Hot! Wirft Julio Alvarez den Rettungsanker?

Regionalliga Bayern 2012/13 – Nachholspiel des 28. Spieltags am 8. Mai 2013

Aus der kargen Mitgift von 12 zu erzielenden Punkten einen Klassenerhalt zu zaubern, stellt eine knifflige Aufgabe dar, um die der neue Last-minute-Coach des SVA, Julio Alvarez, mit Sicherheit nicht zu beneiden ist. Zweifellos ist es zu spät, der Mannschaft in der Kürze der verbleibenden Zeit eine eigene Handschrift zu geben, wohl oder übel muss im Saison-Schlussspurt der Dynamik der Ereignisse freier Lauf gelassen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass in Anbetracht der vielen Unbekannten in der Gleichung die Anzahl der Punkte, die zwecks Minimalziel Relegationsplatz noch eingefahren werden müssen, keinerlei Konkretisierung erfahren kann, vielmehr kann die vage Ansage nur lauten: so viele Punkte wie irgend möglich.

Julio Alvarez, Jahrgang 1959, stand ehemals als Aktiver in den Jahren 1979 bis 1982 in Diensten des FSV Frankfurt in der damaligen 2. Bundesliga Süd, in der folgenden Saison wechselte er an den Schönbusch zur seinerzeit in der Hessenliga antretenden Viktoria. Auch nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn kreuzten sich die Wege von Alvarez und des SVA, in der Form, dass er in den Jahren 2005 bis 2008 verschiedene Juniorenmannschaften der Viktoria coachte. Zwischenzeitlich hatte sich Julio Alvarez im Rhein-Main-Gebiet schon einen Namen als erfolgsorientierter Trainer gemacht, mit Stationen beim FC Hanau 93, TuS Frammersbach und der Viktoria Kahl. Der 53-Jährige, nach eigener Aussage per Blitztransfer an den Schönbusch geholt, hatte schon beim vergangenen Auswärtsspiel gegen die Bayern-Reserve hospitiert und danach eine Kampfansage im Hinblick auf die kommenden vier Endspiele folgen lassen: „Man spielt nicht alle Tage gegen Bayern München.“ Inwieweit der nächste Gegner Memmingen (Mittwoch, 8.4, 19 Uhr, Memminger Arena), den Julio Alvarez ankündigte, noch studieren zu müssen, eher in das Raster der Weiß-Blauen passt, sei dahingestellt. Sicherlich ist das psychologische Moment mitentscheidend, das Memmingen im Vergleich mit der Scholl-Truppe als den leichteren Gegner klassifizieren dürfte. Auf der anderen Seite steht das nicht zu fälschende Zahlenmaterial der Regionalliga-Statistik. Dieses besagt unwiderlegbar, dass sich die Allgäuer derzeit mit 52 Punkten auf Rang acht der Regionalliga-Tabelle befinden, nach den Reserven der beiden Münchner Vereine und des Clubs die viertbeste Rückrundenmannschaft stellen, gegen die Scholl-Truppe zu Hause remisierten und auswärts jüngst sogar gewannen etc. etc. Wenn bei dem aktuellen Leistungsstand überhaupt etwas für die Viktoria den Ausschlag geben könnte, dann der kurze Nachsatz des Spielberichts über die knappe 0:1-Niederlage des Kahric-Teams vom vergangenen Wochenende bei den Münchner Löwen: „Bei den Memmingern merkte man, dass die Luft draußen war.“ Dabei wäre es schon aus Fernduell-Perspektive wirklich notwendig, im Allgäu zu punkten, denn am nächsten Spieltag gastiert an gleicher Stelle mit den Eltersdorfern ein direkter Konkurrent, der im Abstiegskampf – Illertissen kann es bezeugen – neuerdings für Überraschungen gut ist und Tendenz nach oben zeigt. Sich alleine auf das Schicksalsspiel in Ismaning  und das Heimspiel gegen das auswärts starke Greuther Fürth (nach den jüngsten Heimauftritten auch kein Selbstläufer) gedanklich zu kaprizieren, könnte sich als verhängnisvoll erweisen angesichts einer Tabellenkonstellation, in der noch für jeden alles drin ist. Man kann nur hoffen, dass Rettungssanitäter Julio Alvarez in seinem Köfferchen einen Defibrillator mitführt,  damit er die sich momentan als absolute Flatline präsentierende „Formkurve“ des weiß-blauen Patienten wieder zum Schwingen bringt.

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