Mit viel Herzblut und Temperament dirigiert Viktoria-Coach Jochen Seitz die weiß-blaue Kapelle / Fazit nach 131 Pflichtspielen: Wenig Dissonanz, viel gediegener Wohlklang

Sein Wiedereintritt in die Viktoria-Atmosphäre ist exakt datierbar: Am Samstag, dem 10. September 2016, gab Jochen Seitz sein Trainerdebüt beim SVA, das mit einem klotzigen 8:0-Auswärtserfolg in Frohnlach wohl als gelungen bezeichnet werden darf. Die Vorgeschichte war folgende: Nach dem zweiten Abstieg aus der Regionalliga Bayern in der Vorsaison wollte die Viktoria mit jungen Spielern seinerzeit in der Bayernliga einen Neustart unternehmen, trennte sich aber bereits nach acht Spieltagen von Coach Jürgen Baier.

Jochen Seitz galt in Sachen Nachfolge als Wunschkandidat, was gleich mehrere Gründe hatte. Zum einen spielte der gebürtige Erlenbacher schon in der Jugend bei der Viktoria und startete von Aschaffenburg aus seine Profikarriere. Zum anderen hatte er sich seit 2011 beim Nachbarn Bayern Alzenau die ersten Trainersporen verdient und dabei auch schon Regionalliga-Erfahrung in der Südweststaffel gesammelt. Was vor dem Hintergrund der damals am Schönbusch ausgegebenen Zielsetzung „Arbeiten mit jungen Spielern“ sicher auch von Bedeutung gewesen sein dürfte: Jochen Seitz hatte während seiner Zeit am Prischoß auch die A-Jugend der Bayern gecoacht, die äußerst knapp am Aufstieg in die Bundesliga scheiterte. Aus diesem eingeschworenen Kollektiv folgten Seitz mit Dennis Kallina, Philipp Beinenz, Max Grünewald, Luca Dähn und zuletzt Elias Niesigk nicht weniger als fünf Akteure an den Schönbusch. „Die Jungs sind erfolgshungrig, kommen alle aus der Umgebung und passen in das Schema, auf der Basis der begrenzten finanziellen Möglichkeiten die Besten aus der Region zusammenzuführen. Ich war davon überzeugt, dass die Jungs Regionalliga spielen können und dass sie das Potenzial haben, sich dort auch durchzusetzen. Zuguterletzt haben sie auch charakterlich gut zusammengepasst, sie hatten schon in der A-Jugend einen super Zusammenhalt“, begründet Jochen Seitz sein damaliges Faible für die Nachwuchsschmiede des unterfränkischen Nachbarn.


Mit Lokalkolorit und einem überzeugenden Konzept gepunktet

Nach häufigen Trainerwechseln waren die Verantwortlichen am Schönbusch in der Spielzeit 2016/17 auf der Suche nach einer Lösung, die Kontinuität garantierte. Das bestätigt auch Jochen Seitz: „Ich habe mich damals in den Vertragsverhandlungen komplett überraschen lassen. Die Vorstandschaft wollte wieder eine gewisse Kontinuität hereinbringen und anscheinend hatte ich sie in den Gesprächen so überzeugt, dass mir gleich ein Dreijahresvertrag angeboten wurde. Man muss natürlich dazusagen: Wir wollten etwas aufbauen und ich habe ein schlüssiges Konzept vorgelegt. Dass es nun fünf Jahre geworden sind, ist umso schöner, aber das geht natürlich nur, wenn man sportlichen Erfolg hat und bodenständig bleibt.“


10. September 2016: Trainer Jochen Seitz gibt beim 8:0-Auswärtssieg in Frohnlach sein Debut bei Viktoria Aschaffenburg (© Moritz Hahn)

Der Erstvertrag wurde aus Gründen der Planungssicherheit frühzeitig – will heißen ein Jahr vor dem Ablauf – um ein weiteres Jahr verlängert. Um dem erhöhten Arbeitsaufwand in der Regionalliga Rechnung zu tragen, wurde dieser Folgevertrag etwas abgeändert. Jochen gab seinen Vollzeitjob als Finanzberater auf und übt seither das Traineramt hauptberuflich aus. Nachdem sich das Unternehmen Regionalliga gut angelassen hatte, wurde der Vertrag mit Jochen abermals um ein Jahr bis Juni 2022 verlängert.


