Viktoria geht als klarer Außenseiter in das Unterfranken-Derby im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion – Jochen Seitz: „Duell David gegen Goliath“

Dass die Weiß-Blauen – wie auf FuPa zu lesen – mit der 1:4-Niederlage gegen den SV Heimstetten für gute Laune im Bus auf der langen Heimfahrt nach Oberbayern gesorgt haben, leuchtet ein, heißt aber jetzt nicht, dass sie sich in der Rolle der „Stimmungskanone zum eigenen Nachteil“ künftig gemütlich einrichten wollen. Im bevorstehenden Gastspiel beim Titelanwärter 1. FC Schweinfurt 05 (Freitag, 19.00 Uhr) fiele das allerdings ohnehin schwer. Grund: Vor dem Unterfranken-Derby sind die Kräfteverhältnisse derart klar verteilt, dass die Schnüdel selbst im Falle eines (aus ihrer Sicht fest einkalkulierten) Dreiers ganz gewiss nicht in Jubelstürme ausbrechen werden.

Wenn die Viktoria also beim Gegner für intensive Gefühle (freilich ganz anderer Natur) sorgen will – schließlich tut man, was man kann –, dann bleibt nur der gegenläufige Weg über einen Husarenstreich im altehrwürdigen Willy-Sachs-Stadion. Wie das eventuell gehen könnte, hat der VfR Garching vor Wochenfrist angedeutet, als er (allerdings zu Hause) beim 1:1 dafür sorgte, dass die sich mit Drittliga-Ambitionen tragenden Unterfranken die ersten Punkte im Saisonverlauf einbüßten. Letztes Jahr erhielten ihre Titelträume bekanntlich schon vor Saisonbeginn durch den Rückzug des TSV 1860 München in die Regionalliga Bayern einen Dämpfer. Die übermächtigen Löwen avancierten auf Anhieb zum Titelfavoriten Nummer eins und wurden dieser Rolle im weiteren Rundenverlauf gerecht. Hinter den 60ern und den Bayern-Amateuren blieb nur ein undankbarer dritter Platz. Die Löwen brüllen nun in der 3. Liga, aber daraus jetzt freie Bahn für Unterfrankens Nummer zwei (nach Würzburger Kickers) abzuleiten, ist gleichwohl ein Trugschluss, wie sich schon nach vier Spieltagen deutlich abzeichnet. Mit den wiedererstarkten Bayern-Amateuren mag man sicherlich gerechnet haben, aber auch der SV Wacker Burghausen unterstreicht mit einem makellosen Start seine Ambitionen auf eine Rückkehr in die 3. Liga, aus der man in der Saison 2013/14 abgestiegen war und danach als einziges Ex-Profi-Team diesen Lapsus bisher nicht reparieren konnte. Auch die Cluberer dürfen sich nach Lage der Dinge zum Favoritenkreis zählen. Bei letzteren gastieren die Schnüdel am 11. Spieltag, was zugleich die erste Begegnung mit einer Topmannschaft und direktem Mitkonkurrenten darstellt. Bis dahin gilt es für das Team von Ex-Profi Timo Wenzel, der die Schnüdel erst zu Beginn dieser Saison von dem ins Amt des Sportdirektors wechselnden Gerd Claus übernommen hat, in den Partien gegen (vermeintliche) Punktelieferanten möglichst wenig Federn zu lassen.

Viktoria Aschaffenburg tritt am Freitag um 19 Uhr biem Titelfavoriten Schweinfurt an (© Moritz Hahn)

Mit den Gedanken schon beim Pokalknüller?

Die beiden Traditionsclubs SVA und Schweinfurt 05 trafen in ihrer gemeinsamen Fußball-Historie schon sage und schreibe 26-mal aufeinander. Eine nähere Betrachtung verdienen freilich nur die vier in der Regionalliga Bayern absolvierten Partien, die von den Spielzeiten 13/14 und 15/16 herrühren und in denen die Viktoria mit 7:4 Punkten und 6:3 Toren eine positive Bilanz vorzuweisen hat. Das letzte Gastspiel der Viktoria im Willy-Sachs-Stadion datiert vom 14. November 2015, als sich beide Kontrahenten beim 1:1 die Punkte teilten. Damals egalisierten die Schweinfurter in der 81. Spielminute die Viktoria-Führung durch Salvatori Bari. Damals freilich war vom Konzept „Mittelfristig in die 3. Liga“ und der damit verbundenen Umstellung auf Profitum noch keine Rede, der FC05 musste nach seinem Regionalliga-Aufstieg zur Saison 2013/14 in den ersten drei Spielzeiten zunächst einmal alle Kräfte bündeln, um den Wiederabstieg zu verhindern. Der letzte sportliche Vergleich mit den Schnüdeln, denen sich zwischenzeitlich der Ex-Viktorianer Florian Pieper angeschlossen hat, ist erst ein knappes Jahr her und fand, wie sich mancher sicher noch erinnern kann, im Rahmen des Achtelfinales des letztjährigen BFV-Totopokals statt. Beim 5:7 nach Elfmeterschießen bot das Team von Jochen Seitz seinerzeit eine starke Leistung und verlangte dem späteren Titelträger alles ab. In der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals empfangen die Schweinfurter am 17. August den Bundesligisten FC Schalke 04 im heimischen Willy-Sachs-Stadion zu einem echten Pokalknüller.

