Hot! Seligenporten auf oberbayerisch: Viktoria zu Gast in Pipinsried

Der Fußballclub aus dem 556-Seelen-Pfarrdorf stellt sich seit vergangener Saison der knallharten Regionalliga-Konkurrenz / Jochen Seitz: „Unser Punktekonto ist alles andere als ein Ruhekissen“

Mit dem FC Ingolstadt 04 II hat am vergangenen Samstag eine der traditionell schlecht einzuschätzenden Profireserven durch einen 2:1-Auswärtserfolg am Schönbusch den Lauf des Teams von Jochen Seitz gebremst. Einen Dämpfer erhielten gleichzeitig allzu euphorische Erwartungen, etwa dass die Weiß-Blauen in ihrer ersten Regionalliga-Saison nach dem Aufstieg sogar mit höheren Tabellenregionen kokettieren könnten. Realist Jochen Seitz, der von Anfang an als einzig realistisches Saisonziel den Klassenerhalt genannt hatte, darf sich in seiner Einschätzung hingegen bestätigt sehen. Eine Einschätzung freilich, welche nicht nur Entlastung, sondern manchmal auch Verpflichtung ist, denn wer die Klasse halten will, der „darf“ beim zu Hause noch sieglosen Tabellenvorletzten FC Pipinsried (Freitag, 17.45 Uhr) getrost punkten.

Viktoria Aschaffenburg reist am Freitag erstmals in der Vereinsgeschichte nach Pipinsried (© Mario Wiedel)

Bei gründlicher Recherche des bayerische Exotik verströmenden Ortsnamens Pipinsried verrät das Internet:Bekannt ist der Ort durch den örtlichen Fußballclub FC Pipinsried, der sich 2017 den Aufstieg in die viertklassige Regionalliga Bayern sicherte, sowie die Pipinsrieder Musikanten.“ Letztere sind unter Garantie kernig, aber da wir noch nicht das Vergnügen hatten, müssen wir an dieser Stelle mit dem ortsansässigen Fußballclub vorlieb nehmen. Dieser ist seit Jahrzehnten der erfolgreichste Fußballverein des Landkreises Dachau, und das, obwohl Pipinsried mit seinen knapp 600 Einwohnern gerade einmal ein Prozent der Einwohnerzahl der Großen Kreisstadt Dachau aufzuweisen hat. Wichtige Etappen in der Historie des 1967 gegründeten Vereins waren der erstmalige Aufstieg in die Landesliga im Jahre 1989, der erstmalige Aufstieg in die Bayernliga unter Spielertrainer Anton Strobl (heute Ingolstadt II) in 2013 sowie zu guter Letzt in der Saison 2015/16 der Aufstieg in die Regionalliga Bayern, als man sich in der Relegation gegen Greuther Fürth II durchsetzen konnte. Bereits zuvor hatte man zwei diesbezügliche Anläufe unternommen (2013/14 und 2014/15), war jedoch jeweils in der Relegation gescheitert. In der Regionalliga Bayern debütierte der FCP, der nach Aussage seines damals erst 24-jährigen Spielertrainers Fabian Hürzeler wegen der Bedingungen auf dem Trainingsgelände nur zweimal in der Woche trainieren konnte, mit einem fast schon sensationellen 14. Platz in der Abschlusstabelle und erreichte mit fünf Punkten „Luft“ souverän das Saisonziel Klassenerhalt. In der Statistik fällt freilich ein frappantes Detail auf: Während das Hürzeler-Team in der heimischen NAT-Arena (Fassungsvermögen 2.500 Besucher) über die ganze Saison gesehen gerade einmal kümmerliche drei Heimsiege holte (heimschwächstes Team hinter Schlusslicht Unterföhring), trumpfte es in der Fremde mit acht Siegen regelrecht auf.

Wie gehabt: Auch in der laufenden Saison wartet Pipinsried nach zehn Spieltagen noch auf den ersten Heimsieg. Nicht einmal im Schlüsselspiel gegen Schlusslicht Bayreuth, mit dem man sich zuvor das zweifelhafte Vergnügen eines katastrophalen Saisonstarts geteilt hatte – FCP fünf Niederlagen in Folge, die Oldschdod gar deren sechs – kamen die Oberbayern auf eigenem Platz nicht über ein 2:2 hinaus. Ihren bisher einzigen Saisonsieg verbuchten die Blau-Gelben bisher beim SV Schalding-Heining, wo Fabian Hürzeler und mit Kasim Rabihic ein kurzfristig zurückgekehrter Schlüsselspieler zum dortigen 2:1-Auswärtsieg trafen. Von der gefürchteten Auswärtsstärke der letzten Saison ist man freilich weit entfernt. Noch ein Vergleich zum Vorjahr: Nach zehn absolvierten Partien standen die Oberbayern damals zwar auf Relegationsplatz 14, hatten aber bereits elf Punkte auf dem Konto. Woraus folgt: Im Pfarrdorf Pipinsried wird man sich steigern müssen, um auch in dieser Saison zum Abschluss das Regionalliga-Hallelujah singen zu dürfen.