17. September 2016: Der neue Viktoria-Trainer Jochen Seitz bei seiner Premiere am Schönbusch. Im Liga-Spiel gegen den Würzburger FV (© Moritz Hahn)

Aufstieg im zweiten Jahr

Als Jochen Seitz mit seinem Stab das Team vor fünf Jahren übernahm, hatte die Viktoria ein einjähriges Gastspiel in der Regionalliga durch ein ärgerliches Scheitern in der Relegation beendet und formulierte das Saisonziel in der nachfolgenden Bayernliga-Saison 2016/17 zurückhaltend mit „oben mitspielen“. Bei Amtsantritt von Jochen Seitz standen die Weiß-Blauen nach acht Spieltagen auf Tabellenplatz 8, am Saisonende lief man hinter dem Start-Ziel-Tabellenführer VfB Eichstätt als Vizemeister ein. In der Relegation gegen Seligenporten und Fürth erwiesen sich die Kontrahenten als spielerisch reifer. Nachdem die Weiß-Blauen zweimal binnen Jahresfrist in einer Relegation den Kürzeren gezogen hatten, zog man es in der Folgesaison 2017/18 vor, einer Manifestation eines etwaigen „Relegationskomplexes“ dadurch vorzubeugen, dass man sich durch eine souverän errungene Bayernliga-Meisterschaft kurzerhand den Direktaufstieg in die Regionalliga Bayern sicherte. „Meines Wissens haben wir seinerzeit sogar einen neuen Punkterekord in der Bayernliga aufgestellt“, erinnert sich Jochen Seitz gerne an den glatten Durchmarsch.


12. Mai 2018: Meister-Trainer Jochen Seitz nach dem letzten Liga-Spiel und bereits “geduscht” kurz vor der offiziellen Übergabe der Meister-Medaillen (© Moritz Hahn)

12. Mai 2018: Viktoria Aschaffenburg wird mit Trainer Jochen Seitz überlegen Meister der Bayernliga Nord und steigt in die Regionalliga Bayern auf (© Moritz Hahn)

Klassenerhalt und eine „Seuchensaison“ der anderen Art

Vom Aufstiegsbonus kann ein Trainer freilich nicht ewig zehren, im rauen Regionalliga-Alltag verblassen vergangene Triumphe schnell. Insofern war wohl auch aus Jochens Sicht der in der Spielzeit 2018/19 am vorletzten Spieltag sichergestellte Klassenerhalt der Regionalliga Bayern eine dringend benötigte Aktualisierung der Erfolgsnachrichten. Der dritte Abstieg aus der Regionalliga binnen fünf Jahren hätte doch schwer am weiß-blauen Selbstbewusstsein genagt. Zwar wurde es nach einer sehr guten Vorrunde gegen Ende hin noch einmal etwas brisant, von wirklichen Abstiegsnöten war die im gesamten Saisonverlauf durchgängig über dem Strich platzierte Viktoria weitgehend verschont geblieben.

Die folgende Spielzeit 2019/20 sollte eine denkwürdige werden. Schuld daran war die um sich greifende Pandemie, die nach und nach auf das Ligageschehen Einfluss nahm und dieses schließlich nach 27 Spieltagen endgültig zum Erliegen brachte. Tabellenführer zu diesem Zeitpunkt war wundersamerweise die Viktoria, die nach einem verhaltenen Start just in der Hochphase von Corona mittels eines mächtigen Antritts eine buchstäbliche Punktlandung hinlegte und dem Unwort „Seuchensaison“ zu einer bisher nie gekannten positiven Konnotation verhalf. „Dass wir mal Erster geworden sind, verbuche ich unter Extras. Es war einfach eine super geile Saison, alles hat gepasst. Vor allem hatten wir auch das notwendige Quäntchen Glück“, macht Jochen Seitz deutlich, dass nicht alle Jahre „Seuchensaison“ ist.


1. Juni 2021: Play-offs um die Teilnahme an der Relegation zur 3. Liga in Schweinfurt. Jochen Seitz gibt seinem Spieler Hamza Boutakhrit Anweisungen (© sportfotografie.de / Julien Christ)

Darum Schwamm drüber, dass der erste Platz in der Abbruchtabelle in den abschließenden Ausscheidungsspielen nicht bestätigt werden konnte. Die Play-off-Runde um die Meisterschaft und Relegationsteilnahme entpuppte sich für die Viktoria als Flop. Gegen die Konkurrenten SpVgg. Bayreuth und 1. FC Schweinfurt 05 gab es anders als noch im normalen Ligabetrieb nichts zu erben. Wer die Viktoria vor den Play-offs schon auf dem Weg in die 3. Liga gesehen hatte, wurde letztlich eines Besseren belehrt. Zum Glück hatte man am Schönbusch mit dem Slogan „Alles kann, nichts muss“ schon mal vorgesorgt.


