Neues vom „König der Löwen“: Viktoria wirft Schweinfurt aus dem Pokal

Verdienter 2:1-Erfolg gegen den Tabellenführer / Im Willy-Sachs-Stadion hat er noch geübt, am Schönbusch köpfte Luca Dähn die Viktoria ins Halbfinale des BFV-Toto-Pokals

Drei Siegen in der Liga ließ die Viktoria kurzerhand den erneuten Einzug ins Halbfinale des BFV-Toto-Pokals folgen lassen. Vor der stattlichen Kulisse von 1.957 Besuchern (davon etwa 350 Fans aus Schweinfurt) ließen die Weiß-Blauen den Tabellenführer der Regionalliga Bayern offensiv kaum zur Entfaltung kommen und konnten mittels einer imponierenden Mannschaftsleistung und Treffern von Jonas Fritsch sowie Luca Dähn einen zweifelsfrei verdienten 2:1-Sieg feiern. Und noch eine positive Erkenntnis konnte gewonnen werden: Der Doppelbelastung Liga/Pokal vermag man momentan aufgrund der Breite des Kaders vergleichsweise mühelos standzuhalten.

Viktoria Aschaffenburg steht nach einem 2:1-Sieg gegen den 1. FC Schweinfurt 05 im Toto-Pokal-Halbfinale (© Moritz Hahn)

Die eine oder andere Veränderung in der Startaufstellung sei durchaus möglich, hatte Coach Jochen Seitz im Vorfeld der Partie angekündigt und er sollte Wort halten. Von Beginn an aufgeboten waren in der Offensive Michél Harrer und Daniel Meßner, Jonas Fritsch kam auf der rechten Seite zum Einsatz und Roberto Desch im Mittelfeld. Dafür erhielten an diesem Tag eine Verschnaufpause Egson Gashi, Pasqual Verkamp, Clay Verkaj und der noch angeschlagene Daniel Cheron. Ähnlich verfuhr auch Gäste-Coach Timo Wenzel, der im Hinblick auf das wichtige Liga-Heimspiel gegen die Club-Reserve am Sonntag einige Stammspieler zu Beginn auf der Bank ließ.

Sturmtank Michél Harrer wurde gegen die Schnüdel von Beginn an aufgeboten (© Moritz Hahn)

Rekonvaleszenten Fritsch und Desch überzeugen

Auf das Spiel hatte das allerdings keinen nachteiligen Einfluss. Die Viktoria war sofort im Spiel, das von Beginn an Erwartungen an einen echten Pokalknüller gerecht wurde. Luca Dähn unterband in der fünften Spielminute mit einem gekonnten Tackling eine gute Chance der Gäste. Roberto Desch, der im Übrigen eine beeindruckende Vorstellung bot, hatte die ersten beiden Viktoria-Chancen des Spiels auf dem Fuß, als er den Raum, den ihm die Schweinfurter Defensive bot, zu zwei gefährlichen Distanzschüssen nutzte. Sein 20-Meter-Schuss aus der 21. Minute streifte die Latte des Schweinfurter Tores.

Jonas Fritsch, der Torschütze zur 1:0-Führung, war auf der rechten Seite über die ganze Spielzeit nicht in den Griff zu bekommen (© Moritz Hahn)

Lange Einwürfe in Tornähe sind eine Spezialität von Hamza Boutakhrit, zu denen Jochen Seitz lautstark Kopfballspezialist Luca Dähn nach vorne beorderte. Das sollte sich bei der zweiten Gelegenheit bezahlt machen. Nutznießer der nach Kopfballverlängerung von Michél Harrer entstehenden Verwirrung im Schweinfurter Strafraum war der völlig blank stehende Jonas Fritsch, dessen Kopfball aus der Nahdistanz zur verdienten Führung vom Innenpfosten ins Tor sprang.

