Hot! „Wir spielen ja keinen desolaten Fußball“

Im Gegensatz zum SVA läuft  SV Heimstetten bislang seiner Vorjahresform hinterher

Eines kann man dem Team von Slobodan Komljenovic beim besten Willen nicht nachsagen: dass sein bescheidenes sportliches Abschneiden jetzt so überraschend gekommen wäre, dass Umfeld und Fans aus allen Wolken fallen müssten. Der in der Vorsaison nur knapp realisierte Klassenerhalt und vor allem die nach einem großen personellen Aderlass aus dem Boden gestampfte Mannschaft ließen bei objektiver Betrachtung von vornherein keine Wunderdinge erwarten.

Viktoria Aschaffenburg empfängt den SV Heimstetten am Schönbusch

Etwas anders verhält es sich da schon bei den Kickern aus dem Münchner Landkreis. Diese festigten in der Vorsaison mit einem fünften Tabellenplatz in der Abschlusstabelle die sportliche Hegemonie der bayerischen Landeshauptstadt in der RL Bayern, indem sie sich hinter den 60ern und den kleinen Bayern als dritte Münchner Kraft etablierten und zugleich als zweitbester bayerischer Amateurverein ans Licht der Öffentlichkeit traten. Aufgrund dieser Vorgaben herrscht angesichts des Absturzes in die Tabellenniederungen in dieser Saison (derzeit Platz 17) in Heimstetten allenthalben Ratlosigkeit. Natürlich hat man mit Andreas Neumeyer seinen Topscorer der letzten Saison (23 Tore) zum Lokalrivalen 1860 München II ziehen lassen müssen. Darin die alleinige Ursache zu sehen, führte indes zu weit. Immerhin war man rege auf dem Transfermarkt tätig und verpflichtete mit Florian Rudy (SpVgg Unterhaching), Sebastian Kneißl (1. FC Schweinfurt 05) und – nicht zu vergessen – unserem Mittelfeld-Rossini Marcello Fiorentini gestandene Spielerpersönlichkeiten, die eigentlich für dicke Luft in gegnerischen Strafräumen sorgen sollten. Viel Aufwand, vergleichsweise wenig Ertrag, so könnte man die die teambildenden Maßnahmen der Münchner Vorstädter bisher zusammenfassen.

Einen Glücksgriff schienen sie indes getan zu haben, als sie Ende August mit Thomas Karg vom Regionalliga-Absteiger VfL Frohnlach einen weiteren Angreifer unter Vertrag nahmen. Karg ging seiner Profession gleich mit barocker Üppigkeit nach und erzielte in vier Partien ebenso viele Tore für den SVH, davon allein drei beim spektakulären 3:3 in Ingolstadt. Nach dem lupenreinen Hattrick des Ex-Frohnlachers sollte es an diesem Tag noch knüppeldick kommen: Karg zog sich in der 50. Minute einen Muskelfaserriss zu und fällt für mindestens drei Wochen aus. Sein Team verspielte in der verbleibenden Zeit eine 3:0-Führung und gab den sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand. Schon hier trat offen zu Tage, was Heimstettens Kapitän Christoph Schmitt im Anschluss an die 0:4-Klatsche im Heimspiel gegen den TSV Buchbach am vergangenen Wochenende mit schonungsloser Offenheit aussprach: „Dummheit und Naivität im Defensivverhalten“ bescheinigte er seinem Team, das sich an diesem Tag vier Tore aus Standardsituationen einfing, obwohl es die Partie zuvor über 60 Minuten klar dominiert hatte. SVH-Präsident Ewald Matejka, der Spekulationen um eine Ablösung von Rainer Elfinger entschieden entgegentrat, prägte, um Erklärungen ringend, den Satz, wonach das Team „ja keinen desolaten Fußball spielt“. Das klingt eher nach einer Selbstbeschwörung als nach einer Ermunterung, denn mit einer Negativaussage lässt sich schlecht positive Stimmung erzeugen. Vielmehr nimmt sie das Team in die Pflicht und drückt unverhohlen die Erwartungshaltung aus, dass man schnellstmöglich Ergebnisse abliefert, die ein solches (Verlegenheits-)Statement überflüssig machen. Mag gut sein, dass Matejka dabei schon an das Gastspiel bei der Viktoria gedacht hat, die ja in der Vergangenheit schon des Öfteren für Kellerkinder beim Sprung ins untere Mittelfeld als Steigbügelhalter fungiert hat. Mit einer Diva allerdings hat diese noble, berechenbare Zuvorkommenheit beim Punkteausteilen nichts, aber auch gar nichts zu tun. Wird Zeit, dass man auf weiß-blauer Seite mal wieder seinen allmählich verblassenden Ruf auffrischt und einem Gast gehörig über den Mund fährt, bevor man ihm genüsslich die eiskalte Schulter zeigt. Und Marcello Fiorentini? Hoffen wir, dass sein Stern nicht ausgerechnet über dem Schönbusch aufgeht. Hier vertrauen wir ganz auf die italienische Loyalität, auf die wir uns in der Vergangenheit wohlweislich immer verlassen konnten.

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