Hot! Viktorias Talent-Schmiede Teil 2 – Bernd Gramminger

Der Trainer unserer U17 dürfte älteren Schönbuschbesuchern noch aus seiner Zeit als aktiver Spieler beim SVA bekannt sein. Bernd Gramminger, von den Aschaffenburger Fans damals ob seines athletischen Körperbaus respektvoll „Rambo“ genannt – der gleichnamige Blockbuster mit Sylvester Stallone war damals noch in aller Munde -, hatte Ende der 80er Jahre für drei Jahre nicht nur physische Dominanz auf den Schönbusch-Rasen gebracht, sondern eine gelungene Kombination aus Kraft und Technik. Er war vielseitig und konnte sowohl in der Abwehr als auch aufgrund seiner offensiven Qualitäten im Mittelfeld eingesetzt werden. Wie aus dem damaligen SVA-Zweitligaspieler der U17-Trainer von heute wurde, verrät uns der „Talent-Schmied“ selbst.

Bernd, kannst Du für Unkundige die große biographische Lücke zwischen Deinem Weggang vom SVA 1990 und deiner derzeitigen Tätigkeit als Trainer des U-17-Juniorenteams 2012 schließen?

Nach meinem Weggang von der Viktoria 1990 habe ich noch ein Jahr in der Oberliga Hessen gespielt und nebenbei sehr erfolgreich die erste Mannschaft vom SV Stockstadt trainiert. Danach wechselte ich zu den Kickers aus Offenbach und unterschieb im Jahre 2000 noch einmal einen Dreijahresvertrag für die 2. Bundesliga. Aus Verletzungsgründen wurde ich 2000/2001 berufsunfähig und musste den Leistungssport an den Nagel hängen. Nach meiner aktiven Zeit bei Kickers Offenbach habe ich 2003 noch einmal bei der Viktoria ausgeholfen, sowohl als Spieler als auch im Trainerstab der ersten Mannschaft. Es waren damals sehr unruhige Zeiten bei der Viktoria, in sportlicher wie auch in finanzieller Hinsicht.

Nach einigem Abstand vom Fußball packte mich 2008 wieder das Fußballfieber, als der damalige sportliche Koordinator des Norddeutschen  Fußball -Verbands, Udo Hagen, mich dafür begeistern konnte, aktiv beim Aufbau eines Jugendleistungszentrums in Aschaffenburg mitzuwirken. Aufgrund  meiner Erfahrung im Profibereich und meiner Weiterbildungen durch den DFB zur Fußball A-Lizenz besaß ich alle Voraussetzungen für ein erfolgreiches Arbeiten mit der Jugend.

Du verkörpertest damals einen Spielertypus, wie er heutzutage kaum noch anzutreffen ist. Die Konstitution der Spieler gründet heute mehr auf Schnelligkeit denn auf Kraft. Gehen Deine Beobachtungen auch in diese Richtung?

Kraft und Schnelligkeit waren schon immer die Voraussetzung für ein erfolgreiches Fußballspiel, was sich geändert hat, ist die Ausgewogenheit der individuellen Technik der einzelnen Spieler bzw. Mannschaftsteile gepaart mit den verschiedenen Spielsystemen. Das Spiel ist dadurch noch schneller geworden, und der einzelne Spieler kann in den verschiedenen Spielsystemen noch universeller in das Spiel eingreifen und es gestalten, mehr als das früher der Fall war. Übrigens war ich zu meiner Zeit einer der schnelleren Spieler, langsam waren früher Bubu Knecht, Peter Löhr oder Kalli Schmitt (lacht).

Was kaum einer weiß: Du warst neben Deinen fußballerischen Aktivitäten auch ein guter Boxer. Bist Du eigentlich der Meinung, dass die Ausübung einer zweiten Sportart mit ganz anderen Bewegungsabläufen und Anforderungsprofil sich auch produktiv auf Dein Fußballspiel ausgewirkt hat? Würdest Du dies Deinen jungen Spielern auch empfehlen?

Für einen jungen Spieler ist es wichtig, viele verschiedene Bewegungsabläufe zu trainieren, bevor er sich auf eine Sportart festlegt. Das Boxtraining ist nur eines von vielen Trainingsprogrammen, das durch seine unterschiedlichen Bewegungsabläufe den gesamten Körper trainiert. Koordinierte Bewegungsabläufe bis in die kleinsten Muskelmembrane werden heute zusätzlich im Fußball trainiert, um den Sportler noch weiter nach vorne zu bringen.

Als Trainer der U17, die Du zu Beginn der Saison von Florian Christ übernahmst, betreust Du derzeit einen Kader von 19 Feldspielern und zwei Torleuten der Jahrgänge 96 bis 97.  Nach dem letztjährigen Abstieg aus der Bayernliga spielt man nun in der Landesliga. Ist der direkte Wiederaufstieg ein Thema?

Mit dem Aufstieg ist es so eine Sache. Es ist für uns als Jugendleistungszentrum immer schwer, einen Aufstieg in den älteren Jahrgängen anzustreben, da wir die Ausbildung der jungen Spieler in den Vordergrund stellen müssen und Zulieferer der großen Proficlubs wie z.B. 1.FC Nürnberg, Greuther Fürth oder TSG Hoffenheim sind. Viele gute Spieler verlassen uns daher frühzeitig nach der C-Jugend oder müssen von uns verstärkt für Regional-Förder oder die Bayernauswahl freigestellt werden und stehen uns daher nur bedingt zur Verfügung. Deshalb war der Aufstieg in die Bayernliga vor zwei Jahren mit meiner U17-Mannschaft ein richtiger Kraftakt, der meinen Spielern alles abverlangte. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei den Spielern wie auch bei dem Verein noch einmal für die gute Zusammenarbeit in dieser Zeit bedanken.

Zum Schluss eine nicht ganz ernst gemeinte Frage: Vom „Rambo“ zum „Kindergarten-Cop“. Siehst Du da Parallelen zu Deiner eigenen Vita?

Wer eigene Kinder hat, der weiß, wie sich ein Kindergarten-Cop manchmal fühlt, das verspüre ich nur bei meinem eigenen Sohn Noel, in punkto Aufräumen, Mitnehmen u. Vergesslichkeit. Bezüglich meiner Tätigkeit als Juniorentrainer kann ich dazu nur sagen, dass alle Spieler, die durch meine Hände gehen, nicht nur eine gute sportliche Ausbildung erhalten, sondern auch eine richtungweisende mentale Schulung bzw. Erziehung genießen, um sich später im Sport erfolgreich durchzusetzen.

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