Viktoria will das „Zubrot Pokal“ im Finale üppig garnieren

Das von der Ligabürde befreite Team von Jochen Seitz empfängt Drittligist FC Würzburger Kickers zum Showdown (Samstag, 14.15 Uhr) / Erneut Topkulisse erwartet

Die Linsen sind scharf gestellt. Am Samstag flimmert das BFV-Toto-Pokal-Finale der Viktoria gegen die Würzburger Kickers im Rahmen des „Finaltags der Amateure“ via Livekonferenz in der ARD über den Bildschirm und ganz Fußball-Deutschland darf teilhaben an dem „Wunder“, wie der weiß-blaue Hoffnungsträger Björn Schnitzer den Einzug seiner Viktoria in das Finale des Verbandspokals in einem Interview jüngst bezeichnete. Freilich: Wer seine Pokalhelden liebt – und das sind nach Lage der Dinge nicht wenige – wohnt dem unterfränkischen Stelldichein „in der ersten Reihe“ bei, die in diesem speziellen Fall mit dem Stadion am Schönbusch gleichzusetzen ist.

11 Jahre und damit gefühlt eine halbe Ewigkeit hatte die Viktoria auf eine solche Chance warten müssen. In der Saison 2007/08 traf man als seinerzeit hessischer Oberligist im Finale des HFV-Pokals auf den Liga-Konkurrenten SV Darmstadt 98 und unterlag im Stadion am Böllenfalltor mit 0:2. Vor 27 Jahren, in der Spielzeit 1991/92, konnte sich die Viktoria mittels eines 2:1-Sieges gegen den SC Neukirchen letztmals den Verbandspokal gewinnen und im Jahr darauf im DFB-Pokal antreten, wo man sich nach einem Freilos in der ersten Runde mit 0:6 gegen den VfL Osnabrück sang- und klanglos verabschieden musste.

Trainer Jochen Seitz geht mit großer Vorfreude ins Toto-Pokal-Finale (© Moritz Hahn)

Im Gegensatz zu den Kickers, die sich zuletzt viermal in Serie für den DFB-Pokal qualifizieren konnten, gibt es einiges nachzuholen bei den Weiß-Blauen. Doch auch beim Gegner spricht man vom Pokalfinale als dem „Höhepunkt des Jahres“. Dabei ist festzuhalten, dass die Kickers aus der 3. Liga Zuschauerzahlen aus dem höheren vierstelligen Bereich gewohnt sind, während die Viktoria selbst als Publikumsmagnet (1.212 Zuschauer im Schnitt) der auch für Regionalliga-Verhältnisse vergleichsweise schwach besuchten Regionalliga Bayern von solchen Kategorien für gewöhnlich nur träumen kann. Im Halbfinale gegen 1860 München konnte man dagegen sehen, wie Pokal die Massen mobilisieren kann, wenn man erst einmal zu der Phase durchdringt, in der die attraktiven Gegner warten. Kärrnerarbeit in dem Sinne gibt es im DFB-Pokal nicht, denn die in Frage stehenden Lose sind von der ersten Runde an alle mehr oder weniger attraktiv und garantieren einem Regionalligisten Heimrecht.

Jochen Seitz: „Die Vorfreude ist riesig“

Der große Medienrummel vor dem Finale ist bislang ausgeblieben, wie Viktoria-Coach ganz ohne Bedauern feststellt: „Ein paar Interviewanfragen gab es, denen wir und die betreffenden Spieler natürlich gerne nachkamen. Aber das hielt sich alles noch in Grenzen.“ An der noch während der Saison getätigten Aussage, dass der Pokal ein „Zubrot“ sei, hält der Coach auch jetzt, nach dem Erreichen des Klassenerhalts, fest: „Ein Zubrot bleibt er weiterhin. Die Hauptaufgabe war der Klassenerhalt, den haben wir geschafft. Jetzt haben wir die außergewöhnliche Chance, das Pokalfinale erfolgreich zu gestalten. Darauf liegt nun unser kompletter Fokus. Eine zusätzliche Trainingswoche nehmen dafür alle gerne in Kauf. Die Vorfreude ist riesig und wir wollen gegen Würzburg noch einmal ein tolles Spiel abliefern.“

