Viktoria unverdrossen nach Neudrossenfeld

Rippla, Schweinebraten, Wildragout und SVA: Die Oberfranken haben sich zum „Kerwa“-Wochenende viel vorgenommen

23:2 Punkte, seit neun Spieltagen ungeschlagen und noch keine Spur von Erfolgs-Verdrossenheit: so könnte man die Lage bei der Aschaffenburger Viktoria vor dem 12. Spieltag in der Bayernliga Nord zusammenfassen. In einem vorgezogenen Freitagabendspiel (20 Uhr) gastiert das Team von Slobodan Komljenovic beim noch sieglosen Aufsteiger TSV Neudrossenfeld, der sich ungeachtet des Spielausgangs die Kerwa-Laune ganz sicher nicht vermiesen lassen wird.

Kunststück, denn bis sich eine eventuelle Niederlage gegen unsere weiß-blaue Diva bis in alle 48(!) Ortsteile der 4.000-Einwohner-Gemeinde, zwischen Kulmbach und Bayreuth gelegen, herumgesprochen hat, ist die Kerwa schon längst beerdigt…

Andererseits: Um im Vorfeld einen kleinen Schluck Optimismus zu tanken, müssen die Einheimischen nicht einmal auf die regionale Biersortenvielfalt zurückgreifen. Ein klarer Blick auf die nüchterne Statistik zeigt, dass der oberfränkische Underdog ungeachtet seines derzeitigen ernüchternden Tabellenstandes (vorletzter Platz) an der heimischen Sportanlage auf dem Weinberg bislang nur eine Niederlage erlitten hat: am 4. Spieltag mit 0:1 gegen Spitzenreiter Jahn Forchheim. Insgesamt viermal langte es immerhin zu einer Punkteteilung, alles drin vom Prädikat „beachtlich“ (1:1 gegen Bayern Hof) bis hin zu „Offenbarungseid“ (zuletzt 1:1 im „absoluten Kellerderby“ gegen Memmelsdorf). Das Team von Detlef Hugel tat sich zwar des Öfteren schwer, Bayernliga-Format auf den Rasen zu bringen, hatte aber oft in der Nachlässigkeit seiner Gegner einen Verbündeten, weshalb es lediglich in den Auswärtspartien bei den Spitzenteams Großbardorf (1:4) und Weiden (0:4) tendenziell unter die Räder kam.

Slobodan Komljenovic (Trainer)

Slobodan Komljenovic (Trainer)

Viktoria-Coach Slobodan Komljenovic lässt sich von derlei Zahlenspielereien nicht ins Bockshorn jagen: „Wir mussten ja schon in Eltersdorf antreten, von daher haben wir bereits Erfahrung mit den so genannten Kellerkindern. Auch in diese Partie gehen wir hoch konzentriert und wollen mit drei Punkten nach Hause fahren.“ Noch keinen Gedanken lässt der Coach an den Tabellengipfel gegen Jahn Forchheim am kommenden Samstag (20.) zu: „Es zählt immer das nächste Spiel, auf dieses waren unsere ganzen Vorbereitungen unter der Woche ausgerichtet.“

Die Personalsituation präsentiert sich weiterhin entspannt, lediglich zwei „Altfälle“ trüben das Bild: „Zamir Daudi wird nächste Woche am Knöchel operiert, Arwed Kellner steht ein Eingriff an seiner lädierten Hand bevor.“

Man darf also gespannt sein, ob unsere elf weiß-blauen „Kerwaboam“ mit ihrem sportlichen Auftreten den Spagat hinbringen: einerseits althergebrachtes fränkisches Brauchtum nicht nachhaltig zu beschädigen und sich andererseits von den Neudrossenfelder Feierbiestern nicht als willfährige Opfer in der Schnapsbar abfüllen zu lassen.

Schreibe einen Kommentar

*

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *