Hot! Viktoria stürmt mit 8:0-Kantersieg gegen Frohnlach an die Tabellenspitze

Jochen Seitz dennoch mit schonungsloser Analyse: „Erste Halbzeit schlechteste Saisonleistung unter meiner Regie“ – Schnitzer öffnete mit Freistoß-Skalpell die Dose

Mit den erwarteten drei Punkten aus dem Heimspiel gegen den Tabellenletzten VfL Frohnlach hat sich die Viktoria an die Tabellenspitze der Bayernliga Nord gesetzt, da zeitgleich der VfB Eichstätt zu Hause über ein 1:1-Unentschieden gegen den FC Amberg nicht hinauskam. Die bleierne Schwere im Spiel der Weiß-Blauen, die den darauf gar nicht eingestellten VfL zum Mitspielen förmlich einlud, wich erst mit der 37. Minute, als Björn Schnitzer mit einem brillianten Freistoß in den Winkel seine Farben vergleichsweise überraschend mit 1:0 in Führung gebracht hatte.

Björn Schnitzer hat schon wieder einen direkten Freistoß versenkt… (© Nikolas Verhoefen)

Das war der Dosenöffner“, sollte Gäste-Coach Oliver Müller nach dem Spiel folgerichtig erkennen, „zuvor haben wir 35 Minuten gut gespielt und wenig zugelassen.“ Unter gütiger Mithilfe der in dieser Phase indisponierten Viktoria freilich, die sich durch eine Vielzahl von Fehlpässen im Mittelfeld und durch unnötigen Leichtsinn in der Abwehr das Leben selbst schwer machte und bis dahin zu keiner nennenswerten Torchance gekommen war. Erst nach der Führung sollte sich dies ändern, so dass Niko Koukalias noch vor dem Halbzeitpfiff von einer Unaufmerksamkeit der Gästeabwehr profitieren konnte und das 2:0 markierte. „Unverdient“, so das Urteil von Jochen Seitz, der in der ersten Halbzeit eine Leistung seiner Schützlinge sah, die ihn zunächst „sprachlos“ machte, sich alsbald aber in einem schweren Pausengewitter entladen sollte. Die staunende Zuhörerschaft auf der Pressekonferenz, die in der Mehrzahl euphorisiert und siegestrunken eine Eloge des Trainers auf das vorangegangene Spiel erwartet hatte, konfrontierte er mit einer düsteren Prophezeiung: „Man muss es ganz nüchtern betrachten: Wenn wir so weiterspielen sollten wie in der ersten Halbzeit, haben wir da oben nichts verloren, auch wenn wir jetzt Spitzenreiter sein sollten.“

Insgesamt 8 Tore durften den Vikorianer bejubeln (© Nikolas Verhoefen)

Pausengewitter ließ die Dämme brechen

Aber es gab in diesem „Spiel der zwei Gesichter“ auch noch das andere Gesicht der Viktoria, nach dem Jochen Seitz in der Kabine vermutlich lautstark verlangt und das nach Wiederanpfiff auch zu sehen war. Passé das hastige, fehlerbelastete Spiel aus der ersten Halbzeit, nun nahm man sich die Zeit und Muse, das zugegebenermaßen kaum nennenswerten Widerstand leistende Schlusslicht nach allen Regeln der Kunst spielerisch zu zerlegen. Folglich fielen die Tore wie reife Früchte: Aydin (56.), Schnitzer (57.) und Daniele Toch (59., 64.) machten mit sehenswerten Treffern in Form von Lupfern und Direktabnahmen binnen acht Minuten das halbe Dutzend voll, der für Aydin eingewechselte Sascha Wolfert (80., 90.+1) schnürte dann noch einen Doppelpack, womit der Tore-Rekord aus dem Hinspiel eingestellt war. Jochen Seitz war`s denn auch zufrieden: „In der zweiten Halbzeit haben wir das sehr gut gemacht. Wir haben probiert, mehr über die Außen zu kommen und geduldiger zu spielen. Da hat sich wieder gezeigt, dass wir auch die Qualität haben, gegen tief stehende Gegner Torchancen zu kreieren. Das müssen wir allerdings über die vollen 90 Minuten zeigen, weil wir sonst gegen Spitzenmannschaften leider das Nachsehen haben und uns da oben nicht halten werden.“ Und wie zur Erklärung und vielleicht mit einem Seitenblick auf den lächelnden Oliver Müller, der zuvor keine Erklärung dafür gefunden hatte, warum sein Team nach gutem Beginn regelmäßig auseinanderfällt: „Ich weiß, das mag sich blöd anhören nach einem 8:0-Erfolg, aber als Trainer muss man analysieren. Trotzdem Kompliment an die Mannschaft: Mit ihrem wahren Gesicht in der zweiten Halbzeit hat sie mich gerade im Hinblick auf die kommenden schweren Spiele wieder zuversichtlicher gemacht.“

Schon am kommenden Donnerstag (13. April) wird sich beim Gastspiel der Viktoria beim Würzburger FV herausstellen, ob der deutliche Tritt auf die Euphoriebremse von Jochen Seitz bei seinem Team Wirkung gezeitigt hat und ob wir dann nur ein Gesicht – das „richtige“ selbstredend – erleben.

 

28. Spieltag der Bayernliga Nord 2016/17 am Samstag, 8. April 2017, 14 Uhr

Viktoria Aschaffenburg – VfL Frohnlach 8:0 (2:0)

Aschaffenburg: Luca Bieber – Zamir Daudi, Simon Schmidt (71. Max Grünewald), Fabian Galm – Kevin Wittke, Clay Verkaj – Daniel Cheron, Björn Schnitzer (71. Philipp Beinenz), Daniele Toch, Niko Koukalias – Gökhan Aydin (64. Sascha Wolfert) (Trainer: Jochen Seitz) Frohnach: Michael Edemodu – Maximilian Pfadenhauer (61. Stefano Göhring), Jannik Schmidt, Yannick Teuchert (10. Kevin Hartmann), Rene Knie, Tm Rebhan, Domenic Lauerbach (73. Fabian Fischer), Jonas Krüger, Daniel Alles, Maximilian Weinreich, Lukas Pflaum (Trainer: Oliver Müller) Tore: 1:0 Björn Schnitzer (37., direkter Freistoß), 2:0 Niko Koukalias (40.), 3:0 Gökhan Aydin (56.), 4:0 Björn Schnitzer (57.), 5:0 Daniele Toch (58.), 6:0 Daniele Toch (64.), 7:0 Sascha Wolfert (80.), 8:0 Sascha Wolfert (90.+1) Gelbe Karten: – / –  Schiedsrichter: Sven Bode – Christian Tauscher, Christoph Wißerner Zuschauer: 593 (Stadion am Schönbusch)

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