„Geheimfavorit“ aus Unkenntnis

Ungeachtet dessen sah man vor der laufenden Saison 2021/22 am Schönbusch das unerwartet gute Abschneiden in der Vorsaison als deutlichen Fingerzeig. Das Saisonziel wurde mit „einstelliger Tabellenplatz“ offensiver formuliert. Ein Fachjournal ließ es sich sogar nicht nehmen, die Schützlinge von Jochen Seitz vor Rundenbeginn zum „Geheimfavoriten“ zu küren. Der Coach indes weiß ganz genau, wo derlei „Fake-News“ herrühren: „Den Titel Geheimfavorit geben uns andere Vereine, weil sie unsere Situation gar nicht kennen. Die denken alle, wir wären Vollprofis (lacht). Wenn man sie dann aufklärt, sind sie ganz verwundert, wie wir mit einer reinen Amateurmannschaft letztes Jahr so einen Erfolg haben konnten. Deswegen kann ich mit solchen Aussagen wenig anfangen, sie sind mir schlicht herzlich egal.“ Vielmehr liege ihm daran, so der Viktoria-Coach weiter, dass die Sache „realistisch betrachtet“ werde und konkretisiert sogleich: „Wenn wir es realistisch betrachten, dann ist die primäre Zielsetzung nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Alles darüber Hinausgehende wie ein durchaus möglicher einstelliger Tabellenplatz ist willkommene Zugabe.“ Die aktuelle sportliche Situation lässt diese Zurückhaltung auch geboten erscheinen, denn ein Selbstläufer ist der Klassenerhalt in dieser spielstarken Liga keineswegs.


Spielerische Substanz nur mit Finanzkraft zu halten

Große Bewegungen im Kader können verantwortlich dafür sein, wenn es insbesondere zu Beginn der Saison bei einer Mannschaft im Getriebe knirscht. „Pro Saison kommen sieben oder acht neue Spieler hinzu, die es zu integrieren gilt. Gleichzeitig haben wir mit Pasqual Verkamp, Simon Schmidt und Björn Schnitzer hochwertige Spieler verloren, die nicht so einfach zu ersetzen sind“, sieht sich diesbezüglich Jochen Seitz vor eine anspruchsvolle Herausforderung gestellt. Auch in Sachen Spielerfluktuation spielt der schnöde Mammon wieder eine unrühmliche Rolle. „Es ist nun mal so, dass andere Vereine, die mehr Geld zur Verfügung haben, ihre Topleute behalten bzw. mit ihnen verlängern können. Wohingegen bei uns Spieler bei Topangeboten von anderen Vereinen meistens weg sind“, macht Seitz das Dilemma deutlich.


Draht zur Mannschaft das A und O

Um die fünf Jahre Amtszeit von Jochen Seitz richtig einordnen zu können, lohnt schon mal ein Vergleich mit den anderen Trainern in der Regionalliga Bayern. Hier wird offensichtlich, dass nur Eichstädts Markus Mattes mit sechs Jahren und acht Monaten und Eltersdorfs Bernd Eigner (fünf Jahre und ein Monat) etwas länger im Amt sind als der SVA-Coach. Das Trio führt das übrige Feld mehr oder weniger deutlich an und hat zudem eine weitere Gemeinsamkeit: Alle drei sind als „Aufstiegstrainer“ sowohl mit der Bayern- als auch der Regionalliga vertraut. Die Frage, ob er sich angesichts der vielen Trainer-Grünschnäbel in der Liga schon als „Trainer-Oldie“ sieht, quittiert Jochen gleichwohl mit Heiterkeit: „Nein, als Trainer-Oldie fühle ich mich nicht. Aber damit ein Coach längere Zeit bei einem Verein bleibt, muss schon einiges zusammenkommen. Zuallererst müssen Trainer und Mannschaft charakterlich harmonieren. Das Team muss die Vorgaben des Trainers umsetzen, aber auch eigene Ideen einbringen. Das führt idealerweise zu Erfolgen, was wiederum für den unerlässlichen Spaß garantiert.“
Freilich weiß Jochen Seitz genug vom Trainergeschäft, um sich der Gefahr eines graduellen Verschlissenwerdens bewusst zu sein: „Klar sind fünf Jahre bei einem Verein eine vergleichsweise lange Zeit. Ein Trainer muss immer Sorge tragen, dass sich seine Führungs- und Spielphilosophie nicht abnutzt. Es ist immer ein Alarmsignal, wenn die Spieler sagen: Jetzt erzählt er schon wieder das Gleiche. Als Trainer sollte man ein Gespür dafür haben, ob man die Mannschaft noch erreicht. Wenn sich die Anzeichen mehren, dass dem nicht mehr so ist, dann muss man auch mal selbst sagen: Es reicht! Hier ist ein neuer Input nötig.“ Dieses Gefühl habe er in seinem aktuellen Job aber bisher noch nie gehabt, versichert Jochen Seitz, der sich bei seinem zweiten Heimatverein (TSV Heimbuchenthal first!) nach eigenem Bekunden bis auf den heutigen Tag sehr wohl fühlt.


