Ein Remis zu viel: „nur“ 2:2 gegen Rosenheim

Gäste-Eintritt standardmäßig ein Punkt: Nach großem Kampf hätte man die Oberbayern auch mehr berappen lassen können

Am 34. Spieltag der Regionalliga Bayern waren 303 Zuschauer an den Schönbusch gepilgert, um die Viktoria im Abstiegsderby gegen den TSV 1860 Rosenheim um ihre letzte Chance kämpfen zu sehen. In einer kampfbetonten Regenschlacht konnte die an diesem Abend sehr einsatzfreudige Komljenovic-Elf eine zweimalige Führung der Oberbayern egalisieren, in einer hektischen Schlussphase ging gegen durch eine gelb-rote Karte dezimierte Gäste der Griff nach den eigentlich obligatorischen drei Punkten ins Leere. Man hat es in dieser Saison am Schönbusch zur Gewohnheit werden lassen, ergebnistechnisch zu kleckern, wo situationsbedingt geklotzt hätte werden müssen.

SVA-Jubel nach dem 2:2-Ausgleich durch Kapitän Simon Schmidt

SVA-Jubel nach dem 2:2-Ausgleich durch Kapitän Simon Schmidt

Die Viktoria präsentierte sich gegenüber ihrem letzten Auftritt in Augsburg auf drei Positionen verändert: Muhammed Ali Sahin, Daniel Cheron und Giulio Fiordellisi standen in der Anfangsformation. Es entwickelte sich ohne großes Vorgeplänkel eine intensive Partie, die schon sehr früh zu Zählbarem führte. Nutznießer war zunächst der Gast, als in der 8. Minute Jan Penic nach einer Flanke am höchsten stieg und aus dem Stand platziert einnickte. Die ominöse 8. Minute war noch nicht verstrichen, als der SVA vom Anstoß weg das 1:1 markieren konnte. Salvatore Bari ließ seinen Bewacher stehen und passte flach nach innen, wo Giulio Fiordellisi keine Mühe hatte, aus kurzer Distanz einzuschieben. Die jetzt couragiert auftretenden Hausherren hatten in der Folge einige Halbchancen nach Freistößen, ohne jedoch das Tor der Rosenheimer ernsthaft in Gefahr  zu bringen. Man schrieb die 34. Minute, als Salvatore Bari im Anschluss an den schönsten Viktoria-Spielzug des Tages frei vor TSV-Keeper Robert Mayer auftauchte, der reaktionsschnell mit einer Fußabwehr klären konnte. Mit den Gedanken schon beim Pausentee mussten die Weiß-Blauen in der 45. Minute die erneute Führung des Tabellen-13. schlucken. Die heillose Verwirrung in der Viktoria-Defensive nutzte erneut Jan Penic und ließ Stefan Steigerwald mit einem noch abgefälschten Schuss keine Chance.

Bildergalerie: Viktoria Aschaffenburg – TSV 1860 Rosenheim

Hälfte zwei begann recht verhalten und hatte ihren ersten sehenswerten Höhepunkt in der 55. Minute, als ein ansatzloser Distanzschuss von Viktoria-Kapitän Simon Schmidt neben dem verdutzten Robert Mayer im Netz des Rosenheimer Gehäuses einschlug. Jetzt besannen sich die Komljenovic-Schützlinge auf ihren Wunschzettel, auf dem an diesem Tage drei Punkte standen. Allerdings haperte es mit der Passgenauigkeit gewaltig am heutigen Tag und so luden Fehler in der Vorwärtsbewegung die Rosenheimer immer wieder zu brandgefährlich vorgetragenen Kontern ein, deren zwei in der 69. und 71. Minute von Frederik Schramme in unfassbarer Weise versiebt wurden. Auch in noch anderer Beziehung zeigte sich das Team aus dem Chiemgau an diesem Abend sehr kooperativ. Durch die gelb-rote Karte für Thomas Masberg wegen Reklamierens in der 75. Minute sorgte es für beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schlussoffensive der Weiß-Blauen. Schon zwei Minuten später hätte diese Früchte tragen können, als Markus Brüdigam mit einem Distanzschuss an der Latte scheiterte und Simon Schmidt den Abpraller an den Pfosten köpfte. Obwohl Coach Slobodan Komljenovic mit der Einwechslung von Florian Pieper noch einen dritten Stürmer brachte, kam es gegen die sich jetzt einigelnden Gäste zu keinen koordinierten Angriffsaktionen mehr. In der 4. Minute der Nachspielzeit hätte dieses für die Viktoria alternativlose Vabanque-Spiel den Gästen beinahe noch den Sieg beschert, doch Topscorer Danijel Majdancevic zögerte frei vor Steigerwald zu lange, so dass ihn dieser „lesen“ und den Schuss parieren konnte.

