Knapp drei Monate ist es mittlerweile her, dass es in der Regionalliga Bayern für die Mannschaft von Cheftrainer Damir Agovic um Zählbares ging. In einer Woche (28.2./19 Uhr in Bayreuth) geht es nun nach einer intensiven Wintervorbereitung in der Saison 24/25 weiter. Wir haben mit dem Coach über die Trainingswochen seiner ersten Vorbereitungszeit am Schönbusch, die Testspielergebnisse und die Perspektiven gesprochen.
Damir, du hattest nun in der Wintervorbereitung die Möglichkeit, deine offensiv ausgerichtete Spielphilosophie abseits des Ligaalltags mit der Mannschaft zu trainieren. Wie zufrieden bist du diesbezüglich?
Wir sind einen deutlichen Schritt weiter gekommen und haben die Spielidee mit Ball viel mehr verinnerlicht als noch vor ein paar Wochen. Wir finden im Offensivspiel bessere Lösungen und auch unsere erzielten Treffer aus den Testspielen waren jeweils schön herausgespielt. Wir sind jetzt vier Wochen in der Vorbereitungszeit - eine komplette offensive Spielphilosophie lässt sich in dieser Zeit dennoch nicht vollständig implementieren. Zumal wenn eine Mannschaft zuvor über einen längeren Zeitraum eher defensiv agiert hat. Wir arbeiten derzeit noch an der zu hohen Ballverlustquote und wollen den Spielstil mit Ball weiter verbessern, indem wir noch klarer und konsequenter agieren. Die Entwicklung wird aber weiter gehen, denn diese Umstellung des Spielstils ist als Prozess zu sehen.
Es gab neben einem Sieg und einem Unentschieden drei Niederlagen in den Testspielen zu verzeichnen. Wie bewertest du die Ergebnisse oder spielen diese in der Vorbereitung immer nur eine untergeordnete Rolle für dich?
Die Niederlagen stören mich ehrlich gesagt. Denn auch Testspiele sollte man gewinnen - das hat mit der passenden Mentalität und Einstellung zu tun. Dennoch sind die Ergebnisse als zweitrangig anzusehen, es geht um den Stand der Entwicklung in dieser Zeit. Und die Testspiele zeigen dann einfach, wie gut man das Trainierte schon umsetzen kann und woran es noch zu arbeiten gilt. Man darf auch nicht vergessen, dass es die Grippewelle in mehreren Spielen nicht zugelassen hat, dass wir mit der besten Startformation antreten und einige immer noch Trainingsrückstand haben. In Walldorf haben wir im zweiten Durchgang fast mit einer kompletten A-Jugend auf dem Feld gestanden, was man natürlich auch berücksichtigen muss. Dennoch ist auch das wichtig, die jungen Spieler heranzuführen und ihnen Spielzeit zu geben – nur so können sie lernen und sich verbessern.
Sieht eine positive Entwicklung - die Niederlagen aus den Testspielen aber stören Cheftrainer Damir Agovic. (FOTO: Julien Christ / sportfotografie.de)
Im Kader wurden Veränderungen vorgenommen. Mit Luca Dähn, Lucas Sitter und Niklas Meyer haben sich drei Spieler vom Schönbusch verabschiedet, mit Arber Mrijaj, Niklas Biehrer und Nino Cassaniti kamen drei neue hinzu. Was waren die Beweggründe für diese Veränderungen?
Bei Luca Dähn waren es berufliche Aspekte, die eine entscheidende Rolle gespielt haben. Niklas Meyer kam mit dem Wechselwunsch auf uns zu und so haben wir ihm auch keine Steine in den Weg gelegt. Lucas Sitter ist ein Top-Spieler in der Box, bei uns muss aber auch viel gegen den Ball gearbeitet werden. Er hätte uns sicher in der Breite gut getan, ich konnte ihm aber durch die vorgenannte Thematik keine Garantie auf Einsatzzeiten geben. Er hat sich dann für einen Wechsel entschieden. Nino Cassaniti kenne ich noch aus meiner Zeit bei Eintracht Frankfurt. Er bringt eine starke Dynamik und ein gutes Einsgegeneins-Spiel mit, was uns im Kader definitiv ein Stück weit gefehlt hat. Zudem bringt er über den Flügel viele Flanken in den Strafraum. Niklas Biehrer konnte im Probetraining überzeugen, auch wenn er noch etwas Zeit brauchen wird, um uns in der Spitze weiterzuhelfen. Er kompensiert im Abwehrverbund den Weggang von Luca Dähn. Arber Mrijaj ist ein Linksfuß, der die Position des Linksverteidigers und die des linken Innenverteidigers spielen kann. Er ist schnell, körperlich robust und wird uns in der Breite weiterhelfen.
Das letzte Testspiel gegen den TSV Schott Mainz findet nun am Samstag statt, es ist quasi der "Härtetest" vor dem Restart der Regionalliga Bayern. Was ist dir wichtig in dieser Partie?
Der Kader der Ersten Mannschaft ist nun ab dieser aktuellen Trainingswoche unter sich – ohne Ergänzungen aus der U19. Wir wollen im Spiel gegen Schott Mainz Stabilität in unser Spiel bekommen und die Ballverluste minimieren. Dazu geht es im eigenen Offensivspiel um Ballsicherheit und darum, klare Entscheidungen zu treffen. Die Dinge, die uns zuletzt die Siege gekostet haben, wollen wir besser machen und unsere Chancen konsequent nutzen.
Der SVA startet dann eine Woche später zunächst mit dem Auswärtsspiel in Bayreuth und danach in Würzburg in die ausstehenden Punktspiele. Bewertest du das als Nachteil (zwei Auswärtsspiele zu haben)?
Ich sehe es schon als Nachteil, weil es nicht nur Auswärtsspiele sind, sondern Gegner, die um die Meisterschaft spielen. Bayreuth und Würzburg müssen beide alles auf die Karte Sieg setzen, um oben dran zu bleiben. Die Tatsache, dass wir noch keinen Auswärtssieg in dieser Saison geholt haben, ist natürlich auf der einen Seite ein Manko, auf der anderen Seite auch Ansporn, es besser zu machen. Ich sage immer gerne: Laut der Tabelle haben wir keine Chance, aber genau die wollen wir nutzen.
Wie sieht die personelle Situation derzeit aus und wie ist der Fitness-Stand bei Clay Verkaj, der nach eineinhalb Jahren Verletzungspause nun endlich wieder auf den Platz und ins Team zurückkehren konnte?
Clay trainiert derzeit voll mit und konnte auch Testspiele absolvieren. Er hat aber noch nicht den Stand, über 90 Minuten gehen zu können. Er ist aber auf jeden Fall schon jetzt wieder eine echte Alternative. Alen Camdzic hat sich im Training einen Muskelfaserriss zugezogen und wird in den kommenden Wochen fehlen. Arda Nadaroglu und Gianluca Schäfer sind nach ihren Verletzungen aus dem vergangenen Jahr zurück im Team, haben aber noch nicht den Fitnesstand, um uns kurzfristig weiterhelfen zu können.
21. Februar 2025 / Das Interview führte: Melanie Grün-Schmidt
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