Viktoria News
„Wenn man an sich glaubt und mutig ist, kann man alles schaffen“
28. Januar 2026

Fast vier Wochen ist der neue Cheftrainer Felix Luz (44) nun bei den Weiß-Blauen im Amt. Wir haben für euch mit ihm über Prägendes in seiner Spielerlaufbahn gesprochen, was ihn als Trainer ausmacht und welche Ziele der zweifache Familienvater am Schönbusch hat.


Felix, du hast in deiner aktiven Laufbahn als Spieler bei so großartigen Vereinen wie unter anderem dem VfB Stuttgart, der TSG Hoffenheim, dem FC St. Pauli und dem FC Augsburg gearbeitet. Bist auch bei Stationen im Ausland gewesen. Wenn du drei Situationen bzw. Erfolge/Misserfolge benennen müsstest, die dich geprägt haben, welche wären das?

"Im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern München waren wir auf Augenhöhe gegen einen eigentlich übermächtigen Gegner. Diese Partie hat mich gelehrt, dass man immer bis zur letzten Sekunde eines Spiels die Defensivarbeit fehlerfrei bewältigen muss. Wir haben uns damals in einem tollen Match, in dem wir als Underdog mit Wille, Einsatzbereitschaft und läuferischer Qualität dagegengehalten haben, einen einzigen Fehler erlaubt, womit das Spiel dann kippte und wir auf die Verliererstraße gerieten. Dann hat mich der Abstieg mit RW Oberhausen aus der 2. Bundesliga geprägt. Denn der Verein war finanziell zwar nicht konkurrenzfähig, aber alle haben an einem Strang gezogen und wir waren wirklich ein eingeschworener Haufen. Es hat sehr weh getan damals, dass wir den Abstieg aus unterschiedlichen Gründen nicht verhindern konnten. Einer davon war, dass sich am Ende nach einigen personellen Veränderungen im Kader nicht mehr alle mit der Sache und dem Verein zu 100 Prozent identifiziert haben. Und das braucht es einfach. Nicht nur sagen, dass man Dinge tun möchte – sondern tatsächlich machen. Darauf kommt es an, sonst erreicht man seine Ziele nicht. Und die dritte Situation aus der ich viel gelernt habe, war meine Station in Westerlo in Belgien. Dort habe ich erlebt, wie ein Verein überhaupt nicht funktionieren kann. Denn dort hatten sich Gruppen aus Brasilianern, Afrikanern, Belgiern und Franzosen gebildet, die allesamt unterschiedliche Mentalitäten und Sprachen mitbrachten. Was zum einen gar nicht zusammenpasste und man sich zum anderen nicht mehr mit der Sache identifizierte und wir am Ende auch aus der ersten belgischen Liga abstiegen."

Bist du ein Mensch, der sich und sein Handeln hinterfragt?

"Ja, mittlerweile schon. Ich habe mich als Spieler schon oft in den Trainer hineinversetzt oder habe versucht, andere Sichtweisen zu berücksichtigen. Rückblickend muss ich aber sagen, dass ich als Spieler oft zu ungeduldig gewesen bin und so auch nicht alles aus meinem Talent herausgeholt habe, was unter Umständen möglich gewesen wäre. Mir hätte es gut getan, wenn ich bei dem einen oder anderen Verein auch mal länger geblieben wäre, aber wie gesagt, ich wollte immer schnell weiterkommen ohne dabei zu berücksichtigen, ob ich zu den Vereinen überhaupt passe. Im Nachhinein betrachtet wäre es besser gewesen, mir hätte damals jemand geraten, die Leistung in einem weiteren Jahr nochmal zu bestätigen und dann auf ein wirklich gutes Angebot hinzuarbeiten und etwas länger abzuwarten. Es ist wichtig, selbst diese Reflektion zu haben – am besten schon als Spieler. Gerade in einer Welt, die grundsätzlich immer schneller wird."

FOTO: SVA

Du sagst, es hätte dir auch ein guter Ratgeber gefehlt. Bist du denn ein Mensch, der wert auf einen Austausch legt und sich auch beraten lässt?

