Hot! Viktorias Pokal-Märchen jäh beendet

Losglück war der Viktoria aus Aschaffenburg im BFV-Toto-Pokal nun wirklich nicht beschieden. Mittlerweile zum 5. Mal in Folge hatte man auswärts anzutreten. Während es sich bei den vier bislang aus dem Feld geschlagenen Gegnern (einschließlich Eltersdorf) durchweg um lösbare Aufgaben handelte, hatte man im Viertelfinalspiel am heutigen Gründonnerstag seine Visitenkarte beim Ligakonkurrenten TSV 1860 Rosenheim abzugeben, dem nicht nur des Heimvorteils, sondern auch der Tabellenkonstellation in der RL Bayern wegen klar die Favoritenrolle zugewiesen werden konnte.

Werner Dreßel hatte einer Startformation sein Vertrauen gegeben, die in dieser Konstellation noch nie in einem Pflichtspiel auf dem Rasen stand. Neben den Rückkehrern Matthias Fries und Marcello Fiorentini  standen Dennis Löhr und Florian Haith im Startaufgebot. Zwischen den Pfosten stand erstmals nach der Winterpause wieder Ricardo Döbert. Das Rosenheimer Jahnstadion wartete mit einem extrem tiefen und aufgeweichten Boden auf, der dieses Match schon im Vorfeld auf ein reines Kampfspiel reduzierte. Desungeachtet kam die Viktoria sehr gut ins Spiel und hatte in der ersten Viertelstunde drei hochkarätige Einschussmöglichkeiten. Zunächst tankte sich Giulio Fiordellisi auf der rechten Außenbahn durch und flankte nach innen auf Matthias Fries, der zwei Meter vor dem Tor das Unaussprechliche fertigbrachte… Kurz darauf wurde ein Schuss von Marcello Fiorentini in höchster Not zur Ecke geklärt und bei einem Schuss von Kaesler im Anschluss an eine Ecke verhinderte eine Glanzparade des Rosenheimer Torhüters das überfällige Führungstor. Dieserart in der Defensive vom Glück begünstigt fühlten sich die Gastgeber ermuntert, Fortuna auch in der Offensive in Anspruch zu nehmen. So geschehen in der 17. Minute: Tohuwabohu im Viktoria-Strafraum, plötzlich lag die Kugel im Netz. Nach offizieller Lesart ein Eigentor, da das Schienbein von Marcello Fiorentini zuletzt am Ball war. Beide Mannschaften neutralisierten sich fortan  im Mittelfeld, ohne zu nennenswerten Torchancen zu kommen. Zu einem extrem ungünstigen Zeitpunkt, eine Minute vor dem Halbzeitpfiff, schraubten die Hausherren dann genauso unvermittelt wie beim Führungstor das Ergebnis auf 2:0. Ausgangspunkt war der Rosenheimer Michael Kokocinski, dessen weite Flanke Markus Einsiedler mit dem Kopf zu Dominik Haas verlängerte, der aus acht Metern eiskalt vollstreckte. Zumindest an Effizienz war der Auftritt der Rosenheimer in dieser ersten Hälfte nicht zu überbieten.

Werner Dreßel bot nach der Pause mit dem wieder genesenen Peter Sprung für Michael Ulbricht einen weiteren Stürmer auf, hinter dem Giulio Fiordellisi als zweite hängende Spitze stürmen sollte. Marcello Fiorentini wechselte auf seine angestammte Position ins Mittelfeld. Auf dem mittlerweile komplett durchgepflügten Acker nahm die Viktoria den kräftezehrenden Kampf darum auf, eventuell doch noch einen Fuß in die Tür ins Halbfinale und damit zu den in den nächsten Runden wartenden „Fleischtöpfen“ zu bekommen. Allein der enorme Energieverschleiß machte sich jetzt bemerkbar, was der Zielstrebigkeit und Konzentration nicht förderlich war. Und so entwickelte sich – wie schon in Phasen der 1. Halbzeit – ein verteiltes, kampfbetontes Spiel ohne die großen Torraumszenen, wobei die Uhr unerbittlich für die Rosenheimer herunterlief.

Der Traum vom DFB-Pokal ist damit leider ausgeträumt, und wir dürfen weiterhin in den Erinnerungen von 1987 schwelgen. Für das Dreßel-Team gilt es dagegen den Blick in die nahe Zukunft zu richten, wenn es am Samstag (15 Uhr) im nicht minder schweren Re-Match um Ligapunkte geht. Diesem Vergleich hat Werner Dreßel absolute Priorität eingeräumt, verständlicherweise, denn bei lediglich noch fünf Heimspielen bei noch 13 ausstehenden Partien ist das Abstiegsgespenst noch längst nicht gebannt. So darf man den Jungs eine schnelle physische, vor allem aber mentale Regeneration wünschen. Gerne darf die Elf von Werner Dreßel dann so „zurückkommen“ wie 1954 in einer vergleichbaren Situation die Herberger-Elf gegen Ungarn.

Ob am Samstag wie geplant gespielt werden kann, entscheidet sich nach aktuellem Stand am Karfreitag, wenn um 9 Uhr eine Platzbegehung zeigen soll, ob der Platz ein erneutes Säbelkreuzen vertragen kann.

 

TSV 1860 Rosenheim – Viktoria Aschaffenburg 2:0 (2:0)

Rosenheim: Mayer – Lenz, Martin, Herberth, Pflügler – Einsiedler, Haas, Schramme, Birner, Kokocinski – Majdancevik

Aschaffenburg: Doebert – Brüdigam, Haith, Kaesler, Hörst – Fries, Ulbricht (46. Sprung), Löhr, Koukalias (66.  Bachmann) – Fiordellisi (66. Sternheimer), Fiorentini

Tore: 1:0 Fiorentini (ET, 17.), 2:0 Haas (44.)

Schiedsrichter: Johannes Huber (Bogen)

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