Fritsch schienen die Schnüdel ohnehin nicht so auf der Rechnung zu haben, denn er war bei Gegenstößen der Viktoria auf der rechten Seite immer anspielbar und nutzte seine Freiräume weidlich. Seine flache Hereingabe führte in der 28. Minute zu einer Topchance für Meßner, der aber das Leder am langen Pfosten nicht unter Kontrolle brachte. Zwei Minuten später legte er ab auf Schnitzer, dessen Flachschuss am rechten Pfosten vorbeistrich. Bei einem weiteren Gegenangriff „übersah“ Schnitzer den wiederum sehr gut postierten Fritsch und lief sich in der Mitte fest. Kurz vor dem Pausenpfiff musste Kevin Birk noch einmal eingreifen, doch konnte er einen scharfen Schuss aus spitzem Winkel mühelos parieren. Der 1:0-Pausenstand ging völlig in Ordnung. Jochen Seitz geriet in der Pressekonferenz regelrecht ins Schwärmen und sprach von den ersten 45 Minuten als der besten Halbzeit die er im bisherigen Saisonverlauf gesehen habe. Hervorzuheben bei den Weiß-Blauen war eine bis in die Fußspitzen konzentrierte Defensivarbeit sowie – bei eigenem Ballverlust – ein schon im Mittelfeld praktiziertes aggressives Gegenpressing, das wiederum das Umschaltspiel der Grün-Weißen empfindlich störte.

Jabiri kam, sah und wurde zurückgepfiffen

Beide Mannschaften kamen mit unveränderter Besetzung aufs Feld. Den ersten Akzent setzten die Grün-Weißen, als Maderer in der 49. Minute frei vor Kevin Birk an diesem scheiterte. Die Viktoria ließ das allerdings nicht unbeantwortet, und hatte ihrerseits Gelegenheiten durch Roberto Desch, Daniel Meßner und einen knapp am Tor vorbeistreichenden Schnitzer-Freistoß. In der 58. Minute hatte Gäste-Coach Timo Wenzel dann genug gesehen und brachte mit der Einwechslung von Amar Suljic, Adam Jabiri und Tim Danhof seine schweren Geschütze in Stellung. Und das schien prompt zu fruchten: Mit seinem ersten Ballkontakt netzte Goalgetter Adam Jabiri in einer unübersichtlichen Strafraumsituation zum vermeintlichen Ausgleich ein (59.). „Vermeintlich“, weil Schiedsrichter Steffen Brütting dem Treffer wegen einer Abseitsstellung die Anerkennung versagte. Das Team sowie der Schweinfurter Anhang nahmen es zu diesem Zeitpunkt vergleichsweise gelassen, denn noch war eine halbe Stunde Zeit, das Ergebnis zu korrigieren. Weniger „amused“ war FC-Coach Timo Wenzel dann allerdings hernach im Pressezelt und sprach von einem „lupenreinen“ Tor. Die Gäste forcierten nun natürlich den Druck, die Viktoria ließ sich aber nicht einschnüren und blieb vor allem durch Standards gefährlich.

Kapitän Simon Schmidt und seine Kollegen in der Defensivabteilung hatten einen starken Tag erwischt und ließen die Schnüdel nicht zur Entfaltung kommen (© Moritz Hahn)

Offener Schlagabtausch mit besserem Ende für den SVA

Mit der Einwechslung des schnellen Beinenz (69.) zog man auf weiß-blauer Seite noch einmal einen Trumpf in Sachen Konterspiel. Zunächst aber stand Keeper Kevin Birk im Mittelpunkt des Geschehens. In der 75. Minute musste er gegen den alleine vor ihm auftauchenden Danhof Kopf und Kragen riskieren. Philipp Beinenz hätte wenig später für die Entscheidung zugunsten der Viktoria sorgen können, doch konnte er, nachdem er schön nach innen gezogen war, die Kugel in drei Anläufen nicht über die Linie bringen. Zunächst scheiterte er zweimal an Keeper Zwick, im dritten Versuch schob er das Leder am Pfosten vorbei. In der 81. Minute schnupperten die Schnüdel letztmals am Ausgleich, als bei einem wuchtigen Kopfball im Anschluss an eine Ecke Silas Zehnder für die Viktoria auf der Linie klären musste. Das erlösende 2:0 für die Viktoria besorgte Luca Dähn im Anschluss an eine von Schnitzer und dem zwischenzeitlich eingewechselten Verkaj ausgeführte kurze Ecke. Wieder einmal hatte er die Lufthoheit im Schweinfurter Strafraum und vollendete die Hereingabe von Clay Verkaj mit einem platzierten Kopfball ins linke Eck.