"Ich habe zweifelsohne meine eigene Meinung, meine eigenen Ziele, für die ich auch einstehe. Aber ich höre mir andere Meinung an – das habe ich gelernt in all den Jahren (lacht). Aber was genau ich daraus mache und ob ich mir etwas davon annehme, hängt von der jeweiligen Situation ab. Ich habe hier in Aschaffenburg einen erfahrenen Sportvorstand hinter mir, der natürlich Tipps gibt, aber ich arbeite als Cheftrainer mit der Mannschaft und selektiere diese Tipps, um dann Entscheidungen zu treffen. Ich bin aber definitiv abgekommen von der „ichbezogenen Denkweise“ und weiß, dass es im Fußball auf ein gutes Team ankommt, das die gleiche Sprache spricht und in die gleiche Richtung denkt und arbeitet. Für unsere Situation in Aschaffenburg bedeutet das, dass wir nach vorne denken und das was war, ruhen lassen. Es zählt nur die Zukunft und die wollen wir positiv gestalten."

Du hast natürlich auch zahlreiche Trainer, Sportdirektoren und Vorstände erlebt. Gibt es Personen, die dich – positiv wie negativ – beeinflusst bzw. geprägt haben?

"Ich habe eigentlich bei jedem Trainer versucht, die positiven wie negativen Dinge mitzunehmen. Ich habe völlig unterschiedliche Trainertypen erlebt und ich denke, dass eine gute Mischung sinnvoll wäre (lacht). Holger Stanislawski kam in St.Pauli als Jugendtrainer zu uns und ist mit uns aufgestiegen. Seine Art, die Spieler mitzunehmen – auf und abseits des Platzes -, war überragend. Er hat Freiheiten gelassen, aber dafür auch Leistung eingefordert und klare Konsequenzen gezogen, wenn das nicht funktionierte. Er hat die Spielersprache gesprochen, das hat mir imponiert und hat auch für Respekt gesorgt. Der Trainer Felix Magath war anders gestrickt. Er wollte den Spielern schnellstmöglich beibringen, Profi zu werden. Das war teilweise sehr hart. Aber diese Härte braucht es auch, denn es lassen sich so schnell Ausreden für alles finden. Konflikte werden nicht mehr so ausgetragen wie früher. Von daher ist auch eine gewisse Härte nötig, um Widerstände zu überwinden und auch wieder aufzustehen nach Niederlagen. Und es ist ja bekannt, dass das Überstehen von schwierigen Situationen mehr prägt, als nur Erfolgserlebnisse einzufahren. Das gilt auch für uns hier. Aus dieser schwierigen Situation herauszukommen und daraus für die Zukunft zu lernen, bringt die Jungs weiter. Aber das müssen sie auch so annehmen."

Welche Werte verkörpert der Trainer Felix Luz?

"Wichtig ist Respekt. Jeder Mensch kann grüßen, sich verabschieden, ehrlich sein und anderen in die Augen schauen. Ich gebe jedem eine Chance, das muss aber auch gewollt sein. Ich bin sehr ehrgeizig, lautstark und überzeugt von dem, was ich mache. Man darf keine Angst haben. Respekt vor jedem Gegner ja, aber keine Angst. Denn wenn man an sich glaubt, dafür auch lebt und mutig ist, kann man alles schaffen. Das ist meine Überzeugung und so gehe ich voran."

Auf welchen Fußball dürfen sich die Fans der Viktoria bei Trainer Felix Luz freuen?

"Alle Charakterzüge, die ich eben beschrieben habe, kommen auch auf dem Platz zum Tragen. Die Jungs sollen Spaß an Balleroberungen haben, Spaß am Toreschießen. Mir geht es um das Gemeinsame. Gemeinsam verteidigen, gemeinsam zum Torferfolg kommen. Man kann z.B. nicht alles an einem Stürmer festmachen, er braucht eine Mannschaft dazu, um Tore zu schießen. Alle können nur so gut sein, wie die Mannschaft es insgesamt macht.  Klar schaue ich gerne den FC Barcelona an. Aber ich weiß, dass ich das nicht auf meine Mannschaft übertragen kann. Ich muss meine Spielidee anpassen an die Gegebenheiten vor Ort und welche Spieler ich zur Verfügung habe. Die Grundidee ist aber, gut gegen den Ball zu arbeiten und mit einer starken Zweikampfführung nach vorne und mutig zurück zu agieren."