BFV-Toto-Pokal: Im Viertelfinale darf`s ein Heimspiel sein

In der letzten Mitgliederversammlung durfte in der positiven sportlichen Bilanz ein Aspekt nicht fehlen: Die Viktoria jagt dieses Jahr nicht nur in der Regionalliga recht erfolgreich dem runden Leder nach, sondern hat mit dem BFV-Toto-Pokal noch ein weiteres heißes Eisen im Feuer. Und da darf man spätestens ab dem Viertelfinale schon mal nach einem Wunschgegner fragen. Viktoria-Coach Jochen Seitz hat diesbezüglich klare Vorstellungen: „Vor allem wünsche ich mir ein Heimspiel, im Prinzip ist mir dann egal, gegen wen wir spielen. Ich denke da in erster Linie an unsere Fans, die es verdient haben, im Pokal mal wieder ein Heimspiel gegen einen guten Gegner geboten zu bekommen. Vom anderen Ende her gedacht: Das schlimmste Los wäre für mich, wenn wir auswärts bei einem anderen Regionalligisten antreten müssten. Alles andere nehmen wir gerne.“ Beharrliches Nachfragen lässt ihn dann noch etwas konkreter werden: „Ausdrücklich begrüßen würde ich attraktive Herausforderungen wie 1860 oder Unterhaching, die am Schönbusch mal wieder für das gewisse Pokal-Feeling sorgen.“

Jochen Seitz: „Pipinsried unter Druck“

Der kommende Liga-Gegner FC Pipinsried gilt in hiesigen Breiten als gänzlich unbekannt, de facto ist man sich sportlich noch nie über den Weg gelaufen. Aber man sollte nicht von sich auf andere schließen, wie uns unser kontaktfreudiger Trainer nachdrücklich belehrt: „Für Euch ist das vielleicht eine unbekannte Größe, für uns nicht, weil wir uns jetzt intensiv darauf vorbereiten. Was wir wissen ist, dass Pipinsried am Anfang eine Schwächephase hatte, größtenteils wohl deshalb, weil sie ein, zwei Abgänge hatten, die sich gravierender ausgewirkt haben als gedacht. Eben diese beiden Spieler haben sie nach dem verpatzten Start wieder zurückgeholt. Da ist zum einen Kasim Rabihic, der eigentlich höherklassig spielen wollte, aber keinen Verein fand und zum anderen Luis Grassow, der ursprünglich zum SSV Ulm gewechselt war, dort aber nicht zurechtkam. Mittlerweile sprechen wir also von der Mannschaft vom letzten Jahr, die sich zwischenzeitlich wieder gefangen hat und vier Spiele hintereinander nicht verlor, ehe sie in der Vorwoche in Garching einen Rückschlag erleiden musste. Die stehen jetzt gegen einen Aufsteiger zu Hause natürlich unter Druck. Für viele Mannschaften ist da ein Sieg Pflicht, so auch für Pipinsried. Wir müssen dagegenhalten, um zu punkten.“

Auf dem „Weg des geringsten Widerstands“ zum Klassenerhalt

Zumal es sich, wie Jochen Seitz betont, um eine gerade im Hinblick auf den angestrebten Klassenerhalt immens wichtige Partie gegen einen direkten Mitkonkurrenten handele, der alle Kriterien des viel zitierten „Gegners auf Augenhöhe“ erfülle. „Uns trennen nur wenige Punkte vom Tabellenkeller. Die Mannschaft weiß um die Situation Bescheid und wird dementsprechend motiviert ins Spiel gehen“, gibt sich der Trainer zuversichtlich, dass jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat. Denn eines sei auch klar: In diesen Spielen die nötigen Punkte zum Klassenerhalt zu holen sei ein leichterer Weg als mit Unbekannten – die Überraschungscoups bei den Großen der Liga nun mal sind – zu kalkulieren.

Kapitän Simon Schmidt wird der Pipinsrieder Uraufführung wegen einer Sprunggelenksverletzung definitiv nicht beiwohnen können. Weiter muss auf den langzeitverletzten Regisseur Björn Schnitzer verzichtet werden. „Björn unternimmt derzeit die ersten Schritte Richtung Mannschaftstraining. Sein Fitness-Zustand ist aber derzeit noch nicht so, dass man ihn bringen könnte. Sofern es die Trainingseindrücke zulassen, kann ich ihn mir in der nächsten Woche zunächst einmal als Alternative auf der Bank vorstellen“, wagt der Coach eine vorsichtige Prognose.

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