Was die Komljenovic-Schützlinge an diesem Abend kämpferisch auf den Rasen brachten, nötigt größten Respekt ab. Freilich: Spielerisch reifere Mannschaften mit Ruhe und Übersicht brauchen diesen enormen physischen Aufwand nicht zu leisten, aber die stecken auch nicht im Abstiegskampf. Diesen hat die Mannschaft vielleicht zum allerersten Mal so verinnerlicht, dass es für jeden auf den Rängen zu spüren war. Zumindest lassen das die besonnenen, für Aschaffenburger Verhältnisse fast andächtigen Reaktionen nach Spielende vermuten…

 

Trainerstimmen:

Thomas Siegmund (Rosenheim): Wir wollten heute eigentlich Aschaffenburg endgültig distanzieren. Das ist uns leider nicht gelungen. Aber wenn man in der Nachspielzeit zwei gegen eins auf den Torwart zuläuft und den Ball nicht abspielt, stimmt irgendwas nicht. Im Abstiegskampf muss man diese Chancen nutzen. Deshalb haben wir wieder nur einen Punkt geholt. Wir spielen seit Wochen überragend, obwohl wir im Dezember fünf, sechs Stammspieler verloren und dafür Spieler aus der Landesliga eingebaut haben. Leider haben wir uns wieder nicht belohnt.

Slobodan Komljenovic (Aschaffenburg): Wir haben uns wieder mal selbst bestraft und zwei halbe Eigentore fabriziert. Das erste Gegentor resultierte wieder aus einem Einwurf, beim zweiten vertändeln wir den Ball. In der ersten Halbzeit erspielen wir uns gute Chancen, die wir nicht nutzen – eine Krankheit, die uns schon die ganze Saison hindurch begleitet. Wir erzwingen dann den Ausgleich. Dann machen wir auf und hätten uns die Chancen besser herausarbeiten müssen. Am Ende können wir das Spiel noch verlieren. Unterm Strich mal wieder ein Unentschieden, das uns nicht weiterhilft. Wir werden versuchen, in den verbleibenden Spielen so viele Punkte wie möglich zu holen.

 

Viktoria Aschaffenburg – TSV 1860 Rosenheim 2:2 (1:2)

Aschaffenburg: Markus Brüdigam, Soheyl Alipour-Rafi (78. Florian Pieper), Denis Talijan, Dennis Löhr (46. Djordje Vlacic) – Simon Schmidt, Daniel Cheron (53. Mert Sinan Pekesen), Muhammed Ali Sahin, Alban Lekaj – Giulio Fiordellisi, Salvatore Bari

Rosenheim: Robert Mayer – Vincenzo Potenza, Georg Lenz, Christoph Wallner, Moustapha Salifou – Chraly Kunze (64. Frederik Schramme), Linor Shabany, Levent Novy (52. Thomas Masberg), Jan Penic (85. Marinus Weber), Deniz Ömer Sari – Danijel Majdancevic

Tore: 0:1 Jan Penic (8.), 1:1 Giulio Fiordellisi (8.), 1:2 Jan Penic (46.), 2:2 Simon Schmidt (55.)
Gelbe Karten: Djordje Vlacic, Soheyl Alipour-Rafi, Denis Talijan / Frederik Schramme
Besondere Vorkommnisse: Thomas Masberg (75., gelb-rote Karte)
Schiedsrichter: Christian Dietz (Kronach)
Zuschauer:  303

 

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