Jochen Seitz` Motto: Realismus schützt vor Hoffnung nicht

Von einem „hoffentlich rechtzeitigen Schuss vor den Bug“ spricht Jochen Seitz im Zusammenhang mit der 1:4-Heimniederlage gegen Mitaufsteiger Heimstetten in der Vorwoche. Mitnehmen sollten seine Schützlinge aus der Niederlage vor allem die Erkenntnis, dass es ohne die jederzeit erforderliche hundertprozentige Konzentration schwer für den eigentlich gut aus den Startlöchern gekommenen Aufsteiger wird.

Trainer Jochen Seitz: “Wir wollen ein unangenehmer Gegner sein.” (© Funkhaus Aschaffenburg)

Ob sich allerdings zu Hause gegen einen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf eingebüßte Punkte ausgerechnet mit einem Auswärtscoup bei einem Meisterschaftsfavoriten wettmachen lassen, daran hegt Jochen Seitz wie jeder mit Realitätssinn begabte Mensch so seine Zweifel: „Das ist eigentlich unrealistisch. Da müsste bei uns schon alles passen. Es ist eigentlich ein Spiel David gegen Goliath und mit den letzten Regionalliga-Begegnungen nicht zu vergleichen. Schweinfurt ist jetzt eine Profitruppe und damit der große Favorit. Sie wollen und müssen aufsteigen. Ich gehe stark davon aus, dass es einen Zweikampf des FCS mit Bayern München um die Meisterschaft gibt. Insofern darf Schweinfurt gegen Mannschaften aus dem unteren Drittel eigentlich keine Punkte verschenken. Das betrifft auch uns, da wir zu denjenigen Mannschaften gehören, die gegen den Abstieg kämpfen. Überdies spielt Schweinfurt zu Hause. Es sprechen also viele Parameter für den FC. Allerdings denke ich auch, dass in einem Spiel immer relativ viel möglich ist. Grundsätzlich ist zu sagen: Auf jeden Fall fahren wir nicht dorthin, um uns abschlachten zu lassen. Wir wollen ein unangenehmer Gegner sein. Vielleicht können wir dann sogar für eine Sensation sorgen.“

11 Tore haben die Schnüdel in vier Partien erzielt und damit im bisherigen Rundenverlauf von allen Teams die beste Trefferquote. Nur folgerichtig daher, wenn Jochen Seitz ankündigt, dass „unser primäres Ziel in Schweinfurt sein wird, hinten wenig zuzulassen. Betrachtet man allerdings unsere bisherigen Gegentore, so sind diese zum einer auf unser ungestümes Einsteigen – schon drei gegen uns gepfiffene Elfer – und zum anderen auf individuelle Fehler zurückzuführen, die wie im Falle Heimstetten vom Gegner umgehend bestraft wurden. Sonst stehen wir in der Defensive eigentlich ganz gut. Wir müssen einfach sehen, dass wir unser Spiel durchbringen und hinten heraus individuelle Fehler weitestgehend vermeiden. Diese wird auch Schweinfurt gnadenlos bestrafen, was für uns heißt, 95 Minuten hoch konzentriert zu sein. Andernfalls haben wir dort keine Chance“.

Knieprobleme: Schnitzer muss pausieren

Björn Schnitzer kann dieses Mal nicht mitwirken (© Moritz Hahn)

Drei Spieler auf Seiten der Viktoria werden die Spätschicht in der Kugellagerstadt nicht schieben können. Neben Malick Diarra (Fußverletzung) und Lucas Oppermann (Knieverletzung) wird auch Björn Schnitzer (Knieprobleme) definitiv nicht zur Verfügung stehen. Der unter der Woche vermeldete Neuzugang des 19-jährigen Lilien-Talents Silas Zehnder, der auf der linken Außenbahn sowohl defensiv als auch offensiv einsetzbar ist, ist laut Jochen Seitz als auf „die Saison gesehen mittelfristige Verstärkung“ gedacht. „Es ist ein junger Spieler, der sich erst mal in den Trainingsbetrieb einfinden muss. Wir werden sehen, wie er sich entwickelt. Insofern ist er nicht einer, der sofort für die erste Elf eingeplant ist, wohl aber als Verstärkung des Kaders geholt wurde“, so der Coach zum Hintergrund des Transfers.