Von den Motten und der „Roten Laterne“

Mit kräftigen Schwimmstößen hat der SVA bereits im dienstäglichen Nachholspiel gegen den SV Seligenporten mit dem 14. Platz das rettende Ufer erreicht und befindet sich momentan bildlich in der Position des Schwimmers, der wassertriefend den Fluten entsteigt. Nur eine Momentaufnahme freilich, denn um zum Saisonende das begehrte „Seepferdchen“ (Klassenerhalt) zu bekommen, ist ein Aufenthalt bis zum 38. Spieltag in dem kühlen Nass „Regionalliga“ Pflicht.

Dem nächsten Gegner VfL Frohnlach, der am Samstag, 20 April, um 14 Uhr im Stadion am Schönbusch aufkreuzt, sollte in punkto Gefährlichkeit ein gewisser „Schlingpflanzencharakter“ tunlichst nicht abgesprochen werden. Ähnlich wie der Hausherr ist auch der VfL Frohnlach mit einer ambitionierten sportlichen Zielsetzung in das Abenteuer Regionalliga Bayern gestartet. In einem nach dem 2. Spieltag mit dem sportlichen Leiter des VfL, Michael Werner, geführten Interview fielen in der Spannbreite zwischen Wunschdenken und realistischer Zielsetzung Stichworte wie „sich als bester bayerischer Amateurverein positionieren“ und „Platz im gesicherten Mittelfeld, mit dem Abstieg nichts zu tun haben“ – alles Verlautbarungen, die so oder ähnlich in der Frühphase der Saison auch aus dem Munde der weiß-blauen Diva zu vernehmen waren. Als gestandener Bayernligist seit der Saison 2004/2005, wenn auch mit durchwachsener Bilanz, konnte man nach der Qualifikation für die neu gegründete Regionalliga mit Stolz darauf verweisen, nunmehr höchstklassiger fußballerischer Repräsentant der Region Coburger Land zu sein. Bevor es so weit war, galt es etliche Steine aus dem Weg zu räumen. So warnten viele vor dem finanziellen Abenteuer, auch die Jugendarbeit erfüllte bis dato nicht die Vorgaben einer Regionalliga-Lizenz. Erst durch Zusammenschlüsse mit Nachbarvereinen konnte die erforderliche Gründung einer A- und einer B-Jugend unter dem Namen VfL Frohnlach vollzogen werden. Mit dem kürzlich verstorbenen Hauptsponsor Willi Schillig, Namensgeber des Frohnlacher Stadions, war das Schicksal des Vereins aufs engste verknüpft. Obwohl auch dessen Sohn weiter mitmischt, bemühen sich die Verantwortlichen in neuerer Zeit, den Sponsoren-Pool breiter aufzustellen. Der von Michael Werner kalkulierte Zuschauerschnitt von 700 Zuschauern wurde mit aktuell 581 etwas unterschritten, was sicherlich auch auf die sportliche Talfahrt zurückzuführen sein dürfte. Erschwerend kommt hinzu, dass mit Friesen, Burgkunstadt (beide Landesliga Nordost) und Bamberg (Regionalliga Bayern) in der näheren Umgebung einige höherklassige Mannschaften zeitgleich spielen, so dass sich der effektive Einzugsbereich des VfL auf einen Radius von lediglich 30 Kilometern erstreckt. Eine Lösung wäre eine Fusion mit dem benachbarten FC Coburg (Bezirksliga Oberfranken West), Sitz eines Nachwuchsleistungszentrums, die allerdings bislang nur andiskutiert, aber wegen fehlender Ressourcen nicht ernsthaft in Erwägung gezogen wurde.

Der VfL Frohnlach, der am Samstag seine Visitenkarte am Schönbusch abgibt, hat sich zumindest in sportlicher Hinsicht auf dem harten Boden der Realität wiedergefunden. Seit nunmehr dem 23. Spieltag (24. November 2012) ist man im Besitz eines äußerst fragwürdigen Anhängsels, landläufig „Rote Laterne“ genannt. Auch sonst hat man nach durchaus respektablem Saisonstart – am 4. Spieltag befand man sich einmal kurzfristig auf Rang 4! – eine Reihe Negativrekorde in der Spielstatistik zu verzeichnen, die u.a. solche Kriterien wie „Sieglose Spiele“ akribisch aufzeichnet.

Allerdings ist die Frohnlacher Rote Laterne von einer ganz besonderen Beschaffenheit. Zu ihrer Illumination verzichten die Braungarth-Schützlinge gänzlich auf den ganzen neumodischen Schnickschnack wie zum Beispiel LED und vertrauen auf das gute alte Petroleum, auf dass sich die vom Schein der Flamme magisch angezogenen Regionalliga-Motten auch schön die Flügel verbrennen können. Erleben durften diesen Absturz mit Totalschaden  in jüngster Zeit der FC Ismaning (2:1) und zuletzt der TSV 1860 Rosenheim (3:1). Die SpVgg Greuther Fürth kam beim 0:0 so gerade eben noch mit angesengten Flügeln davon. Angesichts der jugendlichen Unbeschwertheit unserer weiß-blauen Sympathieträger ist man daher versucht, ihnen mit wohlmeinender Altersweisheit und nur in etwas anderen Worten das zuzurufen, was man einem Kind sagt, wenn es seine zarten Fingerchen nach der verführerisch-rotglühenden Herdplatte ausstreckt: „Achtung, Rote Laterne, heissss…“

Schreibe einen Kommentar

*

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *