Hot! Die Viktoria verliert ihren Visagisten

Medienbeauftragter Moritz Hahn stellt zum Jahresende sein Amt zur Verfügung – Interimslösung vereinbart

Manch einem Außenstehenden, der von den Vereins-Interna nicht regelmäßig Kenntnis nimmt, mag er gar nicht bekannt sein, jener Moritz Hahn, seines Zeichens Viktorias Medienbeauftragter, der nicht sich, sondern die Viktoria in das Licht der Öffentlichkeit rückt. Hinter, nicht vor der Linse, lautet sein Motto, denn wer den Verein zur eigenen Präsentationsfläche missbraucht, tut ihm in den allerseltensten Fällen etwas Gutes. Ganz in diesem Sinne zieht Moritz seit der Saison 2010/11 im Hintergrund die Fäden in Sachen Außendarstellung der Viktoria. Im Inneren des Zirkels, wo er in der mittlerweile achten Spielzeit für die lange Zeit fehlenden Strukturen gesorgt hat, ist er freilich bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“.

Moritz Hahn (© Marian Hartmann)

„Die im Dunkeln sieht man nicht“, heißt es in der Dreigroschenoper des alten Brecht. Nur so lässt es sich letztlich erklären, dass erst ein im Rahmen der bevorstehenden Staffelübergabe angefordertes Tätigkeitsprofil detailliert offen legt, mit welchen bis in die kleinsten Verästelungen reichenden Themenfeldern sich Moritz in seiner Funktion als erster Medienbeauftragter neben seinem Fulltime-Job als Bau- und Projektmanager bei einer Frankfurter Firma tagtäglich befasst hat. Das Aufgabenspektrum war freilich nicht von Anfang an so vielfältig, sondern hat sich seit seiner Installation in der Ära Nolte unter dem Präsidium Sedlacek, Yilmaz und Abbruzzese kontinuierlich weiterentwickelt. Mittlerweile umfasst es die Erstellung des Stadionmagazins „Heimspiel“ (bisher ca. 120 Ausgaben), die Homepage sva01.de (Betrieb, Weiterentwicklung und Content) in Zusammenarbeit mit dem langjährigen Partner Digital Branding, das Ressort Social Media (Facebook-Seite mit mehr als 8.000 Fans). Mit Marian Hartmann wurde über mehrere Jahre ein Corporate Design entwickelt, mit dem es gelungen ist, der Viktoria eine greifbare Identität und hohen Wiedererkennungswert zu verleihen. Für die Bereiche Web, Facebook, Stadionmagazin „Heimspiel“, Eintrittskarten, Mitgliedsausweise, Plakate, Flyer, Onlineshop etc. wurde zu eben diesem Zweck ein umfangreiches Design-Paket geschnürt.

Abschied zum idealen Zeitpunkt: selbst auf die „Gefahr“ hin, dass es noch schöner wird…

Gerade diese positive Bestandsaufnahme, die aktuell auch die sportliche Situation mit einschließt (reelle Aufstiegschance), bildet nach Ansicht von Moritz Hahn den idealen Zeitpunkt – sofern es den überhaupt gibt –, den Staffelstab guten Gewissens an einen (noch fiktiven) Nachfolger weiterzureichen, der von mühevollen Aufräumarbeiten unbehelligt im Idealfall die Entwicklung nahtlos vorantreiben kann. Der Verein sei mittlerweile in jeglicher Hinsicht breiter aufgestellt, was fürs tägliche Arbeiten aber gleichzeitig bedeutet, dass wesentlich mehr Handlungsstränge koordiniert werden müssten. Im Endeffekt sind es begrüßenswerte, nach und nach in allen Bereichen des Vereins angestoßene Entwicklungen, die den Schnitt zum jetzigen Zeitpunkt ratsam erscheinen lassen. In internen Gesprächen ist man darin überein gekommen, dass vor dem Hintergrund neu definierter Themenschwerpunkte, Aufgaben und Kapazitätsplanungen bisher eher am Rande wahrgenommene Aspekte wie der dezentrale Wohnort (Wiesbaden), der berufliche Werdegang und die persönliche mittelfristige Lebensplanung in punkto Inkompatibilität schärfer in den Vordergrund treten.

Wolfgang Fleischer (© Marian Hartmann)

Was heißt das im Klartext? Ab dem 22. Dezember werden Moritz Hahn und sein Stellvertreter Wolfgang Fleischer – seit der Saison 2012/13 „federführend“ im Boot – nicht mehr als Medienbeauftragte fungieren und das kräftezehrende Tagesgeschäft der Berichterstattung des Gesamtvereins in andere Hände legen, die noch konkret ausgedeutet werden müssen. Dass die scheidenden Funktionsträger dem Verein in außerordentlicher Weise zugetan sind, ist allein schon daran ersichtlich, dass bezüglich der schwierigen Übergangsphase ein Agreement in Form einer Interimslösung getroffen werden konnte: Bis zur Präsentation eines geeigneten Nachfolgers werden beide in gewohnter Zusammenarbeit kommissarisch bis zum Saisonende das Stadionheft „Heimspiel“ fortführen, des Weiteren die Berichterstattung Aktive in einem allerdings exakt definierten Rahmen. Bewusst nicht enthalten sind mehrere Themen wie Vorbereitungsspiele, Turniere und Neuverpflichtungen etc. Denn in allen ausgeklammerten Betätigungsfeldern (neben Genanntem auch Junioren) soll potenziellen Nachfolgern Gelegenheit gegeben werden, sich erste Sporen zu verdienen.

Von der Ehe zur lockeren Beziehung

Zum Abschluss seiner achtjährigen respektive fünfjährigen Tätigkeit in alleinverantwortlicher Funktion will sich das scheidende Redaktionsteam/Medienduo in der „staden Zeit“ nicht als Lautsprecher betätigen, sondern lediglich leise zu bedenken geben, dass man – selbstredend mit Unterstützung aller – nach eigener Einschätzung nicht alles falsch gemacht hat. Dem Hauptanliegen, „der Viktoria eine Stimme und ein Gesicht geben“, wurde in einer Vielzahl von Themen Rechnung getragen, die in den rund 500 Berichten pro Jahr (keine Kurzmeldungen) ihren Niederschlag fanden. Das im Verbund mit der hochwertigen medialen Aufbereitung hat nachweislich Früchte getragen: Die Viktoria ist zurück in den Herzen der Aschaffenburger, man firmiert mittlerweile nachweislich als Bayernliga-Publikumsmagnet mit ausgewiesener regionaler Prägung. Dem Start in Liga sechs nach gerade überstandener Insolvenz folgte eine „rastlose, intensive und trotzdem gerade deswegen unvergessliche Zeit“ (Moritz). Als Fans, die sie freilich auch schon vorher waren, werden im Übrigen beide der Viktoria erhalten bleiben. Moritz wird sich weiterhin hobbymäßig in den Dienst des Vereins stellen, indem er u.a. wie bisher während der Heimspiele fotografiert. Damit kann er diesbezügliche Bedenken zerstreuen, die Holger Stenger in seinem würdigenden „Nachruf“ geäußert hat: „…und wenn ich an meinem Platz stand und Dich mit dem Fotoapparat gesehen habe und Dein Grinsen im Gesicht, dann habe ich immer gewusst: Wir schaffen das! Keine Ahnung wann und keine Ahnung wie, aber wir schaffen es.“ Also keine Sorge, lieber Holger: Angela Merkel wird auch weiterhin einen festen Platz in Deinem Leben haben…

Moritz Hahn wird weiter für seine Viktoria im Einsatz sein (© Thomas Poppe)

Im „Joch“ des Tagesgeschäfts verflachen auf Dauer Perspektiven und man verliert den spielerischen Zugang zur Sache. Insofern bietet der Rückzug auch die Chance, aus der Distanz heraus mit frischem, unverstelltem Blick innovative Ideen zum Wohle der Viktoria einzubringen. So kann dann auch einem Wunsch entsprochen werden, der in den Worten von Viktoria-Vorstand Manfred Fleckenstein abschließend zum Ausdruck kommt: „Moritz und Wolfgang haben durch ihre Professionalität und kontinuierlich hohe Qualität ihrer Arbeit in den letzten Jahren erheblich dazu beigetragen, dass die Viktoria wieder positiv zu sehen ist. Mit höchster Einsatzbereitschaft, guter Laune und grenzenloser Begeisterung für „Ihren“ SVA haben sie den Verein über lange Zeit mitgeprägt und bereichert. Dafür bedanken wir uns im Namen des Vorstands, aller Trainer und Spieler und im Namen der Mitglieder und Fans. Wir freuen uns, dass Moritz und Wolfgang nach der schrittweisen Übergabe ihrer Aufgaben Teil der Viktoria-Familie bleiben werden und wir sie weiter um Rat fragen können.“

Von der Ehe zur lockeren Beziehung also, auch ein so traditionsbewusster Verein wie die Viktoria muss sich gewissen Zeichen der Zeit beugen. Diese haben sich nun mal geändert, wir schreiben schließlich nicht mehr das Jahr 1901…

Wichtige Weggefährten

Bestimmt nicht, weil bald Weihnachten ist, möchte Moritz Hahn abschließend nicht versäumen, in der Reihenfolge ihres chronologischen Auftretens denjenigen persönlich zu danken, die ihn auf die unterschiedlichste Weise in seiner Arbeit unterstützt und gefördert haben. Und da dies etwas sehr Persönliches ist, soll er an dieser Stelle auch selbst zu Wort kommen: „Im Einzelnen möchte ich danken: Volker Sedlacek, der mich in meine erste offizielle Position geholt hat, Hans Nolte, der das brachliegende Potenzial im Verein als Erster erkannt und mich immer mit Rat und Tat unterstützt hat. Markus Kammann, der den Verein durch eine raue Zeit geführt hat, Peter Löhr, der der Mannschaft den heute sichtbaren regionalen Stempel aufgeprägt hat und vor allem meinem Freund Holger Stenger. Seit Jahren Seite an Seite kämpfend haben wir viel bewegt und eine ganze Menge zum Positiven verkehrt. Außerdem den mir freundschaftlich verbundenen Mitstreitern Manfred Fleckenstein, Stefan Sickenberger und Marion Münz sowie vielen anderen, die hier unerwähnt bleiben, aber für mich nicht minder wichtig gewesen sind. Nicht zuletzt danke ich denen, deren qualitativ hochwertige Mitarbeit es mir ermöglicht hat, Highlights in der Außendarstellung des Vereins zu setzen: Wolfgang Fleischer für die fantasievollen, die Grenzen der schematisch-floskelhaften Sportberichterstattung sprengenden Texte sowie außerhalb des Viktoria-Teams Marian Hartmann, dessen Kreativität, handwerkliches Geschick im Zusammenhang mit dem Thema Corporate Design, verbunden mit Loyalität und Ausdauer, den Grundstein für das neue, strahlende Gesicht der Viktoria legten. Auch das Team von Digital Branding um Christian Wenzel ist an dieser Stelle zu erwähnen. Was unser Team auszeichnete, ist die wichtige, oft zu kurz kommende Fähigkeit, aus Ideen und Fantasie auch greifbare Resultate zu machen. In diesem Sinne denke ich, dass wir allen Grund haben, auf das Erreichte stolz zu sein.“

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