FOTO: Julien Christ / sportfotografie.de

Du hast deine A-Lizenz 2018 gemacht und wolltest aber in den vergangenen Jahren deine Heimat Esslingen/Stuttgart auch wegen der familiären Situation und deinen zwei Söhnen nicht verlassen. Was hat für dich den Ausschlag gegeben, das Angebot in Aschaffenburg nun anzunehmen, obwohl das nicht in deiner Heimatregion liegt?

"Ich hatte immer wieder Anfragen als Co-Trainer von Vereinen, bei denen ich als Spieler aktiv war. Denn ich habe zu allen Vereinen ein gutes Verhältnis und bin nirgends im Bösen gegangen. Aber ich wollte meine Kinder aufwachsen sehen, um ihnen in der heutigen schnelllebigen Zeit das nötige Urvertrauen zu vermitteln. Deshalb wollte ich in der Heimatregion bleiben und habe mich in die Jugendarbeit des VfB Stuttgart eingebracht. Dazu habe ich meinen Heimatverein in der Kreisliga trainiert – einfach nur, um im täglichen Trainingsbetrieb bei einer Herrenmannschaft zu sein und vieles ausprobieren zu können. Nun sind die Kinder mit 13 und 10 Jahren schon etwas größer und die Aufgabe in Aschaffenburg ist sehr reizvoll. Weil es ein bekannter Verein ist, der in der Regionalliga auf einem guten Niveau spielt und weil die Aufgabe auch nicht unmöglich ist, den Klassenerhalt zu schaffen und danach etwas nachhaltig aufzubauen. Natürlich hat auch die Person Felix Magath als Sportvorstand eine Rolle gespielt, der mir als jungem Trainer zutraut, diese Situation zu lösen."

Du hast nun die ersten Eindrücke aus den Trainings und auch aus dem ersten Testspiel sammeln können, an welchen Stellschrauben muss gedreht werden, um in der Restrunde das Ziel Klassenerhalt zu erreichen?

"Ich ziehe den Hut davor, dass die Jungs hauptberuflich arbeiten und teilweise weitere Strecken zurücklegen, um den täglichen Trainingsbetrieb zu absolvieren. Trotzdem sind wir in der vierthöchsten Spielklasse und wollen das auch bleiben. Ich glaube, dass es noch mehr Struktur und Disziplin in der täglichen Arbeit braucht. Disziplin im Sinne von dem Formulieren klarer Erwartungen und dem konsequenten Einhalten solcher Erwartungshaltungen. Wir verlieren durch unsere Trainingssituation im Vergleich zu anderen Regionalligisten unter Profibedingungen drei Einheiten pro Woche und das hochgerechnet auf Monate ist das schon ein Faktor. Das müssen wir durch viel Fleiß, harte Arbeit und gut strukturiertes Arbeiten in und um die Mannschaft herum versuchen, aufzufangen."

Das Saisonziel ist ja klar, alle wollen den Klassenerhalt schaffen. Aber setzt du dir auch Zwischenziele für z.B. nach der Vorbereitungszeit oder den Start nach der Winterpause?

"Das oberste Ziel ist es, den Klassenerhalt direkt zu schaffen. Ja, ich setze mir Zwischenziele. Die Vorbereitung möchte ich dazu nutzen, die Mannschaft körperlich auf das nächst höhere Niveau zu bringen, damit wir die Spielweise überhaupt auf den Platz bringen können, die ich im Kopf habe. Dazu möchte ich der Mannschaft das Wissen und die Haltung vermitteln, dass wir alles erreichen können, wenn wir es wirklich wollen. Das müssen sie verinnerlichen. Mit Respekt, aber ohne Angst, mutig und mit Spaß. Das ist die Basis und alles andere resultiert daraus oder baut darauf auf."


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Das Gespräch führte Melanie Grün-Schmidt.

Stand: 28. Januar 2026

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