Fußballlehrer Seitz vergibt Note „entwicklungsfähig“

Dass Jochen Seitz jemand ist, der seine Ziele beharrlich verfolgt, hat er schon während seiner langen Profikarriere u.a. bei der SpVgg. Unterhaching und beim VfB Stuttgart unter Beweis gestellt. Wer so veranlagt ist und als aktiver Spieler am großen Rad gedreht hat, dem widerstrebt es, als Coach auf Dauer kleine Brötchen zu backen. Wobei natürlich viele Koryphäen „klein“ anfangen, siehe aktuell EM-Experte Sandro Wagner beim Ligakonkurrenten SpVgg. Unterhaching. Nicht immer freilich garantiert der Status des Ex-Profis eine ähnlich glamouröse Trainerlaufbahn. Nichtsdestotrotz gilt es natürlich erstmal seine Hausaufgaben zu machen. Jochen hat die Corona-Pause diesbezüglich genutzt und mit dem erfolgreichen Abschluss des Lehrgangs zum Fußballlehrer an der Sportschule in Bad Hennef in diesem Frühjahr seine Ambitionen unterstrichen, künftig auch im Profibereich zu trainieren. Was seinen aktuellen Wirkungsbereich angeht, bleibt er jedoch realistisch: „Wir sind finanziell noch nicht so aufgestellt, dass wir die 3. Liga stemmen können. Man kann das nicht erzwingen. Der Kurs des Vereins, nur Geld auszugeben, das zur Verfügung steht, ist richtig. Wir haben im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten sportlich Sensationelles geleistet. Aber irgendwann muss der nächste Schritt kommen und letzten Endes auch die Stunde der Wahrheit: Entweder gelangt man zur Erkenntnis, dass Regionalliga für die Viktoria das Höchste der Gefühle ist, oder man kann die Wirtschaft und Sponsoren so weit begeistern, dass man den Schritt ins Profitum wagen kann. Im Moment bleibt festzuhalten, dass es bis dahin noch weit ist. Andere Vereine wie Bayreuth und Schweinfurt sind da viel besser aufgestellt.“


6. August 2021: Jochen Seitz beim Jubiläumsspiel zum 120. Vereinsgeburtstag. Nach einer roten Karte musste Trainer Seitz auf die Tribüne. Das änderte nichts daran, dass er sein Team leidenschaftlich anfeuerte. Seine Mannschaft dankte es ihm mit einem souveränen Sieg gegen Wacker Burghausen (© sportfotografie.de / Julien Christ)

Jochen weiß natürlich, dass ihm als Absolventen des Fußballlehrer-Lehrgangs im Trainer-Business nun einige Türen offen stehen: „Man ist jetzt nicht mehr an die Regionalliga gebunden, sondern kann auch höherklassig trainieren. Natürlich hat man als Trainer das Ziel, im Profibereich zu trainieren und dort Fuß zu fassen.“ Wer jetzt hellhörig geworden sein sollte, den kann Jochen gleich beruhigen, wenn er nämlich ausführt: „Das heißt jetzt im Umkehrschluss aber nicht, dass für mich in der nächsten Saison bei Aschaffenburg Schluss ist. Es muss aber schon eine Entwicklung zu sehen sein. Wir müssen uns peu à peu steigern und zumindest mal in Richtung Semiprofessionalität gehen. Andernfalls sehe ich keine Chance, in der Regionalliga um den Aufstieg mitzuspielen.“


