18. Spieltag der Regionalliga Bayern zu Gast bei der SpVgg. Bayreuth (© Moritz Hahn)

Die Gastgeber hatten sich einiges vorgenommen und störten die Viktoria bereits früh im Spielaufbau. Die erste Torchance verzeichneten die Weiß-Blauen in der achten Minute durch einen etwas zu hoch angesetzten 25-Meter-Schuss von Björn Schnitzer. Die anfangs spielbestimmende SpVgg. Bayreuth hätte Marcel Schiller in der 25. Minute in Führung bringen können, als er auf der linken Seite alleine vor Kevin Birk auftauchte, aber an diesem scheiterte. Der nächste Höhepunkt sollte aus Sicht der Gastgeber ein unrühmlicher sein, als sich Messingschlager angesichts einer Schiedsrichterentscheidung kurzzeitig vergaß und sich zu eingangs angedeuteter Redensart hinreißen ließ. Schiedsrichter Zacher kannte kein Pardon und bedachte das Zitat aus dem Sprachkulturgut mit einer roten Karte. Goethe wurde also mit einem „Fack ju“ des Feldes verwiesen, Kompagnon Marcel Schiller hingegen blieb im Spiel und sollte die Viktoria noch ärgern.

Schiedsrichter Zacher hörte, was Messinschlager zu sagen hatte und verwies ihn mit glatt rot vom Platz (© Moritz Hahn)

Das torlose Unentschieden zur Halbzeit entsprach den Leistungen beider Teams auf dem schwer bespielbaren Rasen. „In der ausgeglichenen ersten Halbzeit haben wir aus meiner Sicht schon ein gutes Spiel abgeliefert. Natürlich hat sich nach der roten Karte das Spielgeschehen mehr in die Bayreuther Hälfte verlagert“, nahm Jochen Seitz den folgenden Spielverlauf schon vorweg.

Luca Dähn als später Altstadtschreck

In der zweiten Halbzeit wollte das Team von Jochen Seitz aus seiner Überzahl Kapital schlagen und forcierte den Druck. Nach einer Baier-Ecke verfehlte ein abgefälschter Schuss von Clay Verkaj knapp das Bayreuther Tor. Es schloss sich eine weitere Ecke an, nach der der Pfosten für die Gastgeber rettete. Silas Zehnders Schuss aus sieben Metern strich um Zentimeter am Pfosten vorbei, Pasqual Verkamp scheiterte am herausstürzenden Bayreuther Keeper und ein 20-Meter-Schuss von Benni Baier ging knapp über das Gehäuse. „Chancen waren definitiv da, wir machen sie halt nicht“, kommentierte Jochen Seitz knapp.

Die Altstadt lieferte der Viktoria vor fast 1.000 Zuschauern auch mit 10 Mann einen packenden Kampf (© Moritz Hahn)

Auf der anderen Seite hatte die Altstadt noch lange nicht die Sperrstunde ausgerufen. Zunächst musste Clay Verkaj nach einer Ecke der Schwarz-Gelben auf der Linie klären und Kevin Birk den Nachschuss entschärfen. Der Viktoria-Keeper bereinigte zudem die eine oder andere gefährliche Kontersituation. In der 83. Minute aber war er machtlos, als die Bayreuther nach einem Abspielfehler schnell umschalteten und Marcel Schiller mit einem platzierten Schuss in die rechte untere Ecke zur Führung für die Rost-Schützlinge traf. Das rief bei der Viktoria den „Serienretter“ auf den Plan. Diesen Part – letzte Woche in Nürnberg noch von Roberto Desch verkörpert – übernahm dieses Mal Luca Dähn, der in der Nachspielzeit nach schöner Vorarbeit von Clay Verkaj in Torjägermanier zum 1:1-Endstand traf.

91. Spielminute im Hans-Walter-Wild-Stadion: Clay Verkaj treibt den Ball schnell nach vorne und bedient Luca Dähn mit einem super Pass… (© Moritz Hahn)

Und Luca Dähn – letzte Woche noch zweifacher Vorbereiter – vollendet im Stile eines Torjägers (© Moritz Hahn)

„Richtig geiles Spiel“: Jochen Seitz freut sich auf Türkgücü

„Nach der Führung müssen wir natürlich froh sein, dass wir in der Nachspielzeit noch den Ausgleich machen. Wir waren in der zweiten Halbzeit drückend überlegen und hatten mehr Ballbesitz. Aber wenn wir die Chancen nicht reinmachen, wird es schwierig“, befand sich SVA-Coach Jochen Seitz nach dem Spiel wieder in der vergleichsweise komfortablen Lage, zufrieden sein zu „müssen“. Letzteres bezieht sich freilich nur auf den Spielverlauf, die Gesamtschau kann angesichts von sechs Siegen und zuletzt zwei Unentschieden bei Topteams nur positiv sein. Mehr noch: Dadurch dass das Team weiterhin ungeschlagen blieb, hat es für die maximale Strahlkraft des am kommenden Samstag (14 Uhr) im Stadion am Schönbusch stattfindenden Topspiels gegen Tabellenführer Türkgücü München (3:0-Sieger über Schalding) gesorgt.

Auf das Match gegen den an der Tabellenspitze einsam seine Kreise ziehenden Aufsteiger freut sich der Viktoria-Coach ganz besonders: „Wir haben jetzt ein richtig geiles Spiel vor der Brust. Türkgücü hat sich in der Tabelle schon abgesetzt und wir würden das gerne etwas korrigieren. Wir wollen auch gegen den Tabellenführer weiterhin ungeschlagen bleiben und ich bin zuversichtlich, dass wir das zu Hause mit der Unterstützung unserer Fans schaffen können.“ Wenn man sieht, mit welch katzenhafter Gewandtheit die Viktoria neuerdings immer wieder auf die Füße fällt, dann fällt es leicht, auch weiterhin auf die „sieben Leben der Viktoria“ zu vertrauen.

18. Spieltag Regionalliga Bayern 2019/20, am Samstag, 2. November 2019, um 14:00 Uhr in Bayreuth (Hans-Walter-Wild-Stadion, Friedrich-Ebert-Str., 95448 Bayreuth)

SpVgg. Bayreuth – Viktoria Aschaffenburg 1:1 (0:0)

Bayreuth: Sebastian Kolbe – Christopher Kracun, Marcel Schiller, Christoph Fenninger (84. Anton Makarenko), Patrick Weimar, Sascha Marinkovic (70. Alexander Piller), Chris Wolf, Steffen Eder, Tobias Weber, Philip Messingschlager, Ivan Knezevic (90.+1 Tim Sulmer) (Trainer: Timo Rost) Aschaffenburg: Kevin Birk – Silas Zehnder, Simon Schmidt, Luca Dähn, Hamza Boutakhrit – Benjamin Baier, Clay Verkaj – Pasqual Verkamp (81. Daniel Meßner), Björn Schnitzer, Jonas Fritsch (69. Roberto Desch) – Egson Gashi (73. Michél Harrer) (Trainer: Jochen Seitz) Im Kader: Peter Neuberger (TW), Zaki Ech-Chad, Daniel Cheron, Max Grünewald Tore: 1:0 Marcel Schiller (83.), 1:1 Luca Dähn (90.+1, Clay Verkaj) Besondere Vorkommnisse: Philip Messingschlager (42., rote Karte) Gelbe Karten: Tobias Weber (17.), Patrick Weimar (39.), Tim Sulmer (83.) / Björn Schnitzer (68.), Roberto Desch (71.) Schiedsrichter: Matthias Zacher – Alexander Schkarlat, Thomas Wagner Zuschauer: 972 (Hans-Walter-Wild-Stadion)

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