Die beiden Kontrahenten – hier versucht Hamza Boutakhrit seinen Gegenspieler zu stoppen – lieferten den fast 2.000 Zuschauern einen packenden Pokal-Fight (© Moritz Hahn)

Viel „Drama“ in der Nachspielzeit

Das dürfte es gewesen sein, dachten wohl alle und auch die Schweinfurter Fans rollten schon ihre Transparente zusammen. Schiedsrichter Brütting fand indes, dass da noch etwas kommen müsse. Darüber, dass er die Nachspielzeit auf nicht leicht nachvollziehbare üppige fünf Minuten festlegte, konnte man beim Spielstand von 2:0 ja großzügig hinwegsehen. Nur leider war dieser schon nach zwei Minuten Geschichte, als der Referee ein Handspiel im Viktoria-Strafraum mit Elfmeter – Jochen Seitz: „unberechtigt“ – ahndete, den Pius Krätschmer ohne Mühe zum 1:2 verwandelte. Schweinfurt nun im blinden Eifer, Versäumtes nachzuholen, sogar den Keeper hielt es nicht mehr hinten. Die Zeit dehnte sich nun wie Kaugummi, den der Schiedsrichter genüsslich bearbeitete (vielleicht kam es einem aber auch nur so vor…). Schließlich kam er doch, der Abpfiff von Schiedsrichter Brütting, und mit ihm die Gewissheit, dass das Team von Jochen Seitz im April kommenden Jahres an seiner Pokal-Story weiterschreiben kann. Potentielle Gegner für das Halbfinale sind Drittligist FC Würzburger Kickers, der Sieger aus der noch nicht gespielten Begegnung zwischen dem TSV 1860 München und der SpVgg. Unterhaching (beide ebenfalls 3. Liga) sowie der Regionalligist FC Memmingen. Wir nehmen alles gerne, nur auswärts im Allgäu anzutreten wäre weniger schön…

Seine Pforten kann das Stadion am Schönbusch im Prinzip offen lassen, denn bereits am Sonntag (14 Uhr) bestreitet die Viktoria dort ihr nächstes Spiel, wenn der derzeitige Tabellenvierte TSV Buchbach zum – aufgemerkt! – „Verfolgertreffen der Liga“ aufkreuzt. Aufgrund des aktuellen Höhenflugs sind auf einmal völlig neue Vokabeln im Sprachgebrauch. Laut aussprechen darf man die aber nicht, denn Coach Jochen Seitz, der immer dafür plädiert, auf dem Boden zu bleiben, würde diese sofort als „Unwort des Jahres“ brandmarken…

Viertelfinale BFV-Toto-Pokal 2019/20, Donnerstag, 3. Oktober 2019, um 14:00 Uhr in Aschaffenburg (Stadion am Schönbusch // Kleine Schönbuschallee, 63741 Aschaffenburg)

Viktoria Aschaffenburg – 1. FC Schweinfurt 05 2:1 (1:0)

Aschaffenburg: Kevin Birk – Silas Zehnder, Luca Dähn, Simon Schmidt, Hamza Boutakhrit – Benjamin Baier, Roberto Desch, Daniel Meßner (69. Daniel Meßner), Björn Schnitzer (88. Zaki Ech-Chad), Jonas Fritsch – Michél Harrer (76. Clay Verkaj) (Trainer: Jochen Seitz) Im Kader: Peter Neuberger (TW), Egson Gashi, Tom Schulz, Lucas Oppermann Schweinfurt: Luis Zwick – Gianluca Lo Scrudato, Marco Fritscher, Mohamad Awata (58. Amar Suljic), Florian Pieper (58. Adam Jabiri), Stefan Kleinheisemann, Sascha Korb, Benedict Laverty, Pius Krätschmer, Christian Köppel, Stefan Maderer (58. Tim Danhof) (Trainer: Timo Wenzel) Tore: 1:0 Jonas Fritsch (25., Michél Harrer), 2:0 Luca Dähn (86., Clay Verkaj), 2:1 Pius Krätschmer (90.+1, FE) Gelbe Karten: Kevin Birk (89.) / Sascha Korb (30.), Pius Krätschmer (70.) Schiedsrichter: Steffen Brütting – Martin Speckner, Christoph Stühler Zuschauer: 1.957 (Stadion am Schönbusch)

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