Sich wacker schlagen ist gut, Wacker schlagen ist besser…

Im einzigen Heimspiel des Monats werden gegen die nach wie vor gut beleumundete Burghausener Truppe dringend Punkte benötigt / Jochen Seitz: Durststrecke beenden

Die bekanntlich mit einer 1:3-Niederlage in Fürth ins neue Jahr gestartete Viktoria empfängt am Samstag (9. März, 14 Uhr) den Tabellensechsten SV Wacker Burghausen, der am vergangenen Wochenende gleichfalls gepatzt hat (0:2-Heimniederlage gegen Garching). Für den nach fulminantem Start im Sinkflug befindlichen Gast aus Oberbayern war die Pleite freilich besser zu verschmerzen als für den SVA, den infolge der Niederlage nur noch zwei Punkte von der akuten Abstiegszone trennen. Daher wären die Weiß-Blauen gut beraten, nach sechs sieglosen Spielen gegen das Team von der Salzach endlich mal wieder dreifach zu punkten.

Das Jahresende 2016 markierte beim SV Wacker Burghausen eine Zeitenwende. Damals wurde in einer Pressemitteilung in knappen und markanten Sätzen die Reamateurisierung des traditionsreichen Clubs verkündet. „Die Revolution im Burghausener Fußballsport ist perfekt. Der SV Wacker Burghausen wird ab der Saison 2017/18 nicht mehr unter Profibedingungen arbeiten. Der ehemalige Zweitligist wird dann als reiner Amateurverein versuchen, in der Regionalliga zu überleben. Ein Aufstieg in die 3. Liga ist damit ad acta gelegt. Statt auf teure Fremdspieler soll wieder vermehrt auf eigenen Nachwuchs gesetzt werden.“

Endlich wieder einen Sieg bejubeln möchte die Viktoria zuhause gegen den SV Wacker Burghausen. Eine Rückkehr ins Team ist indes für Pasqual Verkamp möglich. (© Moritz Hahn)

Nach dem Abstieg aus der 3. Liga in der Saison 2013/14 absolviert der nach der Jahrtausendwende lange im Profifußball (2. Bundesliga und 3. Liga) beheimatete SV Wacker Burghausen mittlerweile seine fünfte Regionalliga-Saison, aber nur einmal, in der Spielzeit 2015/16, stand eine eventuelle Rückkehr in den Profibereich im Raum, als man mit Coach Uwe Wolf – „Feierabendfußball trage ich nicht mit“ – nur einen Punkt hinter dem Meister und späteren Aufsteiger Jahn Regensburg auf Platz zwei einlief. Sonst belegte man in der Regel zum Saisonende Plätze im Niemandsland der Tabelle. In der laufenden Saison legte der SV Wacker mit fünf Siegen in Serie einen Traumstart hin und schien sich zum Bayern-Konkurrenten Nummer eins zu mausern. Die Bayern sind mittlerweile 18 Punkte weg, woran man ersehen mag, dass der anfängliche Höhenflug längst Geschichte ist. Gleichwohl hat der erst seit Saisonbeginn beim Werksclub tätige Coach Wolfgang Schellenberg am bisherigen Saisonverlauf nichts auszusetzen, wie er in einem Interview in der Winterpause verriet: „Insgesamt kann man positiv auf die letzten Monate zurückblicken. Durch den guten Saisonstart konnten wir uns mit Saisonbeginn im oberen Drittel der Tabelle bewegen und dies bis zuletzt aufrechterhalten.“ In der Tat befindet sich der SVW trotz nur einem Sieg aus den letzten neun Spielen immer noch auf Rang sechs, wurde aber zwischenzeitlich vom dicht gestaffelten Mittelfeld absorbiert. Bei aktuell 35 Punkten nach 23 Spieltagen heißt es erst mal auf Nummer Sicher gehen und letzte theoretische Zweifel am Klassenerhalt beseitigen, wie Schellenberg unverblümt zu Protokoll gibt: „Kurzfristiges Ziel wird es sein, zunächst die 43-Punkte-Marke zu erreichen. Danach werden wir sehen, wie sich das Tabellenfeld darstellt und inwieweit weitere Ziele formuliert werden können.“

Jochen Seitz: „Ruhe und Lockerheit bewahren“

„Zum jetzigen Saisonzeitpunkt ist jedes Spiel wichtig. Wir haben noch 11 Spiele, aus denen wir Minimum 13 Punkte holen wollen. Wir haben jetzt ein paar Spiele nicht gewonnen. Es gilt den Turnaround zu schaffen, je eher desto besser. Erzwingen lässt sich aber nichts im Fußball, man muss eine gewisse Ruhe und Lockerheit bewahren. Wenn wir zudem akribische Arbeit leisten, wird der Erfolg zurückkommen“, will sich Coach Jochen Seitz vom Blick auf die aktuelle Tabelle nicht kopfscheu machen lassen und plädiert weiterhin für die Step-by-step-Methode.

Nicht nur wegen des 2:1-Auswärtscoups in der Hinrunde beurteilt er die Erfolgsaussichten für den Samstag verhalten optimistisch: „Ich glaube generell, dass solche Gegner wie Wacker uns mehr liegen als U23-Mannschaften. Wir wollen gegen dieses Spitzenteam das Spiel möglichst lange offen gestalten, um dann zum Ende hin Punkte mitnehmen zu können. Aus dem Hinspiel wissen wir, dass wir Burghausen ärgern können. Das müssen wir am Samstag entsprechend auf den Platz bringen.“

Trotz „Reamateurisierung“: Chemieclub immer noch mit Risiken und Nebenwirkungen

Keinen Sand lässt sich Jochen Seitz davon in die Augen streuen, dass man das Team von der Salzach monetär auf Diät gesetzt hat: „Reamateurisierung ist immer relativ zu sehen. Als sich abzeichnete, dass man den Sprung nach oben nicht schaffen würde, wurde der Etat etwas zurückgefahren. Trotzdem ist Burghausen auf einzelnen Positionen nach wie vor sehr gut besetzt und hat Spieler im Team, die schon Zweite und Dritte Liga gespielt haben. Wacker ist immer noch als Regionalliga-Spitzenmannschaft zu sehen, auch wenn es momentan für ganz oben nicht reicht.“

Sorgen bereitet dem Coach momentan die Offensivabteilung: „Natürlich ist es wichtig, vorne Alternativen zu haben. Unsere zwei nominellen Sturmspitzen Oppermann und Harrer stehen momentan nicht bzw. nur eingeschränkt (Harrer) zur Verfügung. In Fürth waren wir daher gezwungen, flexibel zu agieren und haben Björn Schnitzer ins Zentrum gestellt, was natürlich keine Ideallösung ist. Wir müssen daher sehen, dass alle Akteure schnellstmöglich wieder fit werden.“ Zumindest im Fall von Pasqual Verkamp bahnt sich eine Rückkehr ins Team an: „Pasqual hat die Woche über mittrainiert, wenn die nächsten ein, zwei Tage nichts passiert, wird er am Samstag wieder dabei sein.“

Eine klare Ansage gibt es zum Schluss dann auch noch, verbunden mit einem Appell: „Natürlich gehen wir in das Heimspiel und wollen dieses gewinnen. Es wäre jetzt auch an der Zeit, die lange Durststrecke beginnt an den Spielern zu nagen. Wir zählen diesbezüglich auf Eure Mithilfe. Gerade in einer schwierigen Phase, wenn es mal nicht so gut läuft, ist Unterstützung von außen unverzichtbar.“

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