Hot! Eine unvergessene Legende alter Prägung

Viktoria-Ehrenmitglied Heinz Budion verstarb am vergangenen Freitag im Alter von 92 Jahren

In unserer schnelllebigen Zeit wird jede Eintagsfliege zur Legende stilisiert. Zu Zeiten, als Heinz Budion im weiß-blauen Trikot in der damals erstklassigen Oberliga Süd Vereinsgeschichte schrieb, kam jener Titel nicht so leichtfüßig daher, sondern wollte hart erarbeitet werden.

Begonnen hatte Heinz Budion – Jahrgang 1924 – seine Fußballerkarriere als „Straßenfußballer“ – zu damaliger Zeit gewissermaßen ein Vorläufer der heutigen Nachwuchsleistungszentren. Im Alter von 14 Jahren schloss er sich der Viktoria an. Es folgten Kriegsjahre und französische Gefangenschaft, aus der er 1946 zurückkehrte. Mit dem Aufstieg aus der Hessenliga in die Oberliga Süd bahnte sich dann das an, was später unter der Bezeichnung „die goldenen Jahre“ in die Annalen der Viktoria Einzug halten sollte. Über ein Jahrzehnt war Aschaffenburg neben Vereinen vom Schlage eines 1. FC Nürnberg und FC Bayern München eine Topadresse in der deutschen Fußballlandschaft, mit Heinz Budion als herausragendem Protagonisten. Nicht nur, dass der torgefährliche Linksaußen mit der Rückennummer 11 für seinen Verein in der 1. und 2. Liga insgesamt 394 Pflichtspiele absolvierte und dabei 109 Tore erzielte, auch der damalige Bundestrainer Sepp Herberger kam an dem außergewöhnlichen Talent nicht vorbei und wollte es für seine Aufführung des „Wunder von Bern“ engagieren. Hätte nicht ein Muskelriss im Oberschenkel, den sich Budion in einem Vorbereitungsspiel gegen die Schweiz zugezogen hatte, den Plan des „Chefs“ vereitelt, so könnte sich die Viktoria seither sogar mit einem „Weltmeister“ schmücken.

Viktoria Aschaffenburg trauert Heinz Budion (rechts im Bild)

Heinz Budion: „Bin immer Viktorianer geblieben“

Allen mit dem Erstarken der Ökonomie einsetzenden materiellen Abwerbeversuchen anderer Vereine hat Heinz Budion immer widerstanden und beendete seine traumhafte Karriere 36-jährig dort, wo sie ihren Anfang nahm: bei der Viktoria. „Ich bin immer Viktorianer geblieben“, brachte Budion auf eine schlichte Formel, was auch nach der aktiven Karriere sein Lebensmotto bleiben sollte.

Die Zeitzeugen, die über diese einzigartige Erscheinung fußballerischer Fülle in ansonsten entbehrungsreicher Zeit vom eigenen Anschauen her noch zu berichten wissen, werden täglich weniger. Eben darum ist es der Viktoria Ehre und Anliegen zugleich, die Erinnerung an Heinz Budion lebendig zu erhalten. Nicht als verstaubte Vereins-Ikone in den Archiven, sondern als ein modernes Vorbild, dem es ungeachtet der veränderten Rahmenbedingungen im Vereinssport auch heute noch nachzueifern gilt, will man am Schönbusch zukünftig mal wieder an alte glorreiche Zeiten anknüpfen. Eine Vermächtnispflege „Pfälzer Art“, die Umbenennung des Stadions nach seinem Namen, hätte sich Heinz Budion nach allem, was er für die Viktoria geleistet hat, redlich verdient. Dass es ihm im Gegensatz zu Fritz Walter versagt blieb, den „Helden von Bern“ zu geben, gerät da nachgerade zur Nebensächlichkeit. Traditionspflege und mutige Zukunftsvision in einem würden aus solch einer Namensgebung sprechen.

Die Viktoria verneigt sich in tiefer Dankbarkeit vor dem Lebenswerk vor Heinz Budion und gelobt, dass der Geist der wohl größten Spielerpersönlichkeit, die die Viktoria im Laufe ihres nunmehr 116-jährigen Bestehens hervorgebracht hat, im und durch den Verein weiterhin wirken und auch im fußballerischen Tagesgeschäft nie an Aktualität verlieren wird.

1 Kommentar

  1. Bin sehr froh, dass ich ihn persoenlich gekannt habe, RIP Heinz !

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