Wieder einmal Beinbruch auf der kleinen Schanze

Die Viktoria unterliegt in einer „Standard-Schlacht“ der schon gewohnt unfallträchtigen Ingolstädter Reserve mit 1:2 / Bei Dähns spätem Anschlusstreffer war das „Quäntchen Glück“ schon gegangen

1.301 Zuschauer waren ins Stadion am Schönbusch gekommen und hofften natürlich auf einen Fortbestand der kleinen Erfolgsserie, die die Weiß-Blauen bis auf den achten Tabellenplatz getragen hatte. In einem Spiel, dem vorrangig Standardsituationen und hier im Besonderen Freistöße den Stempel aufdrückten, geriet der SVA erneut durch einen individuellen Fehler früh ins Hintertreffen. Die pfeilschnellen Ingolstädter verdienten sich die Führung in der Folge redlich und erhöhten kurz nach Wiederanpfiff gar auf 2:0, ehe Luca Dähn in der turbulenten Schlussphase auf 1:2 verkürzen konnte. Ohne das Quäntchen Glück blieb das freilich nur Kosmetik.

Viktoria Aschaffenburg und die Ingolstädter Reserve lieferten sich vor 1.301 Zuschauern ein intensives Duell (© Moritz Hahn)

Dass die Schanzer lauffreudig sein würden, darauf hatte Jochen Seitz im Vorfeld der Partie hingewiesen. So war es denn auch: Hinten liefen sie jeden angespielten Viktoria-Spieler sofort mit zwei Mann an, bei blitzschnellen Gegenangriffen hatten sie spielstarke Spieler, die nahezu alle Bälle festmachen konnten. Davon war in der 2. Spielminute allerdings noch nichts zu sehen, als Ricardo Döbert das erste Mal hinter sich greifen musste. Zuvor hatte Aschaffenburgs Keeper bei einem eigentlich harmlosen Aufsetzer von Senger eine unglückliche Figur gemacht und den Ball nach vorne prallen lassen, direkt vor die Füße von Weiß, der keine Mühe hatte zu vollstrecken. Die Viktoria biss sich anschließend in die Partie hinein, spielerisch gefälliger und spritziger agierten aber die Gäste. Die dickste Chance der Weiß-Blauen aus der ersten Hälfte entsprang nicht von ungefähr einer Standardsituation: Michél Harrer, der ein starkes Spiel zeigte und unter anderem mit einigen schönen Ablagen glänzte, setzte in der 23. Minute einen Freistoß aus 16 Metern an den rechten Innenpfosten. Das temporeiche Angriffsspiel der Schanzer hatte in dem von der Viktoria-Defensive nie komplett in den Griff zu bekommenden Amar Suljic ihren herausragenden Akteur. Aber auch das Team von Anton Strobl musste für seine besten Gelegenheiten Freistöße in Anspruch nehmen: In der 32. Minute zeigte Döbert bei einem Freistoß aus 20 Metern abermals eine Unsicherheit, der Nachschuss ging knapp am Pfosten vorbei. In der Nachspielzeit schließlich konnte ein scharf aufs kurze Eck gezogener direkter Freistoß von Senger so eben noch vom Aschaffenburger Keeper geklärt werden. Die 1:0-Führung der Gäste zur Halbzeit war ohne Zweifel verdient.

Jochen Seitz taktische Maßnahmen und die Pausenansprache zeigten Wirkung (© Moritz Hahn)

Pausen-Appell beherzigt, aber „Punktlandung“ verpasst

Die Hausherren kamen, ermutigt von der Pausenansprache von Jochen Seitz, der seine Spieler noch einmal an die zuletzt gezeigten Nehmerqualitäten erinnerte, mit dem Vorsatz zurück, das Spiel noch zu drehen. Luca Dähn hatte denn auch die erste Gelegenheit für die Weiß-Blauen, scheiterte aber an FCI-Keeper Bachmeier. Mit einem gefühlvollen Freistoß aus 18 Metern, den er über die Mauer hinweg ins rechte Eck hob, sorgte Suljic in der 49. Minute für die aus Gästesicht beruhigende 2:0-Führung.