Dabei räumt Jochen Seitz frank und frei ein, dass man in diesem Jahr im Pokal ein bisschen Glück mit den Auslosungen hatte: „Wir haben ja vorwiegend gegen Bayernligisten gespielt und sind erst im Halbfinale mit dem TSV 1860 München auf einen echten Prüfstein getroffen.“

Freilich bestätigt das nur die Regel: Fortuna und Tagesform spielen im Pokal eine nicht unerhebliche Rolle, während in einer langen, dicht getakteten Saison eher Tugenden wie Zähigkeit und langer Atem die entscheidende Rolle spielen.

Die Underdog-Masche wird diesmal schwerlich ziehen…

Nun lässt sich natürlich vor diesem Finale besonders schön mit der Underdog-Rolle wuchern und dem Gegner die Favoritenbürde zuschanzen. Nur wird der beabsichtigte psychologische Effekt ausbleiben, da niemand einen Gegner im Pokalfinale unterschätzen wird. Das weiß auch Jochen Seitz: „Die Kickers werden mit der besten Aufstellung hier aufkreuzen und wollen die Chance, sich neuerlich über den Pokal in den Blickpunkt zu stellen, keinesfalls verstreichen lassen. Beide Mannschaften wissen, worum es geht. Natürlich ist Würzburg haushoher Favorit und steht entsprechend unter Druck. Ziel der Kickers wird es sein, möglichst schnell ein Tor zu erzielen, während wir das Spiel so lange wie möglich offen halten wollen.“ Die Viktoria habe von allen Pokalfinalisten das schwerste Los, da die Kickers als Tabellenfünfter der Dritten Liga die Hürde der Direktqualifikation nur ganz knapp gerissen haben. „Andernfalls hätten wir unabhängig vom Ausgang des Finales einen Startplatz im DFB-Pokal sicher gehabt“, gibt Jochen Seitz zu bedenken.

Für eine Sensation muss alles stimmen

Was dem Coach im Hinblick auf den kommenden Samstag Zuversicht gibt, ist zunächst einmal, dass sein Team sich gegen starke Gegner in der Regel gut aus der Affäre zieht. Der Kickers-Serie von zuletzt fünf Siegen in der Liga kann die Viktoria ihrerseits entgegenhalten, im Saisonendspurt sechsmal in Folge unbesiegt geblieben zu sein. Wenn man, wie zuletzt, defensiv aus dem Spiel heraus wenig zulasse und offensiv seine wenigen Chancen konsequent nutze, dann könne man durchaus für eine Sensation sorgen. Dass das beschriebene Szenario auf einen neuerlichen „Sahnetag“ seiner Mannschaft hinausläuft, ist Jochen Seitz dabei durchaus bewusst. Wieder in die Rolle des Realisten schlüpfend, fügt er hinzu, dass er grundsätzlich jeden Spielausgang akzeptiere, vorausgesetzt „der Rasen brennt und die Mannschaft lässt über die gesamten 90 + x Minuten alles auf dem Platz.“

Es handelt sich nicht zuletzt um ein Spiel, das nach eigenem Bekunden auch einen Höhepunkt in der vergleichsweise noch jungen Trainerkarriere von Jochen Seitz markiert: „Es ist natürlich nicht alltäglich, als Trainer so ein Pokalfinale zu erleben. Viele Trainer beneiden einen darum. Aber ich spreche da nicht nur für mich, sondern für jeden, der daran beteiligt ist. Mein gesamter Staff (Mitarbeiter) genießt die momentane Aufmerksamkeit und Wertschätzung.“

Umso wichtiger ist es daher, aus dieser beneidenswerten Situation Kapital zu schlagen, indem man am Samstag auf dem Platz den richtigen Waschgang wählt. Im Falle der Rothosen ist das die 90-Grad-Kochwäsche. Wenn sie eingehen, spendieren wir aus der Pokalprämie einen neuen Satz Trikots…

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