Kampftrinken mit „Gardine“ Jeremies vs. Malle mit den Jungs

In seiner aktiven Fußballerkarriere, die ihn ausgiebig Bundesligaluft schnuppern ließ, hat Jochen Seitz viel erlebt und ist nicht zuletzt deswegen bis auf den heutigen Tag bei den einschlägigen Sportmedien ein beliebter Interviewpartner. Wenn er dann aus dem Nähkästchen plaudert, kommt er gerne auf ein „unvergessliches Erlebnis“ zu sprechen, das er nicht etwa bei den gestandenen Bundesligavereinen HSV, VfB Stuttgart und Schalke 04, sondern während seiner Zeit bei der beschaulichen SpVgg. Unterhaching hatte. Jochen Seitz stand damals unter seinem Ziehvater Lorenz-Günther Köstner im dritten Jahr bei der SpVgg. Unterhaching unter Vertrag. Der kleine Verein aus dem Süden Münchens hatte in der Vorsaison sensationell den Aufstieg in die Bundesliga realisiert und empfing, den Klassenerhalt bereits in der Tasche, am letzten Spieltag den Spitzenreiter Bayer Leverkusen, dem ein Punkt zur Meisterschaft reichte. Für die Werkself gab es jedoch ein böses Erwachen. Mit einem gut aufgelegten Jochen Seitz , der den Treffer zum 2:0-Endstand durch Oberleitner vorbereitete, siegte Haching sensationell und kürte die von ihrem Glück völlig überrumpelten Münchner Bayern per Fernduell zum Meister. Wenn man Uli Hoeneß eines nicht nachsagen kann, so ist das Geringschätzung von Loyalität. Und so lud er die Hachinger Millenniums-Helden kurzerhand zur improvisierten Meisterfeier der Münchner Bayern ein. „Nach unserer eigenen Abschlussfeier sind wir dann im Laufe des Abends geschlossen zur Meisterschaftsfeier der Bayern. Anwesend waren zig Größen wie Franz Beckenbauer und Boris Becker. Die saßen alle an Tischen und als wir wie die Gladiatoren eingelaufen sind, haben sich alle erhoben und applaudiert. Danach haben wir mit den Bayern-Spielern das ein oder andere Kaltgetränk zu uns genommen. Der feucht-fröhliche Abend zog sich in die Länge und als wir gingen, tagte es schon. Ich habe mich in erster Linie Jens Jeremies gewidmet, der seinerzeit der trinkfesteste Bayern-Spieler war (lacht). Da haben wir es alle krachen lassen, das war ein unvergessliches Erlebnis“, gerät Jochen Seitz nachgerade richtig ins Schwärmen.

Ovationen von der Bayern-Crème und eine feucht-fröhliche „Gardinenpredigt“- Marke „Biss zum Morgengrauen“ bei der Meisterschaftsfeier der Roten sind zweifellos Erlebnisse, die sich auch beim x-ten Erzählen noch gut anhören. Zur Erläuterung: Jeremies hatte seinerzeit wegen seiner auffälligen Haartracht den Spitznamen „Gardine“… Gibt es da ein vergleichbares Erlebnis aus seinen fünf Jahren beim SVA, das sich gleichfalls zu erzählen lohnte – auf Regionalliga-Niveau sozusagen? So konkret befragt, ergeht sich Jochen diplomatisch eher in allgemeinen Betrachtungen: „Ich glaube, es ist immer ganz wichtig, dass man nach der Saison einen Grund zum Feiern hat, egal ob Aufstieg oder Klassenerhalt in der Regionalliga.“ Letzterer war 2018 der Grundstein für eine „schöne Erinnerung“, als sich Jochen samt Trainerteam und Jungs mit einem Urlaubstrip nach Mallorca belohnten. Schade, wir hätten gerne eine ausgeschmückte Version gehört, aber in der modernen Fußballwelt ist für Sangria-Exzesse bis zum Morgengrauen bekanntlich kein Platz mehr. Rückblickend darf wohl auch Jens Jeremies für sich in Anspruch nehmen, das letzte kernige Raubein in den Reihen der heutigen „Sané-Fußballer“ von der Isar gewesen zu sein…


13. Mai 2018: Ein großer Teil der Viktoria-Meister-Mannschaft zusammen mit Trainer Jochen Seitz und Co.-Trainer Gerry Mai bei der Feier auf Mallorca (© Viktoria Aschaffenburg)

„Man kann nur feiern, wenn man Erfolg hat. Deswegen arbeiten wir auch in dieser Saison darauf hin, dass es nach der Runde etwas zum Feiern gibt. Darum spielen wir letztlich auch Fußball“, schlägt Jochen abschließend elegant den Bogen zum Hier und Jetzt. Darauf wollen wir alle anstoßen! Auch wenn heute alle keinen Jeremies-Durst mehr haben, so gilt doch noch: Eins geht immer…


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Stand: 6. September 2021 / Autor: Wolfgang Fleischer / Redaktion: Moritz Hahn