Dem platziert geschossenen Freistoß zur 2:0-Führung der Gäste ging eine hitzig diskutierte Entscheidung des Unparteiischen voraus (© Moritz Hahn)

Aber die Seitz-Elf gab nicht auf und ließ sich auch nicht davon entmutigen, dass Schiedsrichter Ostheimer in zwei umstrittenen Situationen gegen Verkamp (52.) und Verkaj (62.) nicht den vehement geforderten Elfmeter zuerkannte. Mit zunehmender Spieldauer versiegten die Offensivaktionen der Gäste fast gänzlich, ehe man in den letzten 20 Minuten – wie FCI-Coach Strobl später offen eingestand – unter dem Dauerdruck der Viktoria auch die spielerische Linie verlor. Klar strukturiert waren die nunmehr unter Zeitdruck abgespulten Angriffsaktionen der Weiß-Blauen zwar nicht, aber auch der der Gästeabwehr mit der Brechstange aufoktroyierte „Schwimmkurs“ war nicht ohne und zeitigte noch Chancen durch Dähn, Kizilyar und Cheron (Lattenkopfball). Als Dähn nach Hereingabe von Verkaj und Verlängerung von Harrer dann in der 90. Spielminute doch noch zum jetzt überfälligen 1:2 traf, kam angesichts von vier Minuten Nachspielzeit noch einmal Hoffnung auf. Aber das launische Last-minute-Glück zeigte der Mannschaft von Jochen Seitz an diesem Nachmittag die kalte Schulter.

Luca Dähn konnte in der 90. Minute auf 1:2 verkürzen. Doch wie in dieser Szene konnte Philipp Bachmeier klären (© Moritz Hahn)

Fazit: Nicht ganz unverdient entführten die Schanzer drei Punkte vom Schönbusch. Klar, mit einem Quäntchen Glück hätte es auch nur einer sein können. Aber das Quäntchen Glück ist halt keine Konstante…

Elfmeter oder kein Elfmeter? Diese Frage wurde am Samstag zweimal zu Gunsten des FCI mit kein Elfmeter beantwortet (© Moritz Hahn)

Pressekonferenz zur Partie Viktoria vs. Ingolstadt

10. Spieltag, 8. September 2018, um 14:00 Uhr in Aschaffenburg (Stadion am Schönbusch // Kleine Schönbuschallee, 63741 Aschaffenburg)

Viktoria Aschaffenburg – FC Ingolstadt 04 II 1:2 (0:1)

Aschaffenburg: Ricardo Döbert – Hamza Boutakhrit, Luca Dähn, Simon Schmidt (46. Daniel Cheron), Ugurtan Kizilyar – Kevin Wittke (61. Max Grünewald), Roberto Desch (76. Lucas Oppermann), Philipp Beinenz, Clay Verkaj – Pasqual Verkamp, Michél Harrer (Trainer: Jochen Seitz) Ingolstadt: Philipp Bachmeier – Alexander Langen (80. Joseph Königsdorfer), Lukas Gerlspeck, Paul Grauschopf, Jonatan Kotzke, Amar Suljic, Thomas Keller, Marcus Pöllner, Serhat Imsak (67. Thomas Kurz), Gabriel Weiß (75. Maximilian Ahammer), Michael Senger (Trainer: Tobias Strobl) Tore: 0:1 Gabriel Weiß (2.), Amar Suljic (49., direkter Freistoß), 1:2 Luca Dähn (90., Michél Harrer) Gelbe Karten: Ugurtan Kizilyar (10.), Hamza Boutakhrit (55.), Clay Verkaj (90.+4) / Lukas Gerlspeck (40.), Jonatan Kotzke (64.), Amar Suljic (90.+5) Schiedsrichter: Lothar Ostheimer – Andreas Dinger, Moritz Fischer Zuschauer: 1.301 (Stadion am